Rotkäppchen mit Gewehr

Waffenlobby schreibt Märchen um

Aktualisiert am 26.03.2016
 - 11:43
Wehrhafte Omi: Da hat auch der Wolf keine Lust mehr auf sein Mittagessen
Mit neuen Fassungen klassischer Märchen will der amerikanische Waffenverband NRA Kinder für Schusswaffen begeistern. Bei Rotkäppchen etwa genügt schon das Entsichern der Waffe, um die Großmutter vor dem Wolf zu schützen.

Der amerikanische Waffenverband NRA lässt Märchen für Kinder umschreiben, um ihnen die Vorzüge von Schusswaffen nahezubringen. Der Unterschied zu den Originalgeschichten: In der NRA-Version tragen die Märchenfiguren Gewehre mit sich herum. Zwei dieser Erzählungen hat die Organisation schon auf einer Webseite veröffentlicht – „Rotkäppchen“ sowie „Hänsel und Gretel“.

Die beiden Adaptionen bleiben unblutig. Im Falle von Rotkäppchen genügt schon das Entsichern der Waffe, um die Großmutter vor dem Wolf zu schützen. „Oh, wie der Wolf es hasste, wenn Familien gelernt hatten, sich selbst zu verteidigen“, heißt es dort. Verfasst hat die Geschichten die Kinderbuchautorin und Bloggerin Amelia Hamilton.

Aus Versehen in den Rücken geschossen

„Die Originalmärchen sind sehr gewalttätig. Würde man Kindern mehr über Sicherheit beibringen, ließen sich die darin geschilderten Situationen vermeiden“, sagte Hamilton in einem Interview der NRA-Sendung „Cam & Co“. Im Mai will die Autorin eine Neuversion von „Die drei kleinen Schweinchen“ veröffentlichen.

Anti-Waffenvereinigungen kritisieren Hamiltons Kurzerzählungen scharf. Dan Gross, Präsident der „Brady Campaign to Prevent Gun Violence“, teilte mit: „Märchen machen natürlich viel mehr Spaß als die harte Wahrheit, dass in Amerika jeden Tag beinahe 50 Kinder und Jugendliche durch Schusswaffen verletzt oder getötet werden.“

Der einfache Zugang zu Gewehren und Pistolen führt in den Vereinigten Staaten immer wieder dazu, dass selbst Kleinkinder sich selbst oder andere Menschen damit verletzen. Erst vor zwei Wochen hatte ein Vierjähriger seiner Mutter bei einer Autofahrt versehentlich in den Rücken geschossen.

Quelle: dpa
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