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Serie: „Anders Arbeiten“

Du, Chef

Von Anna Steiner
 - 18:03

Allerorts macht sich schlechtes Benehmen breit, scheint es. Wer seine Ellenbogen ausfährt, macht am schnellsten Karriere. Der Büro-Rowdy ist unter Kollegen aber nicht gerne gesehen. Höflichkeit, Rücksicht und Distanz sollten gewahrt werden. In Zeiten flacher Hierarchien keine leichte Aufgabe. Wer sich zu schick kleidet, gilt als arrogant, wer zu distanziert wirkt, der erscheint nicht als Teamplayer. Ein paar einfache Regeln erleichtern den korrekten Auftritt im Büro.

Ein bisschen Schick muss sein

Das erste Fettnäpfchen lauert am Morgen im Kleiderschrank. „In vielen Unternehmen hat ein legerer Kleidungsstil Einzug gehalten“, beobachtet Corinna Sponer-Kessinger von der Karriereberatung Rundstedt. Dass weibliche Angestellte Wechselschuhe in die Handtasche packen, weil sie mit den hochhackigen Büroschuhen kein Auto fahren können, ist ebenso aus der Mode wie die Krawatte beim Mann. Jeans lassen sich gut mit Sneakers und Blazer kombinieren, ohne einen allzu lockeren Eindruck zu machen. Auch knallige Farben sind nicht mehr verpönt – in Maßen. Das gilt auch für die Lockerheit: Einen schluffigen Kleidungsstil muss man sich verdienen. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg trägt stets sein ewiggraues Kurzarmshirt. „Ich kann es mir leisten“, soll der Look vermitteln. Auch Daimler-Chef Dieter Zetsche verzichtet auf die Krawatte und trägt Sneakers zum Anzug.

Für die Büroarbeit, die den Kontakt zu Kunden erfordert, gelten meist striktere Regeln: Bei Finanzdienstleistern wird noch immer der klassische Business-Look gefordert. Das heißt: Anzug oder Kostüm in gedeckten Farben, Strumpfhosen und geschlossene Schuhe. Dass Frauen eine Mindestabsatzhöhe vorgeschrieben wird, ist aber auch hier Geschichte. Immer mehr Betriebe haben zudem einen Casual Day eingeführt, an dem die Angestellten anziehen können, worin sie sich am wohlsten fühlen.

Wer neu ins Unternehmen kommt, sollte sich lieber eine Nuance zu schick kleiden, gerade beim Vorstellungsgespräch. Das signalisiert dem neuen Arbeitgeber Engagement. Allerdings gilt es in vielen Büros noch heute als untragbar, wenn die Angestellten besser gekleidet sind als der Chef. Das zu verhindern liegt im Zweifel in der Hand des Vorgesetzten bei der Wahl seiner Kleidung.

Duzen ohne Absprache

Immer weniger Vorgesetzte siezen ihre Angestellten. Auch unter Kollegen wird das Du immer gebräuchlicher. Selbst kleinere Betriebe sind im Zuge der Globalisierung internationaler geworden, vieles im Tagesgeschäft läuft auf Englisch. Dort kennt man bekanntlich den Unterschied zwischen Du und Sie nicht. Auch die in Unternehmen wegen der vielbeschworenen „Synergieeffekte“ beliebten Großraumbüros sorgen für mehr Nähe. Das spiegelt sich auch im Umgang wider. Wer sich unsicher ist, sollte sein Gegenüber lieber siezen. Der Kollege kann dann die Gelegenheit ergreifen und das Du anbieten. Der Ältere oder Ranghöhere ist dabei am Zug. Nicht immer muss es eine förmliche Einladung sein. Es reicht, wenn der Ältere zu Vornamen und Du übergeht. Dann darf getrost zurückgeduzt werden.

Der Chef sollte sich wiederum überlegen, wen er duzt. Grundsätzlich untergräbt es nicht seine Autorität, wenn die Mitarbeiter ihn duzen. „Wenn man sicher ist, dass der andere die kollegiale Distanz wahrt, ist dem Duzen nichts entgegenzusetzen“, erklärt Karriereberaterin Sponer-Kessinger. Allerdings muss niemand das Angebot annehmen. Ein höflicher Hinweis genügt, in etwa: „Vielen Dank für das Angebot, aber ich würde gerne beim Sie bleiben.“

Lieber ein Gruß zu viel

In kleineren Betrieben mit wenigen Angestellten, die auf engstem Raum zusammenarbeiten, mag das anders sein, doch grundsätzlich gilt: Lieber einmal zu viel gegrüßt als zu wenig. Selbst wenn man den Kollegen zum dritten Mal am Tag auf dem Gang trifft, schadet ein unverbindliches „Guten Morgen“ oder „Hallo“ nicht.

