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Dramatischer Mangel

Für diese Berufe gibt es immer weniger Fachkräfte

Von Dietrich Creutzburg, Berlin
 - 16:51

Trotz konjunktureller Schwächezeichen suchen Unternehmen immer noch viel Personal. Am Bau, im Handwerk und in etlichen Industrieberufen hat sich der Mangel an Fachkräften in jüngster Zeit sogar weiter verschärft. Das zeigt die neue halbjährliche „Engpassanalyse“ der Bundesagentur für Arbeit. Wie sich der am Freitag fertiggestellten Übersicht entnehmen lässt, waren im Dezember in insgesamt 86 Berufssparten die statistischen Kriterien für einen bundesweiten Bewerbermangel erfüllt. Das sind 25 mehr als Mitte vergangenen Jahres und sogar 38 mehr als vor einem Jahr.

Neu auf der Mangelliste stehen beispielsweise Bauplaner, Parkett- und Fliesenleger; außerdem Berufe der Baustoffherstellung, der Holzbearbeitung. Es sind aber auch Werkzeugtechniker und Monteure knapp geworden; ebenso Berufskraftfahrer und Fachkräfte für die Fleischverarbeitung. In manchen Regionen, vor allem im Südwesten, fehlen auch schon Lebensmittelfachverkäufer, wie die Übersicht weiter zeigt. In Sachsen-Anhalt finden demnach auch Banken und Versicherungen zu wenig Personal. Daneben weist die Analyse einen sich weiter verschärfenden bundesweiten Personalmangel in den einschlägigen Gesundheits- und Pflegeberufen wie auch in IT-Berufen aus.

Von Fachkräftemangel spricht die Behörde zumeist dann, wenn es in einem Beruf länger als 140 bis 150 Tage dauert, bis Arbeitgeber freie Stellen besetzen können. Neben dieser Vakanzzeit wird aber noch ein zweites Kriterium geprüft: In dem Beruf dürfen je registrierter freier Stelle höchstens zwei Arbeitslose mit passender Qualifikation in ganz Deutschland gemeldet sein. Die durchschnittliche Vakanzzeit über alle Berufe hinweg ist der Auswertung zufolge im Jahr 2018 um 10 auf 113 Tage gestiegen. Vor fünf Jahren waren es noch weniger als 80 Tage. Bis freie Stellen für Parkett- oder Fliesenleger besetzt werden, dauert es inzwischen durchschnittlich 180 Tage; im Fall von Berufskraftfahrern sind es 150 Tage. Klempner oder Kältetechniker zu finden, dauert im Durchschnitt sogar mehr als 200 Tage.

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Dezember 2018
Einwanderungsgesetz für Fachkräfte beschlossen

Ehemalige Asylbewerber helfen zunehmend

Die Regierung aus Union und SPD hofft, diese Engpässe auch mit dem geplanten Fachkräfte-Einwanderungsgesetzes lindern zu können. Innenminister Horst Seehofer (CSU) und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) haben sich in dieser Woche dafür stark gemacht, das vom Kabinett beschlossene Gesetz rasch durch die Bundestagsberatungen zu bringen. Es soll gut qualifizierten Arbeitskräften aus Ländern jenseits der EU den Weg nach Deutschland erleichtern, indem es unter anderem bürokratische Hürden senkt.

In einigen Fällen lassen sich freie Fachkräftestellen auch schon mit ehemaligen Asylbewerbern besetzen. Etwa ein Sechstel der Arbeitskräfte, die in den vergangenen fünf Jahren auf diesem Weg nach Deutschland gekommen sind, üben inzwischen eine Erwerbstätigkeit aus, die fachliche Kenntnisse oder höhere Qualifikationen erfordert. Das zeigen Ergebnisse einer Befragung, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Freitag mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) und dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) vorgestellt hat. Ein weiteres Sechstel der ehemaligen Asylbewerber sind demnach in Helfer- und Anlernberufen untergekommen. Insgesamt hat damit nun etwa ein Drittel der Flüchtlinge im Erwerbsalter eine Arbeitsstelle.

Gleichzeitig kommt die Studie zu dem Schluss, dass zwar einerseits 31 Prozent der erwerbstätigen Flüchtlinge für ihre aktuelle Arbeit eigentlich überqualifiziert sind. Andererseits arbeiten aber auch 25 Prozent oberhalb ihres nachgewiesenen Ausbildungsniveaus. Basis der Studie ist eine repräsentativ angelegte Wiederholungsbefragung unter insgesamt 7400 Flüchtlingen und Asylbewerbern. Positiv überrascht zeigen sich die Forscher, wie rasch viele der Befragten Deutsch lernen. Einem Drittel attestieren sie inzwischen „gute bis sehr gute Deutschkenntnisse“, fast doppelt so vielen wie ein Jahr zuvor.

Quelle: F.A.Z.
Dietrich Creutzburg
Wirtschaftskorrespondent in Berlin.
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