Im Alter von 97 Jahren

Theaterregisseur Peter Brook gestorben

03.07.2022
, 11:31
Theater als „Puffer gegen die Wirklichkeit“: Peter Brook im August 2015
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Der Theaterregisseur Peter Brook ist, wie „Le Monde“ meldet, am Samstag im Alter von 97 Jahren gestorben. Brooks Ruf ist legendär, er inszenierte Shakespeare, führte in Paris sein eigenes Haus und erfand seine eigene Theatersprache.
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Der legendäre britische Theaterregisseur Peter Brook ist, wie die französische Tageszeitung „Le Monde“ meldet, am Samstag im Alter von 97 Jahren gestorben. Brook lebte seit 1974 in Frankreich, seit diesem Zeitpunkt hatte er das Théâtre des Bouffes du Nord in Paris geführt.

Geboren wurde Peter Stephen Paul Brook am 21. März 1925 in London. Seine aus Russland stammenden jüdischen Eltern Simon und Ida Brook waren nach der Oktoberrevolution aus Russland geflohen und ließen sich in Großbritannien nieder. Brook studierte in Oxford und brachte noch als Student 1943 mit einer eigenen Theatertruppe eine Faustinszenierung (Faust von Marlowe) heraus.

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Am Birminghamer Repertory Theatre fiel Brook den Kritikern direkt nach dem Zweiten Weltkrieg erstmals auf. Er inszenierte in Stratford-upon-Avon „Romeo und Julia“ und „Love's Labour's Lost“. Von 1947 bis 1950 war Brook Produktionsleiter am Königlichen Opernhaus in Covent Garden. In den fünfziger Jahren arbeitete er an Bühnen in Belgien, Großbritannien und Paris. 1951 war er mit dem Stratforder Ensemble auf Tournee durch die Bundesrepublik und stellte seine legendäre Inszenierung von Shakespeares „Maß für Maß“ vor.

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„Battlefield“ von Peter Brook
Video: YouTube/YoungVicLondon

Seine eigene Sprache

1962 avancierte Brook neben Peter Hall zum Direktor der Royal Shakespeare Company in Stratford-upon-Avon. Er wählte auch hier wie seit Beginn seiner Theaterarbeit Texte mit Gegenwartsbezug aus. Brook fühlte sich den Grundlagen, dem Gedächtnis des Theaters und der Gesellschaft verpflichtet. Vom konventionellen Theaterbetrieb verabschiedete er sich schon 1970. Er beendete sein Engagement in Stratford-upon-Avon und gründete in Paris das Theaterforschungsinstitut „Centre International de Recherches Théâtrales“ (CIRT), nachdem er eine eigene (Theater-)Sprache entwickelt hatte, die er unter der Bezeichnung „Orghast“ bei den Festspielen in Persepolis 1971 erstmals präsentierte. „Orghast“ besteht aus Worten, die vom Schauspieler mit unmittelbarem Ausdruck geladen werden können und beim Zuhörer spontane Vorstellungen wecken, auf diese Weise also die quasi vorsemantischen Ausdrucksmöglichkeiten der Sprache nutzen. Damit schuf Brook sein auf Bühnendekorationen und optische Effekte verzichtendes Theater, mit dem er bis zuletzt Erfolg hatte. Er inszenierte bis kurz vor seinem Tod.

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Seine Stücke kamen stets zunächst am Pariser Théâtre des Bouffes du Nord heraus und gingen dann auf Welttournee. Auf der Suche nach einer das Publikum einbeziehenden Spieltechnik fuhr Brook mehrere Monate lang mit seinen Darstellern durch Westafrika und improvisierte auf Dorfplätzen. Sein Theater sei „vom Gedanken einer Weltkultur beseelt“, hieß es in der F.A.Z. (22. Juli 1985). Als Meilenstein auf diesem Weg zu einer neuen Weltkultur bezeichneten Kritiker Brooks 1985 beim Theaterfestival von Avignon vorgestellte Dramatisierung des Sanskrit-Epos „Le Mahabharata“, das in der TV-Bearbeitung jener indischen Fassung der Urgeschichte der Menschheit vom englischen Sender Channel 4 im Dezember 1989 gezeigt wurde. 2008 gab Brook die Leitung des Théâtre des Bouffes du Nord ab.

Quelle: miha./Munzinger
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