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Der Dichter in Frankreich

Hölderlin und die braunen Frauen von Bordeaux

Von Olga Martynova
Aktualisiert am 07.01.2020
 - 21:18
Hölderlin-Statue in seiner Heimatstadt Nürtingenzur Bildergalerie
Seine Geburt liegt in diesem Jahr zweihundertfünfzig Jahre zurück, doch seine Dichtung ist lebendig. Was aber findet man, wenn man sich auf die Spuren von Hölderlins letzter großer Reise begibt?

Die knapp vier Monate, die Hölderlin Anfang 1802 in Bordeaux als Hofmeister in der Familie des Hamburger Weinhändlers Daniel Christoph Meyer verbrachte, hatten große Folgen. Erstens für ihn. Es war sein letzter Versuch, selbständig zu leben. Niemand weiß, warum er die Stelle und die Stadt verließ, nur, dass er nach wochenlanger Fußreise verstört und verwildert in der Heimat ankam und sein Schicksal von da an auf die Autenriethsche Klinik und die abschließenden 36 Jahre im Tübinger „Turm“ zusteuerte.

Das Haus in den Allées de Tourny steht noch und beherbergt eine Filiale von „Air France“ und ein Immobilienbüro, das den Namen von Hölderlins Brotgeber trägt. Ich verbringe zwei Herbstmonate in Bordeaux und gehe jeden Tag an diesem Haus vorbei, in der Hoffnung, etwas zu entdecken. Anders als in Tübingen und ähnlich wie in Frankfurt spüre ich nichts. Wahrscheinlich hat das mit dem kaufmännischen esprit du lieu beider Städte zu tun. Dass zu dem sogenannten Korkenadel von Bordeaux viele Deutsche gehörten, ist heute kaum bekannt, zumal das nach dem Zweiten Weltkrieg ein heikles Thema war, weil die Stadt kollaboriert hatte, obwohl man nicht sagen kann, dass das speziell die deutschstämmigen Familien gewesen wären. In den Siebzigern konnte der damalige F.A.Z.-Korrespondent in Frankreich, Thankmar von Münchhausen, sie aufspüren und betitelte seinen Bericht über Bordeaux „Buddenbrooks im Midi“. Jutta Bechstein-Mainhagu, die ehemalige Leiterin des hiesigen Goethe-Instituts, kennt noch manche von ihnen: Auch die Nachkommen des berühmten Frankfurter Bankiers Bethmann seien da, auch der Hamburger Bruder von Hölderlins großer Liebe Susette Gontard hatte Kontakte zu den Bordelaiser „Buddenbrooks“. Abends laufe ich durch die Gegend Chartrons, wo sie residierten finde neben den bronzenen Türklopfern einige deutsche Namen.

Auf der Allee zwischen dem „Hölderlin-Haus“ und dem Grand Théâtre treffe ich auf einen alten weißen Mann in breitem weißem Zweiteiler über dem weißen Hemd. Mit seinem cremefarbenen Hut kann er mit gleicher Wahrscheinlichkeit ein auf sein Äußeres achtender Clochard und ein nonchalanter „französischer Herzog“ sein. Mit der Spitze seines Stützschirms hebt er den Deckel einer Mülltonne auf. Doch ein Clochard? Doch die Franzosen haben keine Pfandflaschen. Er klopft die Asche von seiner Zigarre in die Mülltonne. Ich kann meine Begeisterung nicht verbergen, worauf er etwas mit der Sprachmelodie eines französischen Herzogs sagt und seinen Weg Richtung Garonne fortsetzt.

