Langfristiger Ausblick

Weltwirtschaft am Wendepunkt

Von Richard Clarida und Andrew Balls

Die Weltwirtschaft expandiert nun bereits seit über sieben Jahren anhaltend, wenn auch nur mäßig. Doch was wird geschehen, wenn der zyklische Rückenwind nachlässt, der im letzten Sommer einsetzte? Und wie wird sich die Politik der weltweit bedeutendsten Volkswirtschaften auf den steigenden Druck durch Populisten und die nachlassenden Auswirkungen einer unkonventionellen Geldpolitik und fiskalpolitischer Sparmaßnahmen einstellen?

Auf dem 36. jährlichen Secular Forum von PIMCO vom 8. bis 10. Mai in Newport Beach, USA wurden unter anderem diese entscheidenden Themen diskutiert. PIMCOs Secular Forum bringt renommierte Gastreferenten und globale Anlageexperten zu einer dreitägigen Diskussion zusammen, um unseren Ausblick für die nächsten drei bis fünf Jahre zu überprüfen und festzulegen. Nachfolgend eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse des diesjähringen Forums.

Wendepunkte zeichnen sich ab

Die Weltwirtschaft steht während der nächsten fünf Jahre möglicherweise vor mehreren bedeutenden Wendepunkten, sowohl bei der Richtung als auch dem Ausmaß der geld-, fiskal-, handels-, geo- und währungspolitischen Maßnahmen.

Die Herausforderung für die Anleger besteht darin, dass die Richtung dieser politischen Wendepunkte oft bekannt sein mag – mehr fiskalpolitische Impulse und geringere geldpolitische Akkommodation in den USA –, der tatsächliche Weg, den die politischen Maßnahmen einschlagen werden, deren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und die Märkte sowie deren letztendliches Ziel aber zurzeit noch höchst unsicher sind. Die Absicht, die Richtung einer politischen Maßnahme zu ändern, garantiert nicht deren Erfolg, ein Plan zur Umsetzung einer politischen Maßnahme legt nicht ihren Weg fest, und die Marktreaktion kann das letztendliche Ziel der politischen Maßnahme verändern. Aus diesem Grund müssen Anleger jeden dieser politischen Wendepunkte identifizieren und beurteilen, in Märkte investieren, die von erfolgreichen politischen Maßnahmen profitieren werden, und sich vor wahrscheinlich scheiternden politischen Maßnahmen in Acht nehmen.

Um unsere langfristigen Prognosen für die kommenden Jahren richtig zu formulieren, mussten wir Antworten auf vier große Fragen finden:

  • Wie sieht die Endphase einer unkonventionellen Geldpolitik aus bzw. gibt es eine solche überhaupt?
  • Wird eine potenzielle fiskalpolitische Wende in den USA ausreichen, um eine Beschränkung des globalen Handels durch den potenziellen Protektionismus zu verhindern?
  • Wie werden die politische Polarisierung und der Populismus die Handels-, Verteidigungs- und Wechselkurspolitik über unseren langfristigen Horizont beeinflussen?
  • Wie werden die politischen Entscheidungsträger in China durch die Änderungen in Wirtschaft, Handel, politischer Führung und Geopolitik navigieren, die auf dem 19. Nationalen Volkskongress im späteren Jahresverlauf anstehen könnten?

Wichtigste Schlussfolgerungen

PIMCOs Secular Forum wurde über Jahrzehnte verfeinert und ermöglicht uns eine langfristige Sichtweise. Dadurch können wir in einer Weltwirtschaft, die zahlreiche Wendepunkte durchläuft, Risiken steuern und Gelegenheiten erkennen.

Langfristige Wendepunkte

  • Geldpolitik: Wir erwarten eine Normalisierung der Fed-Bilanz, die jedoch weniger ausgeprägt sein wird, als viele Marktteilnehmer denken. Bei der Fed Funds Rate rechnen wir mit einem Zielwert im Rahmen der Neuen Neutralität.
  • Fiskalpolitik: Unseres Erachtens wird der US-Kongress ein Paket, dass sich auf Steuersenkungen fokussiert aber wenige reale Reformen beinhaltet, verabschieden. In Europa erkennen wir nur einen begrenzten fiskalpolitischen Spielraum.
  • Handelspolitik: Wir gehen davon aus, dass sich die USA auf bilaterale Vereinbarungen – zum Beispiel China oder NAFTA – konzentrieren und die bestehende Macht innerhalb der WTO aggressiv nutzen werden.
  • China – Fiskal- und Handelspolitik: Nach unserer Auffassung dürfte das Wachstum nachgeben, da Präsident Xi Jinping eine strukturelle Stabilität dem anfälligen, schuldenbasierten Status quo vorzieht.
  • Geopolitik und Währungspolitik: Trotz der populistischen Strömungen in Europa erwarten wir, dass der Euro überlebt und Italien in der Eurozone bleibt. Der chinesische Yuan dürfte allmählich weiter nachgeben.

Gesamtwirtschaftliche Risiken ...

  • Unserer Meinung nach sind die Abwärts- und Aufwärtsrisiken in den USA ungefähr ausgeglichen. Über den langfristigen Horizont hinweg steigt das Abwärtsrisiko für das Wachstum sowohl in Europa als auch in China.
  • Wir erkennen kein Extremereignisrisiko einer globalen Deflation mehr.
  • Es besteht unseres Erachtens ein Risiko, dass die Fed Funds Rate unter dem Niveau der Neuen Neutralität endet.
  • Das Risiko, dass die Weltwirtschaft in der nächsten Rezession – wann diese auch auftreten mag – „ohne Ersatzreifen fährt“, behalten wir im Auge.

... und Reaktionen innerhalb des Portfolios

  • Konzentrieren Sie sich auf die Bewertung, denn viele „gute Meldungen“ sind an den Märkten eskomptiert.
  • Behalten Sie den Schwerpunkt auf einem Kapitalerhalt bei.
  • Suchen Sie bei Zinsen und Anleihen nach relativem Wertpotenzial.
  • Berücksichtigen Sie globale Anlagechancen, einschließlich der Schwellenländer.

Eine langfristige Reise mit zahlreichen Wendepunkten der globalen Märkte sollte aktiven Verwaltern einträgliche Gelegenheiten verschaffen. Wir möchten einen flexiblen und taktisch orientierten Ansatz beibehalten, um diese Gelegenheiten zu nutzen.

Quelle:
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