WM-Standort Frankfurt

Zwietracht an der Baustelle

Von Frank Hellmann
18.09.2002
, 20:48
Das neue Frankfurter Stadion als Modell
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Ein Investor soll der Eintracht helfen und das neue Waldstadion mitfinanzieren und betreiben. Die Suche der Frankfurter ist seit Monaten erfolglos.
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Täglich wächst das Betonskelett hinter beiden Toren. Laster wirbeln Staub auf, Presslufthammer dröhnen bis in den nahen Stadtwald. Beinahe rund um die Uhr schuften die Bauarbeiter am Frankfurter Waldstadion, und der Fortschritt ihrer Tüchtigkeit ist in kurzen Zeitabständen zu besichtigen.

Spätestens 2005 soll eine futuristische Arena fertig sein, die als Clou ein verschließbares Dach erhält. Das größte „Cabrio“ der Welt ersetzt für die WM 2006 das marode Waldstadion.

Alte und neue Probleme

Dummerweise hat der Verein, der in diesem schönen Stadion als Hauptnutzer nach 2006 spielen soll, weder die Vergangenheit bewältigt noch die Zukunft vorbereitet. Vor der alten Haupttribüne üben auf den Trainingsplätzen die aktuellen Profis, und der Gesamtzustand der Zweitliga-Mannschaft hat auch etwas von einer Baustelle.

Eintracht Frankfurt schwelgte nach drei Siegen in Liga zwei schon in Aufstiegsträumen, um nach den jüngsten beiden Niederlagen in überwunden geglaubten Albträumen zu verfallen. Grabenkämpfe zwischen den sich entgegen allen Beteuerungen nicht wohl gesonnenen Vertretern aus Verein und AG schlossen sich an. Die Frankfurter Zwietracht, wie sie leibt und lebt.

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WM-Standort mit allen Mitteln

Das ist deshalb etwas misslich und von größerer Bedeutung, weil sportlicher Erfolg, Eintracht Frankfurt, Stadionfinanzierung und Stadt in einem engen Abhängigkeitsverhältnis zueinander stehen. Nicht zuletzt für die WM 2006. Die Stadtväter mit Bürgermeister Achim Vandreike an der Spitze wollten die WM mit allen Mitteln in die Main-Metropole holen.

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Und deshalb pumpt die öffentliche Hand auch 84,5 der 126 Millionen Euro Baukosten in das Stadion. Den Rest soll ein Betreiber aufbringen, der sich an die Bedingungen der Stadt zu halten hat. Und später ein Kapitaldarlehen von 41,5 Millionen Euro zurückzahlt.

Schwierigkeiten bei der Investorensuche

Erwartungsgemäß gestaltet sich die Investorensuche für einen allenfalls zweitklassig geführten Zweitligisten mit zweifelhafter Perspektive als schwierig. Zum einen soll der Finanzier der verschuldeten Eintracht Frankfurt Fußball AG unter die Arme greifen, zum anderen auch noch das Stadion betreiben. „Dabei kann niemand eine Garantie abgeben, wann wir wieder erstklassig sind“, sagt Thomas Pröckl.

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Der Vorstandschef Finanzen hat den wohl undankbarsten Job beim Traditionsverein. Wenigstens drückt sich Pröckl nicht um deutliche Worte. „Wenn wir keinen Investor finden, müssen wir die Kosten für die nächste Runde weiter drastisch runter fahren. Um rund 30 Prozent.“ Will heißen: Der Erstliga-Aufstieg wäre weit weg, die gerade erst in letztem Moment vermiedene Insolvenz wieder sehr nah.

Eishockey-Boss im Boot

Also muss ein Investor her. „Er darf Einfluss ausüben“, lockt der Finanzchef. „Wir wollen ihn bis Ende dieses Jahres, spätestens zum 31. März 2003 präsentieren“, sagt Pröckl. Und: Man sei in diesen schwierigen Zeiten über jeden Kontakt dankbar. Wer auch immer einen Tipp gibt und einen Geldgeber bringt: Pröckl allein sieht sich zusammen mit dem Aufsichtsratsboss Volker Sparmann befugt, die Detailgespräche zu führen. „Wir haben drei Interessenten, mit zweien davon schon geredet.“

Wovon ein Verhandlungspartner das englische Unternehmen Stadiovarios ist, das als Partner und Stadionbetreiber fungieren könnte. Haken an der Sache: Mit im Boot sitzt auch Gerd Schröder, bei der Stadt nicht gern gesehener, weil tollkühn planender Boss des Eishockey-Clubs Frankfurt Lions. Es wird vermutet, dass Schröder sich über Umwege sein Denkmal einer großen Eishalle gleich mit errichten will.

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Kontraproduktive Vorgänge

Damit der Schwierigkeiten nicht genug: Offensichtlich führte zeitgleich auch Vereinspräsident Peter Fischer eigenmächtig Verhandlungen mit dem lebenswichtigen Retter und Investor. Er sprach mit der Firma von Gaby Schuster, beschimpfte Mitglieder des Aufsichtsrats und trachtet eigentlich nur danach, im November als Präsident wiedergewählt zu werden. „Keine normalen Meinungsverschiedenheiten“, räumt Pröckl ein, versichert aber, die Zusammenarbeit zwischen Verein, speziell dessen eloquenter Vertreter Fischer, sei produktiv.

Die Realität ist eine andere: Die Machtkämpfe im Verein, die Unentschlossenheit der Stadt und vor allem die unklare Zukunft von Eintracht Frankfurt sind kontraproduktiv für den WM-Standort Frankfurt. Gebaut wird dagegen fleißig weiter. Notfalls allein mit Steuergeldern für fünf WM-Spiele und einen vielleicht im Amateurbereich versunkenen Traditionsverein.

Schließlich will sich niemand vorhalten lassen, was Vertreter der bei der Stadionauswahl unterlegenen Städte Düsseldorf und Mönchengladbach in Richtung Frankfurt äußerten. „Wir sind gespannt, ob das tolle Cabrio auch gebaut und finanziert werden kann.“

Quelle: @hel
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