„Geh aber nun und grüße / Die schöne Garonne“, heißt es im Gedicht „Andenken“ von 1803 (noch eine Folge von Hölderlins Bordelaiser Zeit), das seinerseits auch Folgen hatte, nämlich eines der Hauptwerke der Trümmerliteratur, Günter Eichs 1946 publizierte „Latrine“, wo diese zwei hymnischen Freiverse Hölderlins in ein gereimtes Gedicht hineinmontiert werden, weil sie in den Ohren des über der Latrine hockenden Soldaten klingen. Was ihm Garonne, was ist er ihr? Können wir uns im 21.Jahrhundert vorstellen, wie es ist, Hölderlin im Ohr zu haben und nicht zu wissen, ob er trotz oder wegen der von der NSDAP geförderten „Hölderlin Feldauswahl“ (von 1943) da ist? Der Soldat hockt über der Latrine, neben ihm hockt Hölderlin über dem blutigen Kot und ist schlechter dran: Der Soldat hockt vor dem neuen Anfang, in dessen Fortsetzung wir leben. Hölderlin ist ein Häufchen Elend und damit ein Schutzpatron der seltsamen Gestalten des zwanzigsten Jahrhunderts (Bruno Schulz, Fernando Pessoa, Ossip Mandelstamm, jeder kann die Liste mit eigenen Lieblingen fortsetzen), die nichts außer schreiben konnten, und es ist sinnlos, den Grund ihres Scheiterns zu suchen. Sie können einer menschenfressenden Macht zum Opfer fallen, sie können unfähig sein, sich im Leben einzurichten. Selbst wenn die Tragik eines solchen Lebens unspektakulär bleibt, ist die Unscheinbarkeit Teil dieser Tragik. Niemand kann (und niemand muss) wissen, dass sie lebensunfähige Genies sind. Auch von Hölderlins Mutter, die ihn mit ihren Erwartungen überstrapazierte, darf man dieses Wissen nicht verlangen. Manche Menschen sind allerdings einfach lebensunfähig, ohne Genies zu sein, und ihre Leben sind ebenso tragisch, und die lebensunfähigen Künstler sind Stellvertreter für alle: Menschenwürde für alle (was in Zeiten des Neoliberalismus eine unschöne Aktualität bekommt).

Die zweideutige Lage eines Hauslehrers

Ich erforsche weiter, was das alte deutsche Feuilleton über Bordeaux schrieb. 1953 schreibt Marion Gräfin Dönhoff in „Die Zeit“ über den in Bordeaux durchgeführten Prozess gegen SS-Offiziere, und meint über das Massaker in Oradour-sur-Glane von 1944, „dass jene Szene aus der Unterwelt, aufgeführt mitten in Europa, fern der östlichen Sphäre, uns alle angeht.“ Was ist mit den Grausamkeiten in der östlichen Sphäre? 1953 meinten die Deutschen unter sich zu sprechen, wie im eigenen Wohnzimmer, für die Nachbarn unhörbar. Heute können wir (egal wer „wir“ sind) das nicht. Die Menschheit vermischt sich. Ich (aus der östlichen Sphäre) bin da. Die Nachkommen der Sklaven aus Afrika sind da. Ich denke an meinen Vater, der als Sprössling einer gebildeten russischen Familie mit Goethe und Hölderlin aufwuchs, und dessen Bruder während eines der unzähligen Massaker in „der östlichen Sphäre“ umgebracht wurde. Aber sie schreibt – für mich wegen Hölderlin in Bordeaux völlig nachvollziehbar – weiter: „... das totalitäre System Hitlers, das die geistig Armen umbrachte, weil sie unnütze Esser seien ... hat dieser äußersten Demoralisierung erst zum Durchbruch verholfen.“ Das stimmt. Hölderlin wäre im Dritten Reich als Geisteskranker vergast worden.

Vom prächtigen Meyer-Haus mit seinem Säulenportal waren es für Hölderlin fünf Minuten zu Fuß zur Garonne und nicht einmal eine Minute vom Haus in der Rue Saint Rémy, wo er vermutlich mit den anderen Hausangestellten sein Quartier teilte (die zweideutige Lage eines Hauslehrers; zu dieser Zeit waren die von der Revolution bis nach Russland geflohenen Franzosen oft in einer vergleichbaren Situation).

