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Datenschutzunternehmen

Mit der DSGVO kam der Erfolg

Von Gustav Theile
 - 18:01

Mai 2018: viele Unternehmen werden nervös. Vom 25. Mai an gilt in Europa die DSGVO. Viele schicken panisch Massen-E-Mails an ihre Kunden. Auch in einem ehemaligen Möbelhaus in München geht es hoch her. Doch der Grund ist ein anderer: Der Datenschutz bestimmt die Schlagzeilen. Jetzt ist die Zeit, auf die sie hingearbeitet haben bei Dataguard. Thomas Regier und Kivanç Semen sind die Gründer von Dataguard. Sie kennen sich seit der Schulzeit. Im Sommer 2017 – beide sind um die 30 – besprechen sie, was mit der DSGVO auf Europa zukommt. Und sie erkennen, dass da ein Markt entsteht – der sich mit ihrer Überzeugung deckt.

„Dieser Rohstoff Daten war unzureichend geschützt“, sagt Regier. „Viele Unternehmen hatten das Thema nicht auf dem Schirm“, sagt Regier, vor allem kleine und mittelständische Unternehmen (KMU). Wenige seien in der Lage gewesen, aus der DSGVO abzuleiten, was konkret zu tun war. Viele der Hunderttausende KMU in Deutschland hätten sich deshalb nach „externen Datenschutzbeauftragten“ umgeschaut („Externer DSB“). „Mittlerweile sind wir einer der bundesweit führenden DSB-Anbieter für deutsche und internationale Unternehmen“, sagt Regier heute.

Zwei Überflieger

Regiers Brille ist dunkel wie seine Haare. Dass er chinesisch-argentinische Wurzeln hat, sieht man ihm kaum an. Sein Lebenslauf ist der eines Überfliegers: Politik- und Wirtschaftsstudium in St. Gallen, in Cambridge und im McCloy-Programm in Harvard. Dann Investmentbanker bei Goldman Sachs, Finanzvorstand eines Biotechnologie-Unternehmens in Boston. Zwischendurch einige Start-up-Gründungen. In diesem Jahr wird er 32 Jahre alt.

Sein Partner Semen ist ähnlich viel herumgekommen. Er hat türkische Wurzeln, kommt aus Stuttgart, ist Wirtschaftsingenieur und hat in Karlsruhe, Pittsburgh und Madrid studiert. Als Gründer war er noch aktiver als Regier. Er hat in Stuttgart und Düsseldorf orientalische Restaurants eröffnet und als Digitalisierungsberater gearbeitet.

„Als DSB nehmen wir Ihnen alles ab, was die DSGVO verlangt“, sagt Semen. Zuerst mache man eine Bestandsaufnahme. Es wird nach Abläufen und dem Umgang mit persönlichen Daten gefragt, aber auch danach, welche Schredder das Unternehmen hat und wie die zertifiziert sind.

Gründerübermut

Nach dem Bachelor haben sie gemeinsam einige Unternehmen gegründet – und sind gescheitert. Regier führt das unter anderem auf „jugendlichen Gründerübermut“ zurück. Sie wollten in Brasilien deutsche Effizienzhäuser verkaufen und eine Lernplattform für Studenten aufbauen.

2017 wollen Regier und Semen bei der Gründung von Dataguard nicht wieder die gleichen Fehler machen. Sie suchen weitere Partner für die Gründung. Regier erinnert sich an Reinhard Gorenflos. Der war auch mit dem McCloy-Programm in Harvard, fast 30 Jahre vor Regier, und ist seit vielen Jahren ein Mentor für ihn. Gorenflos war mal Finanzvorstand von Aral, später bei einem Beteiligungsfonds. Heute hat er eine Familienstiftung, die in Start-ups investiert. Der vierte Gründer ist Markus Fisseler, promovierter Jurist. Er war gemeinsam mit Gorenflos im McCloy-Programm in Harvard, später Partner in großen Anwaltskanzleien. Jetzt ist er Anwalt in München.

Fisseler und Gorenflos halten sich im Hintergrund. Semen und Regier leiten das operative Geschäft. Regier hält die Erfahrung und die Kontakte von Fisseler und Gorenflos dennoch für wichtig: „Nur deshalb kamen selbst in der Anfangsphase auch gestandene Rechtsanwälte zu uns.“

Der Erfolg von Dataguard übertrifft die Erwartungen der vier Gründer. Im Mai 2018 geht das Unternehmen an den Markt. In den verbleibenden acht Monaten 2018 macht das Unternehmen einen „starken mittleren einstelligen Millionenumsatz“, sagt Gorenflos. 2019 wollen sie den Umsatz verdoppeln. Auch die Mitarbeiterzahl steigt schnell. Im Mai 2018 waren es 35 Leute, im März 2019 schon mehr als 100.

