FAZ plus ArtikelStudie zur „Schwarzen Botin“

Zwischen den Städten

Von Magnus Klaus
16.05.2022
, 20:16
Eine Studie zur Zeitschrift „Die Schwarze Botin“
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Der Zustand des heutigen Feminismus verleitet diejenigen, die sich statt queertheoretischer Leugnung oder geschlechtermetaphysischer Verklärung von Weiblichkeit eine materialistische Kritik des Geschlechterverhältnisses wünschen, zur Suche nach Vorbildern in der Vergangenheit. Diesem Bedürfnis verdankt die 1976 von Brigitte Classen und Gabriele Goettle gegründete Zeitschrift „Die Schwarze Botin“, die bis 1987 erschien, ihre aktuelle Renaissance. Vor zwei Jahren erschien eine Auswahl von Texten aus den ersten fünf Jahrgängen (F.A.Z. vom 13. Januar 2021). Nun hat Katharina Lux die erste Monographie zum Thema herausgebracht. Lux arbeitet die Gründungsgeschichte der „Botin“ als Gegenblatt zu „Courage“ und „Emma“ heraus, denen die Autorinnen der „Botin“, darunter Elfriede Jelinek und Silvia Bovenschen, Theorieverachtung und Geschichtsvergessenheit vorwarfen. Am Konflikt mit „Emma“ wird die Distanz zum feministischen Schwesternkult aufgewiesen. Die Auseinandersetzung mit der RAF und die Kritik, die die „Botin“ am Klischee der „friedfertigen Frau“ übte, nutzt Lux, um den anarchoindividualistischen Duktus der „Botin“ zu konturieren.

Bild: Mandelbaum Verlag

Dass der zweite Teil der Arbeit, der sich der Kritik am Theorem der „weiblichen Ästhetik“ widmet, qualitativ abfällt, liegt am akademischen Charakter von Lux’ Buch. Die „Botin“ war trotz Theorieaffinität nie ein Diskursblatt, sondern brachte Lyrik, Prosa und Zeichnungen. Außerdem war sie ein Ort der Improvisation: Wer wann was publizierte, bestimmt eher der Zufall als die Redaktion, die in Berlin, Wien und Paris ansässig war und nicht einmal über ein Büro verfügte. Der „Botin“, wie Lux es tut, ein „Kritikprogramm“ zuzuschreiben und sie trotz ihrer Invektiven gegen die Zweite Frauenbewegung dieser zuzurechnen, nämlich als deren „autonome“ Entsprechung, ist eher eine Reaktion auf Anforderungsprofile von Forschungsclustern, als dass es dem Anspruch der Zeitschrift gerecht würde.

Katharina Lux: „Kritik und Konflikt“. Die Zeitschrift die schwarze Botin in der autonomen Frauenbewegung. Mandelbaum Verlag, Wien/Berlin 2022. 474 S., br., 28,– €.

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