Krimibestenliste im September

Punk und Tod in Gera

Aktualisiert am 06.09.2020
 - 08:00
Die besten Krimis des Monats
Max Annas ist neuer Spitzenreiter, dicht gefolgt von Garry Disher: Die Frankfurter Allgemeine und Deutschlandfunk Kultur präsentieren die besten Krimis im September.

1.

Max Annas - Morduntersuchungskommission. Der Fall Melchior Nikoleit
Plazierung im Vormonat: 6

Gera, Jena 1985. Melchior war Bassist einer Punk-Band. Jetzt liegt der 19-Jährige tot im Schuppen. Die Ermittler stöbern in unsozialistischem Familiendreck: Kriegsverbrechen, Diebstahl, Prügel. Freundin Julia erzählt von Aufbruch, Musik, Liebe und Verrat. Hommage an Punk, die Sehnsucht frei zu sein.
Rowohlt, 336 Seiten, 20 Euro.

2.

Garry Disher - Hope Hill Drive
Plazierung im Vormonat: /

„Tiverton“, South Australia. Alles wie immer: Es wird geklaut, gesoffen, geprügelt, Einsame sind einsam. Hirsch, allein auf sehr weiter Flur, ist „freundlicher Dorfpolizist“. Da wird eine Frau erschossen, zwei Kinder fliehen, Hauptstadt-Cops schaffen Chaos. Große Literatur, entstanden aus Kleinem.
Aus dem Englischen von Peter Torberg. Unionsverlag, 334 Seiten, 22 Euro.

3.

Lauren Wilkinson - American Spy
Plazierung im Vormonat: 9

USA, Burkina Faso. Ein überlebter Mordanschlag zwingt Marie Mitchell, sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Die CIA engagierte die ehrgeizige Afroamerikanerin als Honigfalle für den charismatischen Präsidenten von Burkina Faso. Nicht eingeplant im Kalten Krieg: die Liebe. Obama hat es gern gelesen.
Aus dem Englischen von Antje Althans, Anne Emmert, Katrin Harlaß, Jenny Merling. Tropen, 366 Seiten, 16 Euro.

4.

Parker Bilal - London Burning
Plazierung im Vormonat: /

London. Scharia-Fake? Die Frau des Immobilienmoguls Thwaite und ein Japaner liegen gesteinigt in der Baugrube einer Luxuswohnanlage. DS Drake und Partnerin ermitteln unter Gentrifizierungs- und Irakkriegtraumatisierten, rechten Schlägern und rechtgläubigen Migranten. London vor der Auflösung.
Aus dem Englischen von Ulrike Thiesmeyer. Rowohlt, 494 Seiten, 12 Euro.

5.

Steph Cha - Brandsätze
Plazierung im Vormonat: /

Los Angeles. 1991 wurde Afroamerikanerin Ava, 15, von der koreanischen Ladenbesitzerin Yvonne erschossen, 2019 wird diese selbst Opfer eines Attentats. Nach einem realen Fall und Mustern en masse erzählt Cha vom Kampf zweier Familien beim persönlichen Versuch, dem Fluch des Rassismus zu entgehen.
Aus dem Englischen von Karen Witthuhn. Ars Vivendi, 336 Seiten, 22 Euro.

6.

Zoë Beck - Paradise City
Plazierung im Vormonat: 1

Deutschland in 100 Jahren. Der Norden unter Wasser, Gesundheits-App KOS wacht, fast alle sind zufrieden. Nur Liina und Kollegen widerstehen, sie arbeiten für die „Wahrheitspresse“. Erst recht, als eine Kollegin ermordet wird. Gesund sein oder frei sein? Brennende Fragen, zum Mitfiebern.
Suhrkamp, 280 Seiten, 10 Euro.

7.

Lee Child - Der Bluthund
Plazierung im Vormonat: 2

Wyoming. Beim Umsteigen ersteht Reacher antiquarisch einen Westpoint-Ring, ahnt Schlimmes für die Besitzerin. Im entlegensten Bergtal stößt der Einzelkämpfer, mit Kumpels diesmal, auf reine Opioide, Fluch und für manche auch Segen. Reacher ist zarter als sonst, jedenfalls zu den Guten. Echt stark.
Aus dem Englischen von Wulf Bergner. Blanvalet, 448 Seiten, 22 Euro.

8.

James Lee Burke - Blues in New Iberia
Plazierung im Vormonat: 7

New Iberia. Detective Robicheaux liebt Louisiana „wie eine Religion“. Und die wird beschmutzt von einem Serienmörder aus der Mythenfabrik Hollywood: Frauen treiben ans Kreuz genagelt auf dem Meer. Stellen kann das Böse nur, wer den Tod hinter sich gelassen hat. Eine Naturgewalt von einem Roman.
Aus dem Englischen von Jürgen Bürger. Pendragon, 586 Seiten, 22 Euro.

9.

Tommie Goerz - Meier
Plazierung im Vormonat: 10

Franken. Zehn Jahre hat Meier unschuldig gesessen für Mord. Jetzt ist er raus, repariert Autos und hebt abgesunkene Scheunen. Schön ist das Leben, schöner die Rache. Im Knast hat er gelernt, wie man Täuscher und Betrüger aufs Kreuz legt. Knochentrocken serviert, die Ballade vom zufriedenen Knacki.
Ars Vivendi, 164 Seiten, 18 Euro.

10.

Scott Thornley - Der gute Cop
Plazierung im Vormonat: /

„Dundurn“ am Ontariosee. Leichen im Hafenbecken, wo ein Museum Dundurns Zukunft werden soll. Superintendent MacNeice ist gefragt, ein resoluter Diplomat der Aufklärung, dem nichts entgeht. US-Veteranen, ein Biker-Krieg, dazu ein Serienmörder – Mac hat zu tun in seinem ersten deutschen Fall.
Aus dem Englischen von Karl-Heinz Ebnet und Andrea O'Brien. Suhrkamp, 524 Seiten, 16 Euro.

Die Jury

Tobias Gohlis, Sprecher der Jury | Volker Albers, „Hamburger Abendblatt“ | Andreas Ammer, „Druckfrisch“, BR | Gunter Blank, „Rolling Stone“ | Thekla Dannenberg, „Perlentaucher“ | | Hanspeter Eggenberger, „Tages-Anzeiger“ | Fritz Göttler, „Süddeutsche Zeitung“ | Jutta Günther, „Radio Bremen Zwei“ | Sonja Hartl, „Zeilenkino“, „Culturmag“, „Deutschlandfunk Kultur“ | Hannes Hintermeier, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ | Peter Körte, „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“| Alf Mayer, „Culturmag“, „Strandgut“ | Kolja Mensing, „Deutschlandfunk Kultur“ | Marcus Müntefering, „Der Spiegel“ | Ulrich Noller, „Deutschlandfunk Kultur“, „Deutschlandfunk“, SWR, WDR | Frank Rumpel, SWR | Ingeborg Sperl, „Der Standard“ | Sylvia Staude, „Frankfurter Rundschau“ | Jochen Vogt, „NRZ“, „WAZ“.

Die Jury erreichen Sie per E-Mail unter krimibestenliste@faz.de
Einen Newsletter zur Krimibestenliste mit ergänzenden Informationen zu den neuen Titeln können Sie unter www.togohlis.de/anmeldeseite abonnieren.

Quelle: F.A.S.
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