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Wahlkampf in Großbritannien

„Coole“ Antworten und das Image vom netten Opa

Von Jochen Buchsteiner, London
 - 06:22
Der Chef der britischen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, beantwortet Fragen während einer TV-Debatte in der BBC.

Auch die zweite Fernsehdebatte im aktuellen britischen Wahlkampf hinterlässt wenig Spuren. Neu war nur das – erzwungene – Eingeständnis Jeremy Corbyns, dass er sich in dem zweiten EU-Referendum, das er im Falle eines Labour-Siegs abhalten will, „neutral“ verhalten werde. Seine Leute verteidigten diese Position noch in der Nacht und argumentierten, dass die Brexit-Frage, die das Land so sehr spaltet, ganz gut einen „ehrlichen Makler“ in der Downing Street vertragen könnte. Die Konservativen nutzten dies als Steilvorlage, um ihre Kampagne gegen den Labour-Chef zu intensivieren: Neutralität habe nichts mit Führung zu tun, hieß es im Regierungslager.

Wirklich auf die Füße gefallen ist die Brexit-Debatte nur der Vorsitzenden der Liberaldemokraten, Jo Swinson, die an diesem Freitagabend ihren ersten großen Fernsehauftritt hatte. Die Stimmung im Publikum, in dem Remainers und Brexiteers etwa gleich stark vertreten waren, wirkte eisig, als sie zu erklären versuchte, warum die Partei den Austrittsantrag zurückziehen will. Was bitteschön liberal und demokratisch daran sei, ein Plebiszit zu missachten, wollte ein Gast im Studio wissen. Swinson wurde zudem immer wieder mit Positionen konfrontiert, die sie in der Zeit der Libdem-Tory-Koalition als Abgeordnete mitgetragen hatte, und nun öffentlich bereut. Sie hatte den schwersten Stand in dieser Debatte.

Auch dem Amtsinhaber Boris Johnson wurde zugesetzt. Er musste ein weiteres mal frühere Zeitungsartikel verteidigen, in denen er sich über Minderheiten lustig gemacht hatte. Natürlich finde man in seinen journalistischen Arbeiten Stellen, die manchem als Angriff erscheinen könnten, sagte Johnson – und ging nicht auf die Aufforderung ein, sich bei verschleierten Frauen oder Schwulen zu entschuldigen. Nur zweimal plazierte er seinen Slogan „Get Brexit done“ (einmal mit Selbstironie), aber die klare Austrittsperspektive, die er Dank „seines Deals“ machen kann, wurde vom Saalpublikum abermals mit Beifall bedacht.

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Das politische System Großbritanniens

Nicola Sturgeon, die gewitzte Chefin der Schottischen Nationalisten, kam am ungeschorensten aus dieser Debatte, ihre Partei kann jedoch nur von den fünf Millionen Schotten gewählt werden. Von den beiden Spitzenkandidaten trug in dieser Nacht keiner einen Sieg davon. Johnson wie Corbyn behielten ihr „Cool“ – trotz teilweise harscher Fragen und Vorwürfe.

Der Oppositionsführer, der sein radikales Wahlprogramm überraschend moderat verkaufte, könnte sich allerdings noch eine Weile an einen Studiogast erinnern, der ihm mangelndes Engagement im Umgang mit Antisemitismus in der Labour Party vorhielt. Sichtlich aufgebracht sagte der Mann, dass er Corbyn das Image vom „netten Opa“ nicht abkaufe.

Quelle: FAZ.NET
Jochen Buchsteiner - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Jochen Buchsteiner
Politischer Korrespondent in London.
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