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Alice Merton in Frankfurt

Immer nur lächeln, immer vergnügt

Von Stefan Raulf
Aktualisiert am 26.02.2020
 - 16:34
Roots in Frankfurt: Alice Merton
Sie vereint mindestens drei Generationen im Publikum. Alice Merton, Popstar mit Wurzeln in Frankfurt, verlässt sich in der ausverkauften Batschkapp aber vielleicht etwas zu oft auf eine bewährte Formel.

Mit einem Lächeln auf den Lippen schreitet Alice Merton, die ersten Zeilen ihres Songs „Easy“ singend, auf die Bühne. Die Spitzenbluse in hellblau drückt Harmlosigkeit aus, der geraffte dunkle Taftrock wippt, der Beat hoppelt. Die Gesangszeilen des Refrains lauten: „I wish that it was easy. I wish that lovin’ me wouldn’t feel so hard. I wish that it was easy. I wish that loving me was a walk in the park.“ Es ist ein durchschaubarer Trick: Wem unter den Fans in der ausverkauften Batschkapp in Frankfurt fiele es in diesem Moment denn schwer, sie zu lieben?

Dieses Lächeln erkennen die Besucher selbst ganz hinten in der Halle. Erst recht diejenigen, die in der Fernseh-Musikshow „The Voice“ im vergangenen Jahr Alice Mertons Hang zur Freundlichkeit erlebt haben. Es ist eines ihrer Markenzeichen. Es gehört zu ihrer Show wie ihr typisches Selbst-Dirigat mit den Händen beim Singen. Das Lächeln prägt des Gestus der Lieder, unabhängig vom Thema der Texte. Die deutsch-kanadische Kosmopolitin, die in Berlin wohnt, lächelt, wenn sie den Hessen versichert, dass sie sich immer mal wieder wie eine Frankfurterin fühlt. Immerhin wurde sie vor 26 Jahren in dieser Stadt geboren, in der sogar ein Viertel nach einem ihrer Vorfahren benannt ist. Der Unternehmer, bedeutende Sozialpolitiker und Philanthrop Wilhelm Merton war ihr Ur-ur-Großonkel. Und Alice Merton lächelt, wenn sie ihren Gitarristen Regi Drake anfrotzelt: „Er weiß, wie sehr ich ihn schätze.“

Drei Generationen umfassendes Publikum

Die Sängerin lächelt ganz besonders und mit Kiekser, als sie eine Paper-Plane-Kette aus dem mindestens drei Generationen umfassenden Publikum geschenkt bekommt. Paper Plane heißt nämlich ihre Plattenfirma, die sie mit ihrem Mitstreiter Paul Grauwinkel schon 2016 gründete, um ihre Debütsingle „No Roots“ sowie Anfang 2019 dann das Album „Mint“ selbst zu veröffentlichen. Rein formal mag sie somit eine „Independent-Künstlerin“ sein. Den VUT Indie Award der unabhängigen Musikbranche als „Beste Newcomerin“ hat sie vergangenes Jahr jedenfalls eingeheimst.

Aber man muss wohl mittlerweile schon „indie“ sein, um eine perfekt den Massengeschmack bedienende Nummer wie „No Roots“ unter die Leute bringen zu können. Man möchte also gar nicht wissen, was so manch Verantwortlicher im „großen Musikgeschäft“ daran hätte ändern wollen. Das Lied schnurrt als zeitgenössischer Schlager-Hit nur so durch mit seinem Rumpelbeat, gut ausbalanciert zwischen Rock und Dance, und vor allem mit dem zum Mitbellen animierenden Shout im Refrain sowie Mertons Wechsel aus der kräftigen Kehle in die helle Kopfstimme zu „Uh uuuh, uh uuuh“.

Vielleicht in paar Mal zu oft gespielt

Diesen Wechsel, gesangstechnisch ein Standard im emotionalen Haushalt des Mainstream-Pop, führt die an der Mannheimer Popakademie ausgebildete Sängerin und Songwriterin auch live gekonnt aus, und das mehrfach. Merton und ihre „Jungs“, die vierköpfige Band, sind gut darin, solche Stärken zu variieren. Dennoch fällt im Verlauf des gut neunzig Minuten dauernden Konzerts auf, dass es mit der Zeit ermüdet, wenn sich all die eingängigen Elemente von „No Roots“ auch in all den übrigen Songs wiederfinden. Die Mehrheit im Saal feiert zwar bis zur stampfenden Zugabe „Why So Serious“ kräftig mit.

Aber schon im Verlauf von „No Roots“, das Merton als vorletzten Programmpunkt solistisch am elektrischen Klavier beginnt, werden vermehrt die Ausgänge der Batschkapp angesteuert. Vielleicht wird der Refrain ein paar Mal zu oft gespielt. Vielleicht kommt aber auch mit der Zeit die Distanz hinter dem dauernden Lächeln zum Vorschein. Es ist tatsächlich nämlich gar nicht so „easy“.

Quelle: F.A.Z.
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