Lack und Druckerschwärze

Nach dem ausführlichen Audit über Fragebogen und Interviews sagt Dataguard den Kunden, was sie tun müssen, um der DSGVO gerecht zu werden. Danach betreut Dataguard die Unternehmen weiter, dokumentiert den Datenschutz und berichtet regelmäßig, wie gut das Unternehmen die Daten schützt.

Semen erinnert sich an den Mai 2018: „Wir waren da noch in einem alten Möbelhaus, gemeinsam mit einer Druckerei. Es roch nach Lack und Druckerschwärze. Wir saßen zwischen Druckmaschinen.“ Im 30-Minuten-Takt hätten sie Kundentermine gehabt, jeder von ihnen sei an drei Tagen auf 1100 E-Mails gekommen. Zwischendurch mussten sie die Homepage offline nehmen, weil sie überlastet war. Doch die Mitarbeiter haben mitgezogen: „Das Team hat die Energie gespürt, bei etwas Großem dabei zu sein.“

Ende Januar 2019 hat das Unternehmen eine vierstellige Zahl an Kunden: Handwerksbetriebe, Arztpraxen und Marketingagenturen, inzwischen aber auch Konzerne. Kleine Betriebe zahlen 150 Euro im Monat, je nach Größe und Branche steigt der Preis. Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern zahlen mindestens 500 Euro. Der Audit am Anfang kostet zwischen 1000 und 3000 Euro. Schon 2018 hat Dataguard unter dem Strich Geld verdient, sagen die Gründer.

Dataguard setzt inzwischen auch auf Künstliche Intelligenz: „Ein Algorithmus hebt die Stellen hervor, an denen Entscheidungen getroffen werden müssen“, beschreibt Regier das Vorgehen. Das spart Geld und Zeit. Die Kunden würden aber nie von einer Maschine beliefert. „Bei uns wird immer ein qualifizierter Volljurist die finale Prüfung vornehmen“, versichert er. Dataguard. Jurist Fisseler will dadurch Zeit und Geld sparen. Die Arbeitsstunde eines Juristen koste 200 Euro, bei der repetitiven Arbeit seien lernfähige Systeme inzwischen ähnlich gut wie Menschen. Man brauche nur noch drei Prozent der Arbeitszeit für die Prüfung. Semen sieht einen weiteren Vorteil: „Langweilige Jobs werden durch spannende ersetzt.“ Darüber würden sich auch die Mitarbeiter freuen.

Meinungsführer beim Datenschutz?

Im Juni 2018 sind sie umgezogen in ein Bürogebäude in der Nähe des Münchner Hauptbahnhofs. Zweimal haben sie in dem Bürogebäude schon weitere Etagen gemietet. Schaut man sich dort um, hat es etwas von einem Callcenter. In langen Reihen sitzen acht, vielleicht zehn Leute nebeneinander vor ihren Computern. Sie tragen Headsets und telefonieren.

Über die Weihnachtsfeiertage Ende 2018 haben sie innegehalten, wollten reflektieren, was sie erreicht haben. Und sie haben überlegt: „Wie wollen wir uns in 2019 aufstellen?“ Seitdem richten sie sich auch an Privatleute – mit einer App, in der man Datenschutz trainieren kann. Beantwortet der Nutzer eine Frage richtig, erhält er ein Lob von einem Dataguard, der an einen britischen Wachmann erinnert. Liegt er falsch, erscheint eine grimmige Datenkrake.

In neuen Projekten arbeiten sie mit der Telekom und IBM zusammen. In einem anderen schulen sie kirchliche Mitarbeiter. Insgesamt 300.000 Leute würden ihre Schulungen da durchlaufen, erzählt Regier. Das kirchliche Datenschutzrecht mache es ein wenig kompliziert. „Die katholische und die evangelische Kirche haben ja ihr eigenes Datenschutzrecht.“ Er will, dass Dataguard mehr wird als ein Unternehmen, das Datenschutzbeauftragte stellt. „Meinungsführer“ beim Datenschutz soll das Unternehmen sein, sagt er, und „Standards setzen“. Dataguard wolle dazu beitragen, „dass die Millionen von Menschen hinter den Daten besser geschützt werden“. Die Leute sollten bei Datenschutz an Dataguard denken und damit etwas Positives verbinden.

Quelle: F.A.Z.
Gustav Theile
Redakteur in der Wirtschaft.
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