Eine Frau mit großporiger Haut, die unter den Augen bordeauxfarben hängt, sitzt auf einer Vortreppe und klopft die Asche ihrer Zigarette mit aristokratischer Geste ab, die Hand vor ihre nackten Knie haltend. Diese Geste lässt mich an alte russische Damen denken, die ich als Teenager bewunderte. Sie waren Überlebende jeweils einer Auswahl von: der stalinistischen Lager, des Zweiten Weltkriegs, der Belagerung Leningrads durch die Wehrmachttruppen, der antisemitischen Hetzkampagne des Spätstalinismus, der Ausrottung von nicht sozialistisch-realistischer Kunst; das war eine breite Palette. Ihr großes Wissen, ihr Witz, ihre Selbstsicherheit beleuchteten ihre manchmal alkoholisierten Gesichter von innen. Diese Ähnlichkeit kann kein Zufall sein: Der alt gewordene weibliche Hölderlin, der keinen Platz im Leben fand.

Jeden Tag zum „Hölderlinhaus“ zu kommen, lohnt sich. Ich entdecke auf der Rückseite eine Bäckerei, kaum größer als Hölderlins Zimmer in Tübingen, ein paar Tische, eine Steckdose für mein Notebook und keine Musik. Der Raum sieht nach einem späten Zubau aus. Womöglich war hier der Hof mit dem Feigenbaum aus „Andenken“ und liefen die „braunen Frauen daselbst“ vom selben Gedicht hier vorbei. Wer sind sie eigentlich?

Noch eine Folge von Hölderlins Aufenthalt in Bordeaux ist der Streit um die Identität der „braunen Frauen“. Adorno will sie vor Heidegger retten und von dem Verdacht, sie seien deutsche Frauen, entlasten, wobei er Französinnen meint: „während Hölderlins Verse eher von der erotischen imago der Südländerin entzückt sind, gestattet Heidegger den Übergang zu den deutschen Frauen und ihrem Lob.“ Aus heutiger Sicht deutet man das manchmal als Streit von zwei „alten weißen Männern“ darüber, ob die afrikanischen Sklavinnen deutsch, französisch oder eventuell griechisch waren. So schreibt etwa 2015 der Philosoph René Sebastian Dorn: „Dass dort braune Frauen vorkommen ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass sich zu der Zeit der zweitgrößte Sklavenmarkt (traite négrière) Frankreichs an den halbmondförmigen Quais von Bordeaux befand.“ Dagegen spricht natürlich die zu Hölderlins Zeiten verbreitete Bedeutung des Wortes „braun“ als gebräunter Teint: „das braune Mädel“ (Goethe), „meine braune Trutschel“ (Hölty) und viele andere. Jedes Landei war ein braunes Mädchen. Schade! Es wäre ein Wunder dieses Gedichtes gewesen, dass zum ersten Mal in der deutschen Sprache die „braunen Frauen“ ganz normal zum Straßenbild gehörten, in solchem Maße nichts Besonderes, dass man streiten konnte, ob sie Deutsche oder Französinnen seien (avenidas y mujeres y un admirador)!

Hüterinnen von Küche und Bett

Aus der Sicht von morgen wird alles wieder anders sein: Als ich in einer Abiturklasse eines deutschen Gymnasiums von den „alten weißen Männern“ zu sprechen begann und merkte, dass der Begriff nicht auf irgendein Verständnis traf, fragte ich, ob er jemandem bekannt vorkomme. Keinem! Nur ein Mädchen wusste etwas von den „alten weisen Männern“ bei „Asterix“.

Aus meiner heutigen und naturgemäß feministischen Sicht haben Frauen bei Hölderlin weder mit Hüterinnen des Seins (lies: Küche) noch mit angewandter Sinnlichkeit (lies: Bett) zu tun; die späten Gedichte Hölderlins lesen sich als Kommentare zu „Hyperion“ und jede Frau, egal welcher Farbe, trägt die Funktion der eingeweihten, von jeder Vulgarität des Lebens freien Diotima sowohl des „Symposions“ als auch des „Hyperions“. So gesehen musste Diotima sterben (sie kann keine Ehefrau werden); Susette Gontard (die „wirkliche“ Diotima) wünschte sich die Romanwendung anders, aber Hölderlin musste der Logik des Werkes folgen.

