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„Wir sind die Müllhalde Europas“, sagt der Designer Bobby Kolade. Einst Shootingstar in Berlin, entwirft er aus importierten Altkleidern in Uganda neue Kollektionen, die er wieder im Westen verkauft.

4. August 2022
TEXT: Florian Siebeck
FOTOS: Ian Nnyanzi

Aus Garküchen strömt der Duft von gemahlenen Erdnüssen und getrockneten Fischen, irgendwo streiten sich zwei Frauen. Bewaffnet mit Bibel und Mikrofon, bahnt sich ein Prediger seinen Weg durch die Massen, doch ein Durchkommen scheint es nicht zu geben, Hunderttausende Menschen drücken sich durch die Gänge dieses Irrgartens: Der Owino-Markt in Kampala ist einer der größten Open-Air-Märkte Afrikas.

Das Angebot hier ist so groß, dass die Kunden selbst aus dem Ausland kommen. Lebensmittel, Handtücher, Bettwäsche, Töpfe, Ersatzteile, Medizin, Schuhe, Gürtel, Elektrogeräte, Parfum, Winterjacken. Der Owino-Markt ist einer der Hauptumschlagplätze für Kleidung im Land. Über Mittelsmänner im Nahen Osten kommt sie containerweise an, eingeschweißt in Ballen von ein bis zwei Zentnern: Socken, Jacken, Sweatshirts, T-Shirts, Stiefel; selbst Handschuhe, Skihosen und Wollanzüge. Stil, sagen manche Verkäufer hier, kennt kein Wetter.

Eine Geschichte aus der aktuellen Ausgabe des Magazins der F.A.Z. „Frankfurter Allgemeine Quarterly“

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Die Säcke mit neuer Ware sind in Klassen eingeteilt. Erste, zweite, dritte. Wird ein Ballen aufgeschlitzt, rufen Händler die Preise aus. Sofort stürzen sich Dutzende in die Haufen und versuchen schnellstmöglich die besten Stücke auszuwählen. „Kommt alles von Altkleidercontainern aus dem Ausland“, sagt Bobby Kolade. Schon als Kind hat der Designer in Owino gebrauchte Kleidung gekauft. Heute kämpft er gegen den Schaden, den sie in seiner Heimat anrichtet.

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