<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Hotlist-Preis

Eskaliert wird jetzt mit Yogitee

Von Andrea Diener
 - 12:02
Preisdopplung bei der Edition Nautilus: Katharina Florian, Katharina Picandet und Franziska Otto

Gegen sechs Uhr leert sich die Messe drastisch. Die Hektik zwischen den Ständen ebbt ab, Besucher fahren ins Hotel oder was essen, und die Pommesschlange schrumpft auf eine Handvoll resthungriger Figuren zusammen. Im Lesezelt hat sogar der Teeausschank schon geschlossen, der eine irrwitzige Auswahl an Yogitee-Sorten bereithät. Früher waren es mal ungefähr fünf, heute gibt es fünf Tees allein für Frauen in allen Lebenslagen, Frauenbalance, Frauenpower, alle rosa. Ein paar verlorene Besucher streuen sich über die Sitzreihen.

Früher war also deutlich mehr Lametta, als der Hotlistpreis verliehen wurde, wir erinnern uns, im Rahmen der Party der unabhängigen Verlage, die regelmäßig irgendwo in einem Club eskalierte. Anscheinend tut sie das auch in diesem Jahr wieder, nur ohne Preis. Und das ist schade für den Preis, auch wenn dann mehr Zeit bleibt (13 Minuten), um sich bei wirklich allen Sponsoren aufs Herzlichste zu bedanken.

Tote Russen in Paris

4735 Stimmen wurden abgegeben, zehn Bücher kamen in die engere Auswahl, sie werden nun näher vorgestellt, meist vom Verleger, nur Weissbooks hat mit Lennardt Loß auch einen Autor mitgebracht. Und Sebastian Guggolz erzählt mit so viel Begeisterung von seinem toten Russen in Paris, dass ich das Buch von Boris Poplawski sofort lesen will. Lennardt Loß wird dann immerhin mit seinem Roman „Und andere Formen menschlichen Versagens“ den zweiten Zusatzpreis bekommen, den „Dörlemann ZuSatz“, womit der Verlag sich einmal kostenlos Satz abholen darf. Für den Luftschacht Verlag kam der Preis im vergangenen Jahr in einer Notsituation gerade recht, erfahren wir, das ist ja schön.

Und dann kommt es erstmals zu einer Doppelung, denn den Melusine-Huss-Preis, benannt nach einer Legendären Frankfurter Buchhändlerin und mit einmal kostenlos Druck verbunden, sowie den Hauptpreis bekommt die Edition Nautilus für Jakuta Alikavazovics Buch „Das Fortschreiten der Nacht“. Da sei sich die Jury, die den Hauptpreis kürt, einig gewesen, so Juror Klaus Kowalke von der Buchhandlung Lessing und Kompanie in Chemnitz.

Zwei Preise, geht das?

Oder, wie es in der Begründung heißt, es gelinge „der französischen Autorin Jakuta Alikavazovic bewundernswert, komplexe Zusammenhänge aus vererbtem Trauma, Angst, Erinnerung und Familiengeschichte zu einem mitreißenden Liebesroman zu verweben, in dem Liebe und Politik, Vergangenheit und Krieg, Kunst und Schmerz untrennbar miteinander verbunden sind.“

Oder, wie man sich anderweitig zusammensuchen kann: ein Roman über einen Maurer aus der Banlieue und eine höhere Tochter, die beide Architektur studieren, sich verlieben, und dann geht jeder seiner Wege, aber das war‘s noch nicht für die beiden, denn dann wird es kompliziert.

Verdutzte Gesichter bei der Edition Nautilus auf der Bühne: Zwei Preise, geht das? Ist das überhaupt erlaubt? Ja, das ist erlaubt, es sei den Verlegern herzlich gegönnt, einmal kostenlos drucken also (Wert: etwa 4000 Euro, gestiftet von der österreichischen Druckerei Theiss) und 5000 Euro zur freien Verwendung gehören nun der Edition Nautilus, allerherzlichsten Glückwunsch. Man hätte ihnen nur gegönnt, der Rahmen wäre ein wenig festlicher ausgefallen als ein halbleeres Lesezelt am Messeabend.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Diener, Andrea
Andrea Diener
Redakteurin im Feuilleton.
FacebookTwitter
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenParis