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Gründerserie

Große Bühne für die Gründer-Gurus

Von Michael Ashelm
 - 08:59
Ungewöhnlicher Weg: Statt Profifußballer wurden Robin und Danny (rechts) Söder Gründer.

Der Endspurt beginnt. Jetzt gilt es, die letzten organisatorischen Feinheiten zu regeln. Die Anspannung steigt im kleinen Team: Fast 20 Leute, die beiden Chefs, Mitarbeiter, Praktikanten, Freunde. Die nächste Veranstaltung soll alle Rekorde brechen. Die Söder-Brüder erreichen mit ihrem Geschäft neue Sphären. 5000 Besucher sollen diesmal zu ihrem „Founder Summit“ kommen. Vielleicht werden demnächst alle Eintrittskarten verkauft sein. Fürs letzte Aprilwochenende wurde der größte Saal des neuen Kongresszentrums in Wiesbaden gemietet. Einer der Stars auf der Bühne wird Frank Thelen sein, Guru der Gründerszene, einem Millionenpublikum bekannt aus der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“.

Es handelt sich um einen Meilenstein in der jungen Unternehmerkarriere der beiden Zwillinge. Ihre Veranstaltung ist eine der größten in Deutschland. Die Brüder sind 25 Jahre alt und wirken trotz Zeitdrucks und der ganzen Verantwortung ziemlich entspannt. Im legeren Look mit Baseballkappen auf dem Kopf sitzen sie da. Ihre Mutter kommt in den Raum und stellt selbstgebackenen Kuchen auf den Tisch. Auch sie hilft mit. Die Familie Söder hält eng zusammen und ist ziemlich bodenständig. Sie kommt aus Neu-Isenburg bei Frankfurt. Verkauft wird von den Zwillingen aber die große weite Welt: Gründergeist, globales Denken, unternehmerische Neugierde.

Für ihre Veranstaltungen engagieren sie die Champions der Szene. Aber auch berühmte Sportler, Musiker oder Yogameister treten auf. Die reden über ihre Erfahrungen, wirken als Animateure für das zumeist junge Publikum. Das strebt nach beruflicher Unabhängigkeit, will vielleicht eigene Geschäftsideen umsetzen oder sucht einfach mal nur eine neue Inspiration zur Berufsorientierung. „Wir möchten erfolgreiche Gründer auf die Bühne bringen, die Mut machen fürs Unternehmertum. Wir wollen jungen Menschen die Chance geben, von anderen coolen Menschen zu lernen“, sagt Danny Söder. Entrepreneur University heißt ihr Unternehmen.

Auch Mike Tyson stand schon auf ihrer Bühne

Die Redner, Referenten und populären Influencer aus der digitalen Welt kommen von überall auf der Welt. Im vergangenen Jahr stand der frühere Box-Weltmeister und Skandalsportler Mike Tyson für eine halbe Stunde auf der Bühne. Super-Promis fördern den Kartenverkauf. Aber nicht nur darum geht’s: Unterhaltung, Wissen, Anregungen für den Geist – das ist das Paket der Business-Brüder. Den Besuchern, die 99 Euro für die Veranstaltung zahlen, soll ein erlebnisreiches Wochenende geboten werden.

Für Robin Söder hängt der Erfolg mit den aktuellen Rahmenbedingungen der Bildung in Deutschland zusammen. „Unser Bildungssystem ist vor allem darauf ausgelegt, gute Arbeitnehmer auszubilden. Im Studium gibt es Bachelor- und Masterabschlüsse, die auf Positionen in bestehenden Unternehmen zugeschnitten sind. Die Gründerwelt wird nicht gelehrt. Das hat die Idee entstehen lassen, diese Lücke zu schließen. Es entspricht dem Zeitgeist“, sagt er.

Der Weg der Brüder war von Beginn an sehr ungewöhnlich. Beide haben großes fußballerisches Talent. Alles in ihrem Leben drehte sich von Kindesbeinen an nur ums Kicken. Ihr Können brachte sie in Auswahlmannschaften. Ihre Eltern förderten die Fußballleidenschaft der Jungs. Mit dem B-Jugendteam von Eintracht Frankfurt gewannen die Söder-Brüder im Jahr 2010 die deutsche Meisterschaft – gegen Bayer Leverkusen. Robin spielte als Verteidiger. Danny war Torwart. Die jungen Karrierewege kreuzten sich mit anderen Talenten wie Mario Götze, Marc-André ter Stegen oder Emre Can. Aus denen wurden Nationalspieler und Fußballmillionäre.

Schluss mit dem Fußball-Traum

Die Söders absolvierten ihr Abitur, aber arbeiteten vor allem hart daran, den Sprung ins Profigeschäft zu schaffen. Die Konkurrenz ist jedoch extrem groß. Ihr Fortkommen auf dem Platz stagnierte. Und Saison um Saison nur auf den großen Durchbruch zu hoffen, sich in unteren Ligen für wenig Geld zu verdingen, wollten die Brüder dann auch nicht. Und so zogen sie den Schlussstrich unter ihren Traum. Das tat weh. „Zuerst denkt man, dass ein Leben ohne Fußball nicht möglich ist“, sagt Robin Söder. Aber verloren sei die Zeit als Fußballer nicht gewesen. „Sie hat unseren Charakter positiv geprägt. Disziplin, Durchhaltevermögen, Erfolgswillen – das haben wir gelernt. Hinzu kommt die Erkenntnis, dass Talent allein nicht reicht und man für ein Ziel auch Verzicht üben muss.“

Ihr Büro der Entrepreneur University im dritten Stock liegt nicht mal fünf Kilometer Luftlinie von der großen Frankfurter Fußballarena entfernt, in einem Gewerbegebiet ihrer Heimatstadt Neu-Isenburg. Der Schmerz über die verpasste Fußballkarriere ist verflogen. Robin ließ sich zum Immobilienkaufmann ausbilden, arbeitete in diesem Beruf, studierte noch International Business Administration und versuchte nebenher, in China produzierte Frauenuhren in Deutschland zu vertreiben. Danny studierte an der Fachhochschule in Wiesbaden Immobilienmanagement. Heute profitieren die Söders von der Popularität des Gründerthemas und haben ihr eigenes Segment gefunden. Als sie im Jahr 2016 in einem Hörsaal an der Frankfurter Universität starteten, kamen 350 Besucher. Im Jahr danach waren es schon 1000, dann 2500. Im Frühjahr soll die neue Erfolgsmarke gesetzt werden. Einen großen wie populären Mitwettbewerber gibt es mit der Münchner Veranstaltung „Bits & Pretzels“, die jedoch mehr die junge Tech-Gemeinde anspricht.

Inzwischen sind auch Konzerne auf das gefragte Söder-Happening aufmerksam geworden. Sie werben im Umfeld der Veranstaltung für sich, steigen als Sponsoren ein, um vor allem die Besucher zu erreichen. Die sind im Schnitt 25 Jahre alt und werden als hochmotivierte potentielle Arbeitnehmer gesehen. „Unsere Highlight-Veranstaltung soll aber einzigartig bleiben und nicht inflationär erweitert werden“, sagt Danny. Außerdem betreiben sie eine Eventagentur, die Aufträge anderer annimmt. Für einen Freizeitkick mit Freunden ist deshalb kaum noch Zeit.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Ashelm, Michael (ash.)
Michael Ashelm
Redakteur in der Wirtschaft.
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