Natürlich ist die Versuchung groß, bei Dutzenden Mails am Tag auf die Anrede zu verzichten. Der Ton der Nachricht wirkt dadurch jedoch gleich etwas rauher. Es muss nicht immer „Liebe Kollegin“ darüber stehen, eine Mail kann auch direkt mit dem Anliegen angefangen werden – wenn sie nicht gerade an den Kunden oder den Chef gerichtet ist. Dann allerdings sollte in einem Halbsatz der Name des Kollegen erwähnt werden. Ein Beispiel: „Könnten wir das Meeting verschieben, lieber Tobias?“ Ebenfalls beliebt sind Betreff-Mails. Das eigentliche Textfeld bleibt leer, man schreibt das Anliegen in den Betreff, so dass die Mail nicht mehr geöffnet werden muss, um ihren Inhalt zu erfahren. Aber auch hier gilt bei aller Kürze: Freundlich bleiben. Wer nicht unter jede Mail freundliche Grüße tippen will, kann zwei verschiedene Signaturen aufsetzen – eine lockere für die Kollegen und eine förmliche für die Kunden.

Ruhig bleiben im Großraumbüro

Wir alle kennen sie: den Pfandflaschenstapler, den Telefonschreier oder den Jeden-Mittag-Döner-Esser. Nichts davon hat im Großraum etwas zu suchen. Rücksicht ist Pflicht. Niemand muss flüstern oder bemüht leise tippen. Aber angeschimmelte Kaffeetassen, exorbitante Papierberge und stark riechendes Mittagessen müssen nicht sein. Der Geräuschpegel ist ohnehin hoch: Telefone klingeln, Tastaturen klappern, und ständig kommt jemand mit einem neuen Anliegen. Unnötiger Krach sollte vermieden werden. Dazu gehört, dass das Handy auf lautlos gestellt wird – auch die Vibration kann die Kollegen stören. Private oder ausgedehnte Telefonate sollten außerhalb des Büros geführt werden, und die Sprechlautstärke sollte angemessen sein. Das Handy muss nicht in der Schublade verschwinden. Selbst Whatsapp im beruflichen Kontext sei inzwischen gängig, beobachtet Karriereberaterin Sponer-Kessinger. „Wenn jemand aber nur noch auf sein Handy schaut und private Kurznachrichten schreibt, ist das nicht schön.“ Dann merken auch die Kollegen, dass die Arbeitszeit nicht produktiv genutzt wird.

Frischluft mit Ankündigung

Gerade das Lüften ist in großen Büros ein echtes Politikum. In jedem Team gibt es einen, der immer friert, und einen Frischluftfanatiker, der permanent das Fenster aufreißt. Lüften ist wichtig, bringt doch die frische Luft Sauerstoff in den Raum, dessen Luft durch Computer und hart arbeitende Mitarbeiter immer dünner wird. Viele Büros sind ohnehin klimatisiert. Wer dennoch frische Luft verlangt, sollte das in Absprache mit den Kollegen tun. Die Mehrheit entscheidet. Schließlich kann der Freigeist sich seine frische Luft immer noch bei einer Runde um den Block holen.

Tratschen mit Stil

Das Meeting ist anders verlaufen als geplant, der gelackte Kollege hat sich das neue Projekt gekrallt, und die Wut ist groß. Nichts liegt näher, als sich bei einem Kollegen des Vertrauens Luft

zu machen. Viel zu schnell artet das jedoch in Lästern oder Mobbing aus. Solange der Ton angemessen bleibt und der Ärger nicht mit Flüchen und Beschimpfungen gespickt ist, steht dem Gespräch unter Kollegen aber nichts entgegen. Zu viel Ehrlichkeit und Offenheit zahlen sich aber nicht aus. Nicht alles Private sollte im Büro besprochen werden. Wenn den Einzelnen etwas belastet, darf keinesfalls die Arbeit aller anderen darunter leiden. Positive Dinge mit den Kollegen zu teilen kann hingegen gut für die Produktivität sein. Den ganzen Tag gequatscht werden sollte aber nicht.

Für alle Büroregeln gilt: Kommunikation ist das A und O. Wer unsicher ist bei den Gepflogenheiten, fragt lieber einen Kollegen, der schon länger im Haus ist. Und tritt man dann doch mal in ein Fettnäpfchen, heißt es, zu seinem Fehler zu stehen und sich gegebenenfalls dafür zu entschuldigen. Kein Mitarbeiter sollte das Gefühl haben, perfekt sein zu müssen. Beim nächsten Mal funktioniert es bestimmt besser.

Wie geht es weiter? 8. April: Was haben Tiere im Büro zu suchen?
Quelle: F.A.S.
Anna Steiner
Redakteurin in der Wirtschaft.
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