Ich gehe und grüße die schöne Garonne, an deren Ufer eine bronzene Marthe Adélaïde Modeste Testas (1765 bis 1870) steht und Abertausende von Sklaven repräsentiert. Sie war, wie viele schwarze Sklaven, nur für kurze Zeit in Bordeaux und wurde von ihrem Besitzer, dem sie zwei Kinder gebar, in seinem Testament befreit und mit Land auf Haiti versorgt, wo sie hundertfünfjährig starb. Einer ihrer Enkelsöhne wurde Präsident der Republik Haiti. Das Denkmal ist erst seit Mai 2019 da. Die Stadt will ihre Geschichte nicht mehr verbergen. Das ist neu. Thankmar von Münchhausen schreibt in seinen Bordeaux-Texten der Siebzigerjahre nur über den Weinhandel, erwähnt die Sklaverei als zweite Säule des Wohlstands mit keinem Wort.

Ein schwarzer Junge auf dem Fahrrad lehnt sich gegen eine Hauswand und dreht sich einen Joint. Er und sein Fahrrad sind so schmal und matt, dass sie auf die Wand gemalt scheinen.

„Braune Frauen“ (und Männer) im gegenwärtigen Sinn gehörten schon zu Hölderlins Zeiten zum Straßenbild von Bordeaux. Zu dem von Frankfurt, Heidelberg oder Nürtingen eben nicht. Sie sind in Frankreich schon so lange zu Hause, dass sie niemandem auffallen, weder missgünstigen noch wohlwollenden Passanten, während man in Deutschland immer noch beobachten kann, wie ungelenk jemand zum Beispiel seinem Sitznachbarn im Bus zu verstehen geben will, dass er kein Rassist sei. Was natürlich auf befremdete Reaktionen seitens der „Schwarzen“ stößt, schließlich wollen sie den „Weißen“ nicht auf Schritt und Tritt beweisen, dass sie nichts gegen deren Hautfarbe haben. All das besagt nicht, dass Deutsche größere Rassisten seien. Die Zeitskala ist eine ernste Sache, ein Paar Kerben zu überspringen ist nicht so einfach.

Der Tod als Strafe

Weiter mit Adorno denkend: Zu gerne würde ich Hölderlin eine Romanze mit einer schönen Sklavin gönnen: Fremdling, wie sich die frühromantischen Dichter bezeichneten, und Fremdlingin, wie Hölderlin die Nacht nannte. Weder er noch sie fühlen sich wirklich wohl in ihrer Haut, in ihrem Leben, die Welt ist verständnislos, für seine Dichtung, für ihr Schicksal, ein feilgebotenes Ding zu sein. Sie würde verkauft, und er würde sich gezwungen sehen, nach Hause zu kommen, wo er vom Tod seiner Geliebten erfahren und das als Strafe für seine Untreue und dafür, dass er sie in seinem Roman bereits umgebracht hat, empfinden und immer endgültiger in die Nacht, die Fremdlingin, versinken. Aber sowohl die Literatur als auch ich sind aus dem Alter für solche Phantasien heraus.

Ich bin fast die Letzte in einem Café. An einem verlassenen Tisch sind Brotkorb und Teller noch nicht abgeräumt. Jemand nimmt im Vorbeigehen eine Baguettescheibe, tunkt sie in die Soße im Teller und isst sie in einiger Entfernung; ich versuche, ihn möglichst unauffällig zu beobachten, damit ich ihn nicht hindere, eine zweite Scheibe zu nehmen. Er ist groß und dünn, mit dem goldenen Haar eines Erzgengels von einem Renaissance-Bild und verlangsamten Bewegungen, die den Drogenabhängigen ein weltfremd verachtendes Aussehen verleihen. Er holt aus einer Mülltonne ein beschriebenes Blatt Papier heraus, liest beide Seiten, zuckt enttäuscht mit den Schultern und lässt es zurück in die Mülltonne fallen; wäscht sich die Hände unter dem öffentlichen Wasserhahn und entfernt sich langsam, einen Tick über dem Boden schwebend. Der Brotkorb bleibt halbvoll auf dem Tisch zurück.

