Qualitätssicherung in der Wissenschaft

 - 17:35

Zu "Undurchsichtige Auftragsforschung" (F.A.Z. vom 6. Juli): Meistens bin ich von den Artikeln zu Bildung, Forschung und Lehre sehr angetan. Umso mehr enttäuscht mich, welchen Umfang die F.A.Z. einer oberflächlichen und abwegigen Kritik am Begutachtungsverfahren der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) einräumt. Die Verfahren der DFG zur Begutachtung von Einzel- und Programmanträgen gehören zu den weltweit besten Instrumenten der Qualitätssicherung in der Wissenschaft. Ich frage mich, warum die Meinung von Verlegern hierzu in der F.A.Z. wiedergegeben wird. Ein repräsentatives Urteil aus dem Bereich der Wissenschaft wäre hier besser angebracht als die Kritik einiger Verleger. Dass deren Interessen andere sind als diejenigen von Wissenschaftlern, ist einigermaßen offensichtlich. Die Forderung des Literaturwissenschaftlers Reuß, die Anonymität der Gutachter aufzuheben und sämtliche Anträge und Gutachten vollständig auf der Website der DFG einsehbar zu machen, zeugt von erstaunlicher Weltfremdheit. Als Antragsteller lege ich großen Wert auf Vertraulichkeit und kenne keinen Kollegen, der seinen Forschungsantrag und die Gutachten darüber im Internet sehen möchte. Durch die Anonymität der Gutachter von Einzelanträgen andererseits ist gewährleistet, das diese nicht einem Druck aus dem Kollegenkreis ausgesetzt sind, der ihr Urteil unsachgemäß beeinflusst. Es würde mich interessieren, von Roland Reuß Beispiele von funktionierenden und bewährten Verfahren genannt zu bekommen, in denen Anträge und nichtanonyme Gutachten öffentlich gemacht werden.

Professor Dr. Gernot Münster, Münster

Quelle: F.A.Z.
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