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FAZ plus ArtikelPhänomen Ghosting

Smartphones voller Gespenster

Von Lili Hering
 - 06:32
Wenn nach den zwei blauen Häkchen nichts mehr kommt: Ghosting ist der elektronische Kontaktabbruch.

Mit neuen Kommunikationsmitteln entstehen neue Wege, diese zu nutzen – und auszunutzen. Ein nicht vorher über Textnachricht angekündigter Telefonanruf wird von jüngeren Leuten mittlerweile oft als aufdringlich angesehen. Heute, wo viele Menschen nicht nur die Telefonnummer des anderen haben, sondern auch auf Instagram, Facebook, Telegram, WhatsApp, FaceTime, Snapchat, TikTok, vielleicht sogar auf LinkedIn, mit ihm verbunden sind, ist das Ablehnen der Kommunikation, wenn sie nicht mehr gewollt ist, komplizierter geworden. Sie muss konsequent auf mehreren Kanälen ignoriert werden, und dieses Verfahren hat einen Namen: „Ghosting“.

Von ihm handelt Tina Solimans Buch. „Ghosts“ sind Menschen, die untertauchen, aufhören zu kommunizieren, nicht mehr erreichbar sind – und somit einseitig das Ende einer Beziehung entscheiden. Soliman beschreibt anhand von Berichten „Betroffener“ sowie Gesprächen mit Psychologen und Soziologen verschiedene Verhaltensmuster und Facetten von Beziehungsangst, die auf Narzissmus, Selbstschutz und einigen anderen Motiven beruhen. Zu Wort kommen Menschen, die verschwinden, wie auch jene, die unter dem Verschwinden leiden: Sie erzählen von den Ursachen eines solchen Kontaktabbruchs und den Folgen des Ghostings, das für manche schwer zu verarbeiten ist.

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Tina Soliman: "Ghosting". Vom spurlosen Verschwinden des Menschen im digitalen Zeitalter. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2019. 358 S., geb., 18 €.

Quelle: F.A.Z.
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