Wenn Gedichte gleich gut als patriotische Stärkung in die Soldatentornister, als Traum der Revolution in den linken Diskurs und als Transistor des Seins in den konservativen passen, dazu noch Vorbote der modernistischen Idee der Ersetzung der Religion durch die Kunst sind, bedeutet das nicht Beliebigkeit, sondern Universalität, weswegen jede Analyse der Texte nur bedingt möglich ist. Bei aller Bewunderung etwa für die hermeneutischen Studien Szondis oder Befremdung bei den prosaischen, aber pythischen Nacherzählungen Heideggers kann man beide und alle anderen Deutungen als gleichberechtigt sehen. Alle beanspruchen solche Dichter für sich, wie eine Landschaft, die erst Menschen mit Inhalten beladen, die aber nichts als sich selbst repräsentiert. In allen unseren Ohren klingt Hölderlin, egal, ob wir links oder rechts sind, Deutsche oder Russen (Japaner, Kameruner oder wer auch immer), er ist da, wenn uns, warum auch immer, deutsche Gedichte (oder überhaupt Gedichte) etwas bedeuten. Diese Aussage hat eine Generationengrenze, die nicht dadurch erklärbar ist, dass Hölderlins Gedicht nun veraltet wäre, sondern dadurch, dass er aus der Schullektüre verschwunden ist und Menschen ab einem gewissen Jahrgang keine Chance haben, auch nur eine Zeile von ihm zu lesen. Ich hoffe, ich irre mich, obwohl ich aus einiger Erfahrung heraus spreche.

Mir war die nicht so einfach aufspürbare, aber klare Präsenz von Hölderlin in Bordeaux auch deshalb wichtig, weil im Archiv des 2018 verstorbenen Oleg Jurjew ein von ihm handbeschriebener Zettel von 1980 (ein Jahr bevor wir uns trafen) gefunden wurde: „Sich in einem ästhetischen Untergrund befindend. Goethe – in diesen Zeiten ist das nicht möglich. Heine – dieser Weg ist bereits beschritten. Hölderlin – bleibt Hölderlin. Darauf hofft jeder.“ Und aus derselben Zeit ein Gedicht mit der Zeile: „Kommt eine Taube, sagt: Hölderlin.“ Später bedeutete Hölderlin für Oleg Jurjew tatsächlich sehr viel. Aber damals? Das heißt, dass ein zwanzigjähriger sowjetischer Dichter, der in dem sozialistischen Kulturbetrieb einen Weg für sich weder sah noch wünschte, in Hölderlin einen Schutzpatron fand. Der „ästhetische Untergrund“ in der spätsowjetischen Literatur war nicht inhaltlich, sondern bestand darin, einfach anders zu schreiben und zu denken als verlangt. Die Anforderungen der sowjetischen Ästhetik waren beinah dieselben wie die des freien Marktes: einfach, für alle zugänglich, ein bisschen Gefühle, ein bisschen gute Gesinnung, politisch der aktuellen Norm entsprechend. Es ging um die Art und Weise zu schreiben und zu leben, abseits des Mainstreams, der einem gefügigeren Autor ein bequemes Leben sicherte, ohne dass er seine Seele besonders stark an die Kommunisten verkaufen musste. Deshalb ist es in der Tat vergleichbar.

Kann es sein, dass Künstler, die ihren Weg abseits des jeweiligen Zeitgeistes gehen, auch heute in Hölderlin einen Schutzpatron haben?

Quelle: F.A.Z.
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