Krimibestenliste im November

Die Fluten reißen alles mit

02.11.2020
, 13:50
Denise Mina springt sofort auf Platz eins: Die Frankfurter Allgemeine und Deutschlandfunk Kultur präsentieren die besten Krimis.

1.

Denise Mina - Götter und Tiere
Plazierung im Vormonat: /

Glasgow. Ein Raubüberfall mit Todesopfer, ein alternder Labor-Politiker in Seitensprung-Kalamitäten, Polizisten mit Bergen von Bestechungsgeld, ein moralisch unsicherer Erbe – alles ganz normal. Die Serie um Detective Alex Morrow: das hellwache Porträt einer starken Frau und ihrer chaotischen Stadt.
Aus dem Englisch von Karen Gerwig, Ariadne im Argument Verlag, 352 Seiten, 21 Euro..

2.

Garry Disher - Hope Hill Drive
Plazierung im Vormonat: 1

„Tiverton“, South Australia. Alles wie immer: Es wird geklaut, gesoffen, geprügelt, Einsame sind einsam. Hirsch, allein auf sehr weiter Flur, ist „freundlicher Dorfpolizist“. Da wird eine Frau erschossen, zwei Kinder fliehen, Hauptstadt-Cops schaffen Chaos. Große Literatur, entstanden aus Kleinem.
Aus dem Englischen von Peter Torberg. Unionsverlag, 334 Seiten, 22 Euro..

3.

Un-Su Kim - Heißes Blut
Plazierung im Vormonat: 9

Busan 1993. Guam – das ist Tradition, Strand, Verbrechen im Kleinformat. Für Vater Son managt Huisu seit 20 Jahren dort das Hotel und die Deals, einsam und besonnen achtet er die Regeln. Bis ihm Selbständigkeit winkt. Großes Sozial- und Gangsterepos: Neu verdrängt Alt, Globalisierung steigert Gewalt.
Aus dem Französischen von Sabine Schwenk. Europaverlag, 582 Seiten, 24 Euro.

4.

Joachim B. Schmidt - Kalmann
Plazierung im Vormonat: 5

Raufarhöfn, Island. Kalmann vergisst viel und rechnet schlecht, aber sein Gammelhai ist der zweitbeste in Island. Als er am Arctic Henge eine Blutlache entdeckt, sagt er gleich Bescheid. Hat ein Eisbär Róbert gefressen? Einfühlsame Variante des Topos „behinderter Detektiv“ in grandioser Landschaft.
Diogenes, 352 Seiten, 22 Euro.

5.

Sara Sligar - Alles, was zu ihr gehört
Plazierung im Vormonat: 3

„Callinas“, Marin County. „Ob die Narben auf meinen Fotos echt sind?“ Fotografin Miranda Brand hat sich den Kopf weggeschossen – oder doch nicht? Archivarin Kate, weggemobt, traumatisiert, soll ihren Nachlass für Sohn und Kunstwelt erschließen. Psychothriller, Künstlerinnenroman, feines Debüt.
Aus dem Englischen von Ulrike Brauns. Hanserblau, 432 Seiten, 16 Euro.

6.

Robert Brack - Dammbruch
Plazierung im Vormonat: /

Hamburg, Februar 1962. Dämme brechen, das Wasser steigt, wer wird überleben? Tresorknacker Lou will mit Goldschatz nach Kuba. Dr junge Piet wird zum Lebensretter. Betty bekämpft ihre bösen Erinnerungen mit der Garotte. Die Fluten reißen alles mit. Mittendrin die kleinen Kämpfe ums Überleben. Echt.
Ellert & Richter, 240 Seiten, 12 Euro.

7.

Marcie Rendon - Stadt, Land, Raub
Plazierung im Vormonat: 8

Fargo / Moorhead, etwa 1971. Nachts fährt Cash Rüben und spielt Billard, tagsüber geht sie aufs College, verwundet durch eine Kindheit in Zwangspflegschaft. Prostitution, Akademiker und große Städte lernt die Native American erst richtig kennen, als sie einen Essay-Preis erhält. Großartig.
Aus dem Englischen von Jonas Jakob. Ariadne im Argument Verlag, 238 Seiten, 13 Euro.

8.

Max Annas - Morduntersuchungskommission. Der Fall Melchior Nikoleit
Plazierung im Vormonat: 4

Gera, Jena 1985. Melchior war Bassist einer Punk-Band. Jetzt liegt der 19-Jährige tot im Schuppen. Die Ermittler stöbern in unsozialistischem Familiendreck: Kriegsverbrechen, Diebstahl, Prügel. Freundin Julia erzählt von Aufbruch, Musik, Liebe und Verrat. Hommage an Punk, die Sehnsucht frei zu sein.
Rowohlt, 336 Seiten, 20 Euro.

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9.

Steph Cha - Brandsätze
Plazierung im Vormonat: 2

Los Angeles. 1991 wurde Afroamerikanerin Ava, 15, von der koreanischen Ladenbesitzerin Yvonne erschossen, 2019 wird diese selbst Opfer eines Attentats. Nach einem realen Fall und Mustern en masse erzählt Cha vom Kampf zweier Familien beim persönlichen Versuch, dem Fluch des Rassismus zu entgehen.
Aus dem Englischen von Karen Witthuhn. Ars Vivendi, 336 Seiten, 22 Euro.

10.

Éric Plamondon - Taqawan
Plazierung im Vormonat: /

Restigouche, Québec. 1981 zerreißen Polizisten die Lachsnetze der Mi’gmac, die fünfzehnjährige Océane wird vergewaltigt. Zwei Einzelgänger, Ranger Leclerc und Mi’gmac William, helfen dem Opfer, klären auf und üben Rache. Knapp, aber oho: Essay über weißen Kolonialismus und strukturelle Gewalt - als Krimi.
Aus dem Französischen von Anne Thomas. Lenos, 208 Seiten, 22 Euro.

Die Jury

Tobias Gohlis, Sprecher der Jury | Volker Albers, „Hamburger Abendblatt“ | Andreas Ammer, „Druckfrisch“, BR | Gunter Blank, „Rolling Stone“ | Thekla Dannenberg, „Perlentaucher“ | | Hanspeter Eggenberger, „Tages-Anzeiger“ | Fritz Göttler, „Süddeutsche Zeitung“ | Jutta Günther, „Radio Bremen Zwei“ | Sonja Hartl, „Zeilenkino“, „Culturmag“, „Deutschlandfunk Kultur“ | Hannes Hintermeier, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ | Peter Körte, „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“| Alf Mayer, „Culturmag“, „Strandgut“ | Kolja Mensing, „Deutschlandfunk Kultur“ | Marcus Müntefering, „Der Spiegel“ | Ulrich Noller, „Deutschlandfunk Kultur“, „Deutschlandfunk“, SWR, WDR | Frank Rumpel, SWR | Ingeborg Sperl, „Der Standard“ | Sylvia Staude, „Frankfurter Rundschau“ | Jochen Vogt, „NRZ“, „WAZ“.

Die Jury erreichen Sie per E-Mail unter krimibestenliste@faz.de
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Quelle: F.A.S.
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