Abendauktionen in New York

Unterwegs zur Dollar-Milliarde

Von Anne Reimers
09.11.2018
, 15:01
Und wieder einmal ist ein Hundert-Millionen-Bild dabei: In New York setzen Christie’s, Sotheby’s und Phillips auf Nachkriegskunst und die Zeitgenossen.
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Das Angebot bei den anstehenden New Yorker Abendauktionen mit Zeitgenossen und Nachkriegskunst kracht aus allen Fugen. Eine Phalanx an Spitzenlosen von Museumsqualität wird aufgefahren. Christie’s hofft mit seiner „20th Century Week“, inklusive der Moderne-Auktionen und mit insgesamt 1071 Losen, mehr als eine Milliarde Dollar umzusetzen. Die Gesamterwartung von Sotheby’s liegt bei 698 bis 963 Millionen Dollar.

Gleich zwei Abendauktionen stehen bei Christie’s an. Am 13.November kommen unter dem Titel „An American Place“ Werke aus der Sammlung des im vergangenen April gestorbenen Unternehmers Barney A.Ebsworth unter den Hammer. Mehr als 258,3Millionen Dollar sollen 42 Losen einspielen. Unter ihnen befindet sich auch das teuerste Los der gesamten Woche: „Chop Suey“ aus dem Jahr 1929, das wichtigste Gemälde von Edward Hopper, das sich noch in privater Hand befindet; die Erwartung liegt bei siebzig bis hundert Millionen Dollar. Die Zeit scheint stillzustehen in der Szene mit zwei Frauen, die unter ihren modischen Topfhüten über einer Kanne Tee zusammensitzen. Hinter ihnen blinkt die Leuchtreklame eines chinesischen Restaurants. Inspiration für das Lokal war wohl der „Far East Tea Garden“ am Broadway in New York. „Chop Suey“ ist durch eine Garantie abgesichert, wie auch weitere Ebsworth-Schwergewichte. Zu denen gehören Willem de Koonings „Woman as Landscape“ (Taxe 60/80 Millionen Dollar), die „Composition with Red Strokes“ von Jackson Pollock (50/70 Millionen), „Grey Rectangles“ von Jasper Johns (18/25 Millionen) und Joan Mitchells „Three Hawks at 3O’Clock“ (12/16 Millionen).

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Am 15.November legt Christie’s im traditionellen „Post-War and Contemporary Evening Sale“ mit 51 Losen – von denen siebzehn mit einer Garantie versehen sind – und der Gesamttaxe von 337,1Millionen Dollar nach. Hier sollte sich ein spannendes Bietgefecht um David Hockneys berühmte Swimmingpool-Szene „Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)“ von 1972 entwickeln. Mit einer Taxe „in excess of“ achtzig Millionen Dollar könnte das Bild sogar noch teurer werden als der Hopper. Es befand sich seit 1995 in der selben, ungenannten Privatsammlung und war 2017 in der Hockney-Retrospektive der Tate Britain in London zu sehen, danach im Pariser Centre Pompidou und im Metropolitan Museum in New York. Rothko, Basquiat, Bacon und Richard Diebenkorns blau-abstrakte Komposition „Ocean Park #137“ (18/22 Millionen) von 1985 stellen weitere Höhepunkte.

Sotheby’s tritt am 14.November mit 65 Losen an, davon elf aus der Sammlung Teiger, die als separates Konvolut der Abendauktion vorangestellt sind; die Gesamterwartung liegt bei 278,4 bis 375,9Millionen Dollar. Das teuerste Werk unter den Teiger-Losen ist Peter Doigs „House of Pictures“ (8/12 Millionen), das Spitzenlos der Abendauktion allerdings ein zweiteiliges, monumentales „Abstraktes Bild“ von Gerhard Richter, für das „um dreißig Millionen Dollar“ erwartet werden. Es ist mit einer Garantie und unwiderruflichem Gebot abgesichert und war zuletzt 1989 im Carnegie Museum of Art in Pittsburgh öffentlich ausgestellt. Amerikanische Maler dominieren das Programm. Basquiats Riesenformat „Untitled (Pollo Frito)“, einer von vier Basquiats aus der selben europäischen Privatsammlung, soll mehr als 25Millionen Dollar einspielen. Andere afroamerikanische Maler, deren Werke auf dem Kunstmarkt noch aufholen müssen, sind der erst kürzlich verstorbene Jack Whitten oder Barkley L.Hendricks mit seinem „North Philly Niggah (William Corbett)“ (1,2/1,8Millionen) von 1975 sowie Jacob Lawrence mit „The Businessmen“ (1,5/2Millionen), das 1948 zuletzt öffentlich ausgestellt war. Für des Malerstars Marc Bradford abstrakte Collage mit blauen und gelben Quadraten, „Disappear like a Dope Fiend“ von 2006, werden 1,8 bis 2,5Millionen Dollar erwartet.

Der Verkauf von zwei Gemälden von Georgia O’Keeffe soll ihrem Museum zugutekommen, eines davon die graue, fast abstrakte Straßenschlucht „A Street“ (12/18 Millionen) von 1926. Sie steht im Kontrast zu ihren blühenden „Calla Lilies in Red“ (8/12 Millionen), gemalt zwei Jahre später. Auch Sotheby’s hat seinen Hopper: In der separaten Auktion „American Art“ am 16.November kommen „Two Comedians“ von 1966 (12/18 Millionen) unter den Hammer, sein letztes Ölgemälde. Es befand sich einst in der Sammlung von Barbara und Frank Sinatra.

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Phillips schließlich hat am 15.November 41 Lose im Abendprogramm, die mehr als hundert Millionen Dollar bringen sollen. Sie werden angeführt von Jackson Pollock und Joan Miró. Das Museu de Arte Moderna do Rio de Janeiro trennt sich von Pollocks Komposition „Number16“aus dem Jahr 1950, ein Geschenk von Nelson A.Rockefeller. Mit den dafür erhofften achtzehn Millionen Dollar will es seine Bestände an brasilianischer Kunst ausbauen. Mirós nächtliche Gestalt auf weißem Grund, „Femme dans la nuit“ (12/18Millionen) entstand im Frühjahr 1945 und befand sich seit 1973 in der selben europäischen Privatsammlung. Alberto Burris großartige marktfrische Komposition aus Leinwand, Holz und Acrylfarbe mit kleinem, eingeschmolzenem Loch, „Grande legno e rosso“ (10/15 Millionen), war erst kürzlich im New Yorker Guggenheim Museum und in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen als Teil der Ausstellung „Alberto Burri: The Trauma of Painting“ zu sehen.

Unter den Nachwuchstalenten, die bei den Zeitgenossen-Terminen traditionell den Anfang machen, ist Christina Quarles aus der hippen Kunstkapitale Los Angeles. Sie soll die Phillips-Auktion mit drei verschlungenen nackten Körpern in „Pull on Thru Tha Nite“ (30000/50000) von 2017 in Schwung bringen. Der in Brooklyn lebende KAWS ist mit seinen comicartigen Figuren gerade sehr gefragt, besonders in Asien nach jüngsten Solo-Schauen bei der Galerie Perrotin in Tokio und Hongkong. Deshalb haben ihn alle Auktionshäuser im Programm. Phillips erwartet für seine imposante, sieben Meter hohe graue Figur aus Glasfasern „Clean Slate“, die mit Kreuzen als Augen wie eine Albtraumversion von Mickymaus aussieht, zwischen 900000 und 1,2Millionen Dollar.

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Quelle: F.A.Z.
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