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Freiwillige Angebote

So kämpft die Zeitarbeitsbranche um Personal

Von Britta Beeger
 - 09:41
Was die Unternehmen in Schwierigkeiten bringt, ermöglicht den Leiharbeitnehmern eine gute Verhandlungsposition.

Nach vielen Jahren mit teils kräftig steigenden Umsätzen musste die Zeitarbeitsbranche in Deutschland im vergangenen Jahr einen Dämpfer hinnehmen. Das Plus belief sich nur noch auf 2,4 Prozent, den niedrigsten Wert seit dem Jahr 2012, wie aus einer aktuellen Umfrage der Marktforschungsgesellschaft Lünendonk hervorgeht, deren Ergebnisse der F.A.Z. vorliegen. 10 der 25 größten Personaldienstleister mussten einen Umsatzrückgang hinnehmen, darunter mit Adecco aus der Schweiz und Manpower aus den Vereinigten Staaten auch die Nummer zwei und drei der Rangliste. Der Marktführer Randstad aus den Niederlanden steigerte seinen Umsatz zwar leicht auf knapp 2,4Milliarden Euro, vermittelte aber weniger Zeitarbeitskräfte an seine Kunden.

Als Ursache für diese Entwicklung gilt zum einen die schärfere Regulierung der Zeitarbeit, die vor gut zwei Jahren in Kraft getreten ist und sich nach und nach auswirkt. Zeitarbeitskräfte müssen nun nach neun Monaten Einsatzzeit im Betrieb genauso entlohnt werden wie vergleichbare Stammarbeitskräfte („Equal Pay“) und dürfen zudem nur noch 18 Monate im gleichen Unternehmen eingesetzt sein. Zum anderen machte der Zeitarbeit die schwächelnde Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte zu schaffen – insbesondere Anbietern mit vielen Kunden in der Automobilindustrie. Es gab allerdings auch gegenläufige Effekte: So führte die Regulierung auch dazu, dass hochspezialisierte IT-Fachleute oder Ingenieure bei den Kunden nicht mehr als Selbständige eingesetzt werden, sondern wegen der größeren Rechtssicherheit im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung – das treibt die Umsätze. Da die Unternehmen für das kommende Jahr wieder optimistischer sind, werde es sich voraussichtlich nur um eine „vorübergehende Wachstumsdelle“ handeln, sagt Marktbeobachter Thomas Ball von Lünendonk.

Als langfristige Herausforderung dürfte sich hingegen der Personalmangel erweisen, der auch die Zeitarbeit trifft. 70 Prozent nannten ihn in der Umfrage als großes Hindernis. Vor allem Techniker, Pflegekräfte, IT-Spezialisten sowie Kaufleute sind gefragt. Was das im Alltag bedeutet? „Wir könnten wahrscheinlich an jedem unserer Standorte sofort 20 Stellen besetzen, wenn wir die geeigneten Kandidaten hätten“, sagt Andreas Nusko, Geschäftsführer des mittelständischen Personalvermittlers Franz und Wach. An Aufträge zu kommen sei nach wie vor „nicht das Problem“.

„Zeitarbeit ist heute kein Modell mehr, um Geld zu sparen“

Was die Unternehmen in Schwierigkeiten bringt, ermöglicht den Leiharbeitnehmern eine gute Verhandlungsposition. „Unsere Mitarbeiter wissen genau, was sie verlangen können“, sagt Nusko. In der untersten Entgeltstufe für Tätigkeiten, die nur eine kurze Einweisung erfordern, seien mehr als 10 Euro brutto in der Stunde üblich. Auch in den mittleren Entgeltstufen etwa für Industriemechaniker oder Maschinenführer zahlen die Zeitarbeitsunternehmen zum Teil deutliche Aufschläge von um die 20 Prozent auf die tarifvertraglich festgelegten Löhne, wie die Lünendonk-Erhebung ergeben hat. „Zeitarbeit ist heute kein Modell mehr, um Geld zu sparen“, sagt Nusko.

Damit allein ist es allerdings noch nicht getan: Viele Zeitarbeitsanbieter locken mit freiwilligen Zusatzleistungen wie Kilometer- und Verpflegungsgeld, zusätzlichen Urlaubstagen, Mitgliedschaften im Fitnessstudio oder Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Ob sich letztere auch für das Zeitarbeitsunternehmen lohnen, müsse man sich aufgrund der Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten im Einzelfall genau überlegen, sagt Nusko. Ein Staplerschein oder ein EDV-Kurs sei aber immer noch drin. Franz und Wach bietet zudem einen eigenen Fahrdienst an, damit Mitarbeiter ohne eigenes Auto oder Führerschein in ländlichen Gegenden zum Kunden kommen. Darüber hinaus hat sich das Unternehmen ein weiteres ungewöhnliches Extra für seine Beschäftigten ausgedacht: eine Zahnzusatzversicherung. Denn die würden sich viele Zeitarbeitskräfte trotz teils guter Verdienste selbst nicht leisten, sagt Nusko.

All das zeigt: Die Zeitarbeit wird kreativ, um noch Personal zu finden. Da der Bedarf der Gesamtwirtschaft weiter hoch ist – zuletzt waren in Deutschland dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zufolge rund 1,4 Millionen Stellen nicht besetzt – ist Lünendonk-Berater Ball optimistisch, dass es für Personaldienstleister weiter Aufträge geben wird. Und auch Geschäftsführer Nusko sagt: Eine schwere Krise wie in den Jahren 2008 und 2009, die sich in der Zeitarbeit oft früh abzeichnet, weil die Unternehmen hier als erstes kürzen, sei bislang nicht in Sicht. Die Lünendonk-Ergebnisse zeigen aber auch, dass der Optimismus in der Branche spürbar nachgelassen hat.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Beeger, Britta
Britta Beeger
Redakteurin in der Wirtschaft.
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