Krimibestenliste im Dezember

Liebe, Kugeln und reale Tiger

06.12.2020
, 11:05
Denise Mina behauptet souverän die Spitzenposition: Die Frankfurter Allgemeine und Deutschlandfunk Kultur präsentieren die besten Krimis.

1.

Denise Mina – Götter und Tiere
Plazierung im Vormonat: 1

Glasgow. Ein Raubüberfall mit Todesopfer, ein alternder Labour-Politiker in Seitensprung-Kalamitäten, Polizisten mit Bergen von Bestechungsgeld, ein moralisch unsicherer Erbe – alles ganz normal. Die Serie um Detective Alex Morrow: das hellwache Porträt einer starken Frau und ihrer chaotischen Stadt.
Aus dem Englisch von Karen Gerwig, Ariadne im Argument Verlag, 352 Seiten, 21 Euro.

2.

Dominique Manotti – Marseille 73
Plazierung im Vormonat: /

Als ein verrückter Araber einen Busfahrer ersticht, legen die Fremdenhasser los. Malek, 16, Berufsschüler, wird niedergeschossen. Commissaire Daquin und sein Team agieren taktisch klug, fast allein gegen Ausländerhass, Mordwut, Verlustangst, Rassisten im Apparat. All das gab es schon in Marseille 1973.
Ariadne im Argumentverlag, 400 Seite, 23 Euro.

3.

Robert Brack – Dammbruch
Plazierung im Vormonat: 6

Hamburg, Februar 1962. Dämme brechen, das Wasser steigt, wer wird überleben? Tresorknacker Lou will mit Goldschatz nach Kuba. Der junge Piet wird zum Lebensretter. Betty bekämpft ihre bösen Erinnerungen mit der Garotte. Die Fluten reißen alles mit. Mittendrin die kleinen Kämpfe ums Überleben. Echt.
Ellert & Richter, 240 Seiten, 12 Euro.

4.

Mick Herron – Real Tigers
Plazierung im Vormonat: /

London. Ein angeheuertes „Tiger-Team“ greift testhalber den Geheimdienst MI5 an. So der trickreiche Plan. Was aber, wenn die Tiger real sind? Jackson Lambs Agenten, eigentlich auf dem Abschiebegleis, zeigen, was sie drauf haben. Halsbrecherische Satire auf die eitle Upper Class und ihre Spy-Bürokratie.
Aus dem Englischen von Stefanie Schäfer. Diogenes, 480 Seiten, 18 Euro.

5.

Un-Su Kim – Heißes Blut
Plazierung im Vormonat: 3

Busan 1993. Guam – das ist Tradition, Strand, Verbrechen im Kleinformat. Für Vater Son managt Huisu seit zwanzig Jahren dort das Hotel und die Deals, einsam und besonnen achtet er die Regeln. Bis ihm Selbständigkeit winkt. Großes Sozial- und Gangsterepos: Neu verdrängt Alt, Globalisierung steigert Gewalt.
Aus dem Französischen von Sabine Schwenk. Europaverlag, 582 Seiten, 24 Euro.

6.

Éric Plamondon – Taqawan
Plazierung im Vormonat: 10

Restigouche, Québec. 1981 zerreißen Polizisten die Lachsnetze der Mi’gmac, die fünfzehnjährige Océane wird vergewaltigt. Zwei Einzelgänger, Ranger Leclerc und William vom Stamm der Mi’gmac, helfen dem Opfer, klären auf und üben Rache. Knapp, aber oho: Essay über weißen Kolonialismus und strukturelle Gewalt als Krimi.
Aus dem Französischen von Anne Thomas. Lenos, 208 Seiten, 22 Euro.

7.

Joachim B. Schmidt – Kalmann
Plazierung im Vormonat: 4

Raufarhöfn, Island. Kalmann vergisst viel und rechnet schlecht, aber sein Gammelhai ist der zweitbeste in Island. Als er am Arctic Henge eine Blutlache entdeckt, sagt er gleich Bescheid. Hat ein Eisbär Róbert gefressen? Einfühlsame Variante des Topos „behinderter Detektiv“ in grandioser Landschaft.
Diogenes, 352 Seiten, 22 Euro.

8.

Garry Disher – Hope Hill Drive
Plazierung im Vormonat: 2

„Tiverton“, South Australia. Alles wie immer: Es wird geklaut, gesoffen, geprügelt, Einsame sind einsam. Hirsch, allein auf sehr weiter Flur, ist „freundlicher Dorfpolizist“. Da wird eine Frau erschossen, zwei Kinder fliehen, Hauptstadt-Cops schaffen Chaos. Große Literatur, entstanden aus Kleinem.
Aus dem Englischen von Peter Torberg. Unionsverlag, 334 Seiten, 22 Euro.

9.

Nick Kolakowski – Love & Bullets
Plazierung im Vormonat: /

New York City, Nicaragua, Oklahoma. „Glory, glory, paranoia“ – Dandy-Betrüger Bill und Killerin Fiona, ein Liebespaar auf der Flucht vor dem Mob, den sie gelinkt haben. Herzhaft durchgeknallte Gangstergroteske. Highlight: Ein Tesla gleitet mit geköpftem Fahrer im autonomen Modus durch Manhattan.
Aus dem Englischen von Stefan Lux. Suhrkamp, 427 Seiten, 11 Euro.

10.

Nathaniel Rich – King Zeno
Plazierung im Vormonat: /

New Orleans schwitzt 1919 vor Angst. Die spanische Grippe wütet, ein Axtmörder treibt sein Unwesen, beim Bau des Binnenhafens wird Urwald vernichtet und weitere Leichen tauchen auf. Im Chaos findet ein junger schwarzer Jazzmusiker seinen Stil. Beklemmendes Panorama, vor Corona verfasst.
Aus dem Englischen von Henning Ahrens. Rowohlt Berlin, 448 Seiten, 24 Euro.

Die Jury

Tobias Gohlis, Sprecher der Jury | Volker Albers, „Hamburger Abendblatt“ | Andreas Ammer, „Druckfrisch“, BR | Gunter Blank, „Rolling Stone“ | Thekla Dannenberg, „Perlentaucher“ | Hanspeter Eggenberger, „Tages-Anzeiger“ | Fritz Göttler, „Süddeutsche Zeitung“ | Jutta Günther, „Radio Bremen Zwei“ | Sonja Hartl, „Zeilenkino“, „Culturmag“, „Deutschlandfunk Kultur“ | Hannes Hintermeier, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ | Peter Körte, „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“| Alf Mayer, „Culturmag“, „Strandgut“ | Kolja Mensing, „Deutschlandfunk Kultur“ | Marcus Müntefering, „Der Spiegel“ | Ulrich Noller, „Deutschlandfunk Kultur“, „Deutschlandfunk“, SWR, WDR | Frank Rumpel, SWR | Ingeborg Sperl, „Der Standard“ | Sylvia Staude, „Frankfurter Rundschau“ | Jochen Vogt, „NRZ“, „WAZ“.

Die Jury erreichen Sie per E-Mail unter krimibestenliste@faz.de
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Quelle: F.A.S.
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