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Geldpolitik

Glücklicher Zufall für die EZB

Von Andrew Bosomworth
Glücklicher Zufall für die EZB Bild: Pimco

Zwei Faktoren legen nahe, dass die Europäische Zentralbank (EZB) auf kurze Sicht keine großen Veränderungen an ihrem Kurs vornehmen wird: Zum einen muss die Inflation nachhaltig in Richtung von 2% steigen, und das, während Bereiche des Arbeitsmarkts im Euroraum weiterhin ungenutzte Kapazitäten aufweisen. Zum anderen halten trotz der geringeren Risiken im Euroraum die geopolitischen Risiken rund um die Welt an.

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Folgerichtig honorierte Mario Draghi zuletzt die besseren Wachstumsaussichten der Eurozone und sprach davon, dass die Erholung „zunehmend solide ist“ und die Abwärtsrisiken für das Wachstum sich weiter „verringert“ hätten.

Wir erwarten, dass die EZB ihre quantitative Lockerung (Quantitative Easing, QE) bis Juni 2018 über drei Phasen auslaufen lassen wird. Zunächst dürfte Draghi bei der Sitzung im Juni 2017 die Aussagen über die künftige Geldpolitik entsprechend ausgewogener wählen. Bei der Sitzung im September 2017 dürfte dann eine Drosselung der Anleihenkäufe ab Januar 2018 beschlossen werden. In der ersten Jahreshälfte 2019 dürfte dann eine Normalisierung des Einlagensatzes in Angriff genommen werden.

Die EZB wird im Rahmen ihres Kaufprogramms bis Ende des laufenden Jahres nahezu ein Drittel aller ausstehenden Euro-Staatsanleihen halten und damit die Emittentenobergrenze von 33% in mehreren Ländern noch in der ersten Jahreshälfte 2018 erreichen. Diese technische Begrenzung, die zufällig mit einem – nach den Standards der Eurozone – robusten Wirtschaftswachstum zusammenfällt, zwingt die EZB-Banker praktisch, ihre Anleihenkäufe zu Beginn des kommenden Jahres zurückzufahren.

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Andernfalls müsste die EZB deutlich von ihrem Kapitalschlüssel abweichen, um ihre Anleihenkäufe bis weit in das Jahr 2018 fortzusetzen. Eine solche Lockerung des Kapitalschlüssels ist jedoch umstritten. Abgesehen von rechtlichen Belangen dürfte die Maßnahme wohl nur dann den Segen des EZB-Rates erhalten, wenn sich die Währungshüter im Gegenzug zu einer raschen Einstellung der Ankäufe verpflichten.

Das erwartete Abebben der Liquiditätsflut wird sich unseres Erachtens am deutlichsten in den Preisen jener Vermögenswerte niederschlagen, die am meisten von der Geldpolitik abhängig sind und am stärksten durch sie verzerrt werden – wie etwa Staatsanleihen aus Peripherieländern und Bundesanleihen kurzer Laufzeit. Aus diesem Grund bleiben wir in diesen Sektoren zurückhaltend.

Quelle:
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