Brexit-Dinner

Juncker nennt Weitergabe von Informationen schwerwiegenden Fehler

09.05.2017
, 07:58
Theresa May und Jean-Claude Juncker vor Downing Street No. 10
Das Treffen mit Theresa May Ende April war ein Desaster. Dass dem so war, hätte der EU-Kommissionspräsident lieber nicht in der Zeitung gelesen.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat die Weitergabe von Details aus einem Abendessen mit der britischen Premierministerin Theresa May bedauert. „Unabhängig von der Zuordnung der Teilnehmer an diesem Abendessen (...), ist die Tatsache, dass aus diesem Gespräch berichtet wurde, ein schwerwiegender Fehler“, sagte Juncker am Montagabend in einem Gespräch mit dem „Handelsblatt“ in Bonn. Auf die Frage, ob er an diesem Fehler beteiligt gewesen sei, antwortete Juncker: „Ich bin in Sachen Selbstkritik sehr begabt, aber diese möchte ich mir nicht aufhalsen.“

Namen nannte er nicht. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (F.A.S.) hatte in der Vorwoche unter anderem über Details aus einem Gespräch in London berichtet, an dem der Zeitung zufolge neben Juncker nur dessen Kabinettschef Martin Selmayr sowie May und einer ihrer Berater teilgenommen hatten. May hatte wenige Tage später nicht näher bezeichnete EU-Vertreter beschuldigt, die britischen Unterhauswahlen am 8. Juni beeinflussen zu wollen. In britischen und deutschen Medien wurde spekuliert, dass Selmayr die Informationen weitergegeben hat.

Aus dem Bericht war hervorgegangen, dass in der EU-Kommission große Skepsis über einen erfolgreichen Abschluss der Brexit-Verhandlungen mit dem Vereinigten Königreich herrscht. Grund dafür ist der Verlauf eben jenes Treffens zwischen Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und der britischen Premierministerin Theresa May, Ende April, in London.

Juncker hatte sich nach zwei Stunden Gespräch mit den Worten verabschiedet: „Ich verlasse die Downing Street zehnmal skeptischer, als ich vorher war.“ Nach Darstellung in Kommissionskreisen hatte May bei dem Treffen keinerlei Kompromissbereitschaft erkennen lassen und unrealistische Vorstellungen über den Verlauf der Verhandlungen geäußert. Die Wahrscheinlichkeit eines Scheitern der Verhandlungen wurden in den Kreisen auf „über fünfzig Prozent“ taxiert.

Quelle: lohe./Reuters
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