FAZ plus ArtikelNeues Theaterstück von Goetz

Die Eskalation hört nie auf

Von Julia Encke
13.09.2020
, 13:37
Totentanz, Walzer, militärischer Aufmarsch: Die Eröffnungsszene von „Reich des Todes“ in der Regie von Karin Beier
Im Hamburger Schauspielhaus wurde jetzt das neue Stück des Schriftstellers Rainald Goetz uraufgeführt: „Reich des Todes“. Es inszeniert den 11. September als Urereignis unserer aus dem Gleis geratenen Gegenwart.
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Acht Jahre sind inzwischen vergangen, seitdem der Schriftsteller Rainald Goetz seinen Roman „Johann Holtrop“ veröffentlicht hat, in dem der charismatische Vorstandsvorsitzende Holtrop, Herr über 80000 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von fast 20 Milliarden Euro – eine Managerfigur, in der manche den ehemaligen Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff zu erkennen glaubten –, abstürzte. Seitdem hat man von Goetz, sieht man von der Verleihung des Büchner-Preises 2015 und dem Erscheinen seines frühen Romans „Irre“ unter dem schön schillernden Titel „Insane“ im englischen Sprachraum, wenig gehört. Wer beim Suhrkamp Verlag nachfragte, wie es ihm gehe und was er mache, dem wurde gesagt, dass Rainald Goetz an einem Theaterstück schreibe, möglicherweise auch an zwei Stücken. Jahrelang? Ja, natürlich jahrelang.

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Und jetzt, als am Freitagabend im Hamburger Schauspielhaus die Spielzeit eröffnet wurde, war es so weit. Karin Beier inszenierte „Reich des Todes“, das hier nicht zufällig am 11. September uraufgeführt wurde - es handelte auch vom 11. September, von den Anschlägen auf das World Trade Center und deren Folgen. Schon der wirtschaftliche Absturz von Johann Holtrop hatte kurz danach, im November 2001, begonnen. „Elfter September“ heißt auch ein Fotoband von Goetz, in dem er in Anspielung auf den weltpolitischen Umbruch 2010 persönliche „Bilder eines Jahrzehnts“ versammelte. In „Reich des Todes“ nun steigt er, steigen wir alle mit ihm hinab zur finsteren Geburtsstunde unseres Jahrtausends: „hinabgestiegen in das Reich des Todes (Taufe)“ steht dem neuen Stück voran.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Encke, Julia
Julia Encke
Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
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