Ensemble Modern

Vierzig neue Werke

Von Clemens Haustein
09.12.2020
, 09:02
Das Ensemble Modern wollte dieses Jahr sein vierzigjähriges Bestehen groß feiern, doch die Konzerte wurden alle abgesagt. Im Livestream und mit einer CD beschenkt es nun sich selbst und sein Publikum mit lauter Uraufführungen.

Ein weiteres Jubiläum, das durch Corona großteils verhagelt wurde: Das Ensemble Modern feiert in diesem Jahr sein vierzigjähriges Bestehen. Eine achtteilige, thematisch ausgeklügelte Konzertreihe hätte über das Jahr hinweg stattfinden sollen, eine Tournee mit Gérard Griseys Riesenwerk „Les espaces acoustiques“ musste entfallen, die Uraufführung eines neuen Musiktheaterstückes von Brigitta Muntendorf wurde auf 2022 verschoben. Das Ensemble hat der Situation gleichwohl getrotzt und Anfang April mit Streaming-Konzerten aus den Probenräumen im Frankfurter Ostend begonnen: erhellende Konzerte, weil die Musiker die Möglichkeiten des Formates nutzten und erklärend in die Werke einführten.

Gestreamt wird Mittwochabend auch der Festakt in der Alten Oper Frankfurt, der ohne Publikum im Saal stattfindet. Vierzig Komponisten schrieben kurze Stück zwischen ein und vier Minuten Spieldauer, „Winter – Weihnachten – Zeremonie“ gaben die Musiker des Ensemble Modern als Themenfeld vor. Beim Festakt findet die Uraufführung der Kurzwerke statt unter der Leitung von Ingo Metzmacher, der im vergangenen Sommer auch die Einspielung der Stücke betreute. Als Doppel-CD erscheint nun auch die Aufnahme im eigenen Label, nicht ungewitzt das Schöne mit dem Nützlichen verbindend: Möge die neue Produktion auf vielen Gabentischen landen!

Die Stücke selbst werfen ein helles Licht auf das Ensemble und die Komponisten, mit denen die Musiker seit vielen Jahren zusammenarbeiten. Große Namen sind vertreten, für die das Ensemble Modern über Jahre hinweg ein wichtiges Instrument war. Heinz Holliger etwa, der in einem der schönsten Beiträge ein hochdifferenziertes Klanggewebe schuf, hell und licht, eine Ensemblemusik, die ebenso den solistischen Fähigkeiten jedes Einzelnen gerecht wird. Pascal Dusapin schrieb unter dem Titel „Gemeinsam“ eine Monodie im energischen Auf und Ab, die sich zum Ende hin in einen vielstimmigen Akkord auflöst wie ein Weg, der in einen weiten Raum mündet. Beiträge von Fred Frith und Michael Gordon bringen die Aufgeschlossenheit des Ensembles zum Jazz in Erinnerung und zur elektronischen Musik, die in den neunziger Jahren in eine Zusammenarbeit mit Frank Zappa mündete.

Was den Themenbereich „Weihnachten“ angeht, wagt George Benjamin viel, wenn er sich mit „Stille Nacht“ das Weihnachtslied schlechthin vornimmt. In seiner Fassung für Streichinstrumente behält er auch die übliche Harmonisierung bei, jedoch erscheint das Lied wie gereinigt durch den Windharfenklang der Streicher im Flageolett; weite Atempausen durchziehen die Wiedergabe. Mit einfachen Mitteln legt Benjamin den emotionalen Kern des Liedes frei.

Humoristisch dagegen nähert sich Péter Eötvös dem Thema: Ein Weihnachtslied aus seiner ungarischen Heimat bringt er mit, dