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Dominantes Russland und strenge Eltern

Von Carsten Knop
22.01.2022
, 09:04
Sowjetische T-34 Panzer rollten 2020 während der Militärparade zum 75. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Hitler-Deutschland zum Roten Platz
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Liebe Leserin, lieber Leser, schwere Themen heute, leider passen sie zur Zeit. Russland will nicht Partner sein, sondern Hegemon: Diese These ist bisher mehr Vermutung gewesen als belegte Tatsache. Die Argumente waren zwar plausibel: Diktaturen können Demokratien nicht als Nachbarn dulden, weil sie zur Freiheit verführen; Diktaturen sind wirtschaftlich oft schwach, deshalb müssen sie andere militärisch dominieren; Diktaturen brauchen Siege. Aber letztlich waren das alles bisher nur Annahmen. Jetzt sind Fakten hinzugekommen. Im Dezember hat Russland der Welt Brief und Siegel darauf gegeben, dass es sich nicht etwa als Mitglied einer Gemeinschaft gleichberechtigter Völker sieht, sondern als Vormacht von Vasallen – genau wie vorher die Sowjetunion. Nach den Vertragsentwürfen aus Moskau würden die Ukraine, Finnland und Schweden das Recht verlieren, sich nach eigener Wahl Bündnispartner zu suchen. Polen und die baltischen Republiken dürften keine NATO-Soldaten auf ihr Gebiet lassen. Amerika müsste seine Atomwaffen aus Europa abziehen. All das ginge über die sowjetische Breschnew-Doktrin von 1968, die ein Moskauer Protektorat bis zur Elbe postulierte, noch hinaus. Zum Glück hat die F.A.Z. in einer solchen Situation Korrespondenten mit einer Erfahrung wie Konrad Schuller, um die Lage einzuordnen und zu kommentieren: Schuller war von 2004 bis 2018 Korrespondent für Polen und die Ukraine, später auch für die baltischen Staaten. Seit 2018 arbeitet er als Korrespondent im Berliner Büro der Sonntagszeitung. Er ist sich sicher: Dieser Herrschaftsanspruch bedroht Europa, sollte es daher vielleicht auch eine Atommacht werden – und nicht nur Frankreich? Mehr Strenge im Umgang mit Russland scheint nötig zu sein.

Womit wir bei Erziehungsthemen wären. Ein strikter Erziehungsstil sei bei jungen Vätern und Müttern beliebt, obwohl Studien die Nachteile für das Kind belegten, schreibt Stella Marie Hombach. Dahinter stecke oft Angst – und die eigene Geschichte. Und der öffentliche Streit um die „richtige“ Erziehung entflamme daher immer wieder dann aufs Neue, wenn Gesellschaften ihren Blick auf die Welt neu justierten. Die aktuelle Debatte wäre demnach ein Ausdruck des Suchens, wie wir uns in der Welt verorten wollen und den Menschen um uns herum begegnen. Das mag sein, und doch, das darf ich als Vater zweier Kinder sagen: Entscheidend ist das Gespür für das jeweils eigene Kind, für die Situation, für die richtige Art und Dosis der eventuell nötigen Sanktion. Das nimmt Mutter oder Vater in der entsprechenden Situation kein Ratgeber ab. Liebe ist übrigens durch nichts zu ersetzen, und sie erlaubt auch Strenge. Im besten Fall findet sich dort der richtige Weg. Wie bei den Großen in der großen Politik.

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Video: F.A.Z., Bild: F.A.Z.

Kommen wir zu vermeintlich leichterem Stoff. Mit elf Jahren wurde er für die Rolle des Ron Weasley ausgewählt, den er zwischen 2001 und 2011 in den insgesamt acht „Harry Potter“-Filmen spielte – jetzt hat der Schauspieler Rupert Grint meinem Kollegen Jörg Thomann ein spannendes Interview gegeben. Grint hat sich in seinem Beruf auf Rollen in Fernsehserien verlegt. Eine solche ist „Servant“, deren dritte Staffel seit dem 21. Januar bei Apple TV+ gestreamt wird. „Servant“ ist ein serieller Mystery-Psychothriller, der seinen Schrecken subtiler entfaltet als das Potter’sche Fantasy-Spektakel. Im Mittelpunkt steht ein beruflich erfolgreiches Paar aus Philadelphia, das den traumatischen Verlust seines Kindes mithilfe einer sogenannten Reborn-Puppe zu verarbeiten sucht, die einem echten Baby nachempfunden ist, was an sich schon schaurig ist. Mit dem Auftauchen eines stillen Kindermädchens scheint die Puppe plötzlich lebendig zu werden.

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Als Bruder der Ehefrau komplettiert Rupert Grint das Quartett der Hauptfiguren, und er spielt diesen zynischen und lässigen Lebemann Julian so eindringlich, dass schon nach kurzer Zeit niemand mehr an Ron Weasley denkt. Im Video-Interview mit Thomann tritt Grint wiederum ganz anders auf: freundlich, höflich und zurückhaltend, und er will die Potter-Filme auch gar nicht wirklich hinter sich lassen: „Das Einzigartige an der Potter-Reihe ist, dass sie immer wieder neue Generationen erreicht. Mit den Filmablegern, dem Themenpark und dem Bühnenstück geht es immer weiter, und der Enthusiasmus hat nicht nachgelassen. Auf der Straße werde ich immer noch angesprochen von Leuten, die glücklich sind, dass diese Filme zu ihrem Leben gehören, und es macht mich sehr stolz, ein Teil davon zu sein. Ich hätte gedacht, dass ich diese Tür einmal fester schließen würde, aber ich möchte das gar nicht. Ich will mich davor nicht verstecken, ich habe diese Jahre geliebt – so wie ich es liebe, was ich jetzt mache. Es wird immer ein großer Teil von mir sein“, sagt Grint. Seine Tochter aber solle eines Tages erst die Bücher lesen, bevor sie die Filme sehe. Auch das ist ein guter Erziehungstipp.

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Quelle: FAZ.NET
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