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Serie „Anders Arbeiten“

Lass uns reden

Von Tobias Bug
 - 14:55

In der Mitte eine Wendeltreppe, die drei Etagen miteinander verbindet. Betritt man das Gebäude in der Caffamacherreihe 7 im Hamburger Brahmsviertel, wähnt man sich eher in einem stilvoll eingerichteten Hostel als in der Deutschlandzentrale eines Digitalkonzerns. Überall stehen Sessel in Gelb und Türkis auf lila Teppichen. Und als böte sich dort nicht schon genug Raum für sozialen Austausch, gibt es nicht nur weitere 15 Meetingräume, sondern auch noch andere Zimmer, die nur diesem Zweck dienen – Spielekonsole, Tischkicker und Massagesessel inklusive.

Hier residiert die deutsche Tochtergesellschaft von Facebook. Der Konzern beschäftigt mehr als 17 000 Mitarbeiter weltweit und macht einen Jahresüberschuss von über 27 Milliarden Dollar. Facebook besteht nicht nur aus dem sozialen Netzwerk, dem weltweit mehr als zwei Milliarden Menschen angehören. Auch die digitale Plattform zum Teilen von Fotos, Instagram, und der Textnachrichtendienst Whatsapp gehören mittlerweile dazu. Mit dem Netzwerken verdient der Konzern also sein Geld. Kein Wunder, dass sich das auch in der Firmenkultur – und in den Büroräumen – niederschlägt.

Netzwerken zwischen Küchenzeile und Kühlschrank

Der Austausch unter den Kollegen am Arbeitsplatz war schon immer wichtig, das war auch vor Facebook & Co. so. Früher jedoch fand er in der eher entlegenen Kaffeeküche oder auf dem Raucherbalkon statt. Dort erfuhr man – eingequetscht zwischen Küchenzeile und Kühlschrank – den überlebenswichtigen Firmenklatsch, vertiefte Themen und feilte praktisch im Vorbeigehen an neuen Ideen. Doch jetzt muss man nicht einmal mehr Kaffeetrinker und schon gar kein Raucher sein, um Kontakt zu Kollegen zu bekommen, die man sonst nicht einmal gegrüßt hätte. Jetzt rücken Unternehmen diesen Nebenaspekt des Arbeitslebens in den Vordergrund, so gut sie können - auch räumlich.

Der Raum ist der dritte Erzieher, schrieb schon der italienische Erziehungswissenschaftler Loris Malguzzi. In modernen Bürokonzepten wird das „Netzwerken“ unter Mitarbeitern einer Bürogemeinschaft institutionalisiert: Größer, zentraler, gemütlicher sind die Kaffeeküchen von heute. Das sieht eher nach Wohnen als nach Arbeiten aus. Doch der Eindruck täuscht. Hier soll Kreatives und Nützliches entstehen.

Austausch zwischen Einzelkämpfern und Teams

„Move fast and break things“ steht in großen roten Buchstaben an der Wand im Hamburger Büro von Facebook. Wenn man sich schnell bewegt, bleibt eben das eine oder andere auf der Strecke, könnte das heißen. Das muss nichts Schlechtes sein, so schafft man bekanntlich Raum für Neues. Die „Facebook Wall“ bietet Platz für Gedanken der Mitarbeiter, wenn denn einer davon wichtig genug ist, um niedergeschrieben zu werden. Es gibt zwar eine einheitliche Struktur für alle Facebook-Standorte auf der Welt, die es den Mitarbeitern ermöglichen soll, sich überall sofort zurecht zu finden, doch können alle ihre Wünsche und Vorlieben in Bezug auf Gestaltung und Ausstattung der Büroräume einbringen. Jeder soll dazu beitragen.

Nicht nur bei Facebook lässt sich der Trend beobachten: Kaum betritt man ein Büro, schon fällt man in die Kaffeeküche. Dem sozialen Austausch soll sich niemand entziehen können, so sieht man das auch in den neuen „Co-working“-Büros, die nun überall aus dem Boden sprießen. Dort, zwischen vielen Solo-Selbständigen und kleinen Teams, ist der Austausch auch besonders wichtig. Nur so ergattert man neue Aufträge, holt sich Hilfe von außen, die man sich sonst nicht leisten könnte. Die Welt wird immer mobiler und immer flexibler, deshalb ist der Austausch immer wichtiger.

