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Ölpreiskrieg

Hängepartie nach Waffenstillstand

Von Christian Siedenbiedel und Martin Hock
Aktualisiert am 12.04.2020
 - 15:20
Opec+-Videoschalte: Denkwürdige Bilder einer denkwürdigen Konferenz mit einem fragwürdigen Ergebnis.
Die Opec+ hat sich mühsam auf eine eher enttäuschende Förderkürzung geeinigt. Doch die G20 konnten diese nicht absegnen. Am Sonntagabend will die Opec+ noch einmal verhandeln.

Am Ende einer dramatischen, rund elfstündigen Videokonferenz hatten sich die Länder der Organisation der Erdöl exportierenden Länder und weitere Staaten (Opec Plus) am Ende doch auf eine Kürzung der Ölförderung um 10 Millionen Barrel (Fass zu 159 Liter) verständigt. Am Ende hatte auch Mexiko zugestimmt, weil es statt 400.000 Barrel am Tag nur 100.000 am Tag weniger produzieren muss und die Vereinigten Staaten zusagten, ihre Fördermenge um 250.000 Barrel zu reduzieren.

Bestand hatte der Beschluss am Ende nicht lange. Denn die Energieminister der G20-Staaten konnten sich nicht auf konkrete Maßnahmen einigen. Die G20-Staaten verpflichteten sich nur, „alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Stabilität des Energiemarktes zu gewährleisten", hieß es in der Abschlusserklärung vom Samstag. Verbindliche Zusagen zur Drosselung der Ölförderung gab es nicht. Die G20-Gespräche hatten die Einigung eigentlich besiegeln sollen.

Schon die Sitzung der Opec war schwierig gewesen. So eine Sitzung habe sie noch nicht erlebt, berichtete Amena Bakr, eine erfahrene Opec-Spezialistin beim Branchendienst „Energy Intelligence“. Zum Teil hatten manche Scheichs bei der Videokonferenz technische Schwierigkeiten – ganz so wie viele Bürobeschäftigte im Homeoffice zuletzt. Relativ früh hatten die Ölstaaten erklärt, sie seien sich grundsätzlich über eine Kürzung einig; dann aber wurde lange über die Details gefeilscht. Während Kasachstan und Brunei, die zuerst auch gegen die Kürzungspläne waren, später einlenkten, als Saudi-Arabien drohte, andernfalls den Markt mit Öl zu fluten, blieb Mexiko hart. Iran schlug vor, man sollte Mexiko vom Deal ausschließen, setzte sich aber nicht durch.

BRENT

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Im Abschlussdokument der Opec Plus sind folgende konkrete Kürzungspläne aufgeführt: Für Mai und Juni soll die Ölförderung um zehn Millionen Barrel am Tag gekürzt werden, in den zweiten Jahreshälfte um acht Millionen und von Januar 2021 bis April 2022 um sechs Millionen Barrel. Dabei wurde offenbar damit getrickst, dass man als Ausgangspunkt für die Kürzung – außer für Saudi-Arabien und Russland – nicht die gegenwärtige Fördermenge wählt, sondern eine höhere vom Oktober 2018. Schon die erwartete Förderkürzung von 10 Millionen Barrel wird von vielen Marktteilnehmern als zu niedrig betrachtet. Da diese nun auch noch de facto niedriger ist und von den G20 nicht unterstützt wurde, lässt große Enttäuschung erwarten.

Das Abkommen war im Wesentlichen Ergebnis einer Verständigung zwischen Saudi-Arabien und Russland, deren Konflikt in den vergangenen Wochen zu einem regelrechten Ölpreiskrieg geführt hatte. Carsten Brzeski, Ökonom der Bank ING, nannte den Kompromiss einen „Waffenstillstand“. Der Preis für Nordseeöl der Sorte Brent, der während der Verhandlungen bis auf 33 Dollar je Barrel gestiegen war, gab später deutlich nach und ging am Gründonnerstag mit 31,48 Dollar aus dem Handel. Nach dem Fisako der G20-Konferenz ist wohl mit weiter deutlichen Abgaben zu rechnen, sobald der Handel wieder aufgenommen wird. Der Preis für Brent hatte sich im Vorfeld der Opec+-Konferenz deutlich von seinem Tiefstand bei 22,76 Dollar erholt. Diesen könnte er nun wieder ansteuern. Giovanni Staunovo, Ölanalyst der UBS, rechnet damit, dass er im zweiten Quartal noch auf 20 Dollar oder tiefer fällt.

Am Sonntagabend will die Opec+-Gruppe nach Angaben Aserbaidschans indes die Gespräche über die geplante Förderkürzung fortsetzen. Für 18 Uhr sei eine Video-Konferenz mit den zuständigen Ministern angesetzt, sagte ein Sprecher des aserbaidschanischen Energieministeriums in der Hauptstadt Baku der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Sie wollten noch offene Fragen klären.

So ist offenbar noch unklar war aber, wie verbindlich die Zusagen tatsächlich sind und ob sich alle großen erdölproduzierenden Länder letztlich auch daran halten werden. Der Kreml mahnte am Sonntag eine Einigung an, sonst drohe ein nicht mehr kontrollierbares Chaos bei den Energiepreisen, sagte Sprecher Dmitri Peskow im Staatsfernsehen.

Unterdessen gibt es aus Amerika Berichte, dass sich große Banken vorbereiten, in den Betrieb von Öl- und Gasfeldern einzusteigen. So sollten Verluste durch den Bankrott von Fracking-Unternehmen mit hohen Schulden vermieden werden. Die amerikanischen Großbanken seien jeweils gerade dabei, unabhängige Gesellschaften einzurichten, welche die Öl- und Gasfelder übernehmen könnten.

Quelle: F.A.Z.
Christian Siedenbiedel - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christian Siedenbiedel
Redakteur in der Wirtschaft.
Autorenporträt / Hock, Martin
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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