FAZ plus ArtikelGeorgiens Theaterszene

Ein Alleskönner im schiefen Turm

Von Kornelius Friz
30.10.2018
, 20:15
Eine Szene aus Bruckners „Krankheit der Jugend“, inszeniert vom jungen Data Tavadze in Tiflis
Der Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse war nur ein Anfang: Georgiens facettenreiche Theaterszene macht nun auch international auf sich aufmerksam. Ein Besuch in Tiflis.

Ein kopfloser Clown heult im Lichtstrahl, zwei Pferde tanzen Walzer, und die Schmetterlinge tragen Gewichte an ihren Flügeln. Das alles gibt es nur im Zirkus. Und im Figurentheater. Und wenn dann, lakonisch und leichtfüßig zugleich, anhand der Liebe zweier Lokomotiven zueinander das spannungsvolle Verhältnis von Ost- und Westeuropa verhandelt wird, dann ist man im Gabriadze Theater im georgischen Tiflis.

Die sprechenden Züge, Tiere und menschlichen Figuren werden von sieben Männern und Frauen geführt, die dem Publikum nicht verborgen bleiben. Mit größter Ruhe schieben sie die romantisch veranlagte Rangierlok Ramona über den Tisch. Diese schmachtet Ermon hinterher, dem geliebten Dampfross, als dieser den Bahnhof im Auftrag einer Zirkustruppe verlässt und Ramona wartend zurücklässt. Die Flüstertüte am Oberleitungsmast singt ihr Mitgefühl in melancholischen Liedern heraus, während der überdimensionale sowjetische Bahnwärter Beglar die sehnsüchtige Ramona harsch auf ihre dreihundert Meter Rangierstrecke zurückweist.

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