Wissen teilen und wohlfühlen

„Digital sind wir heutzutage oft allein unterwegs“, so beschreibt es Stefanie Eisenbarth, zuständig für Arbeitsplatzstrategie bei dem Immobiliendienstleister Jones Lang La Salle (JLL), einem Münchner Beratungsunternehmen für die Planung von Geschäftsräumen. Deshalb wird das Teilen so wichtig – nicht nur Autos, Fahrräder oder Wohnungen, sondern auch Informationen. Das hat eine Umfrage von JLL zum Thema Mitarbeiterzufriedenheit unter Arbeitnehmern aus 13 Ländern gezeigt: Rund 44 Prozent der deutschen Arbeitnehmer ist demzufolge der Austausch im Unternehmen besonders wichtig. „Deutsche Arbeitnehmer teilen gern ihr Wissen“, sagt Eisenbarth. So bekommen sie neuen Input bei festgefahrenen Problemen. Der eine oder andere Plausch wird zum Startpunkt einer neuen Aufgabe, gar einer neuen Position in Form einer Beförderung.

Viel wichtiger aber ist der Wohlfühlfaktor: Denn Arbeitnehmern geht es auch um Menschlichkeit. Dazu gehört eben auch das Knüpfen und Pflegen von sozialen Kontakten. Aber es könnte offensichtlich noch mehr sein. Denn Deutschland hat großen Nachholbedarf, wenn es um das Engagement und die Zufriedenheit seiner Arbeitnehmer geht. Der Studie zufolge bezeichnen sich gerade einmal 36 Prozent als „sehr engagiert“. Das mag auch daran liegen, dass viele noch in abgetrennten Büros arbeiten – und im Vergleich zu Mitarbeitern aus anderen Ländern auch sehr daran hängen: Rund 83 Prozent arbeiten in dieser traditionellen Aufteilung – das sind 28 Prozentpunkte mehr als der internationale Durchschnitt. Und nur wenige können sich wirklich vorstellen, das aufzugeben. Die Konzentrationsfähigkeit hat hierzulande eine höhere Priorität – nur dass die eben womöglich zu Lasten der Zufriedenheit geht.

Zentraler Raum für gemeinsame Interessen

Denn in der Studie fragte der Immobiliendienstleister unter anderem nach, wie wichtig den Arbeitnehmern gewisse Räume sind. Am meisten „gefühlte positive Auswirkungen“ auf das Engagement haben dabei tatsächlich die Räume für gemeinsame Interessen. Menschen teilen ihre Leidenschaften hier. Bei einem Bier wird nach der Arbeit gemeinsam Fußball geschaut, in lichtdurchfluteten Räumen oder Bibliotheken über Tiefgründiges philosophiert oder auf dem Hausdach ein gemeinsames Beet gepflegt.

Das Team steht immer und überall im Vordergrund, der Austausch hat Priorität. Hat der stille Einzelkämpfer, der sich lieber in seine Akten vergräbt, als mit den Kollegen am Kicker neue Ideen zu entwickeln, damit ausgedient? Nicht unbedingt: Stefanie Eisenbarth ist jedenfalls davon überzeugt, dass Einzelkämpfer genauso wichtig wie „Teamplayer“ für eine größere Effizienz sind. Man müsse versuchen, beiden Typen gerecht zu werden.

Trennung zwischen Beruf und Privat schwindet

Bei Facebook ist man da anderer Meinung: „Niemand bei uns ist ein Einzelkämpfer“, sagt Unternehmenssprecher Dennis Hagelstein. Die Zusammenarbeit im Team sei Bestandteil der täglichen Arbeit. Das Unternehmen hat dafür eine eigene Abteilung eingerichtet mit dem Namen „Life@“, die sich nicht um den Umsatz kümmert, sondern um das Wohlbefinden und die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Die Palette ist ziemlich breit: Die Mitarbeiter dort haben Freizeitangebote wie Wellness und Fitness bis hin zu Versicherungen und Altersvorsorge im Blick und für die Kollegen organisiert.

Das hat einen ganz besonderen Effekt: Die frühere Trennung zwischen Beruf und Privat wird immer stärker aufgeweicht. Schon das Smartphone hat dazu geführt, dass die Grenzen verwischen, nun verstärken solche Bürokonzepte diesen Effekt noch einmal. Das passt nicht jedem Mitarbeiter, der fürchtet, auf diese Weise gar nicht mehr abschalten zu können. Zum Netzwerken kann man schließlich nur verführt und nicht gezwungen werden.

Quelle: F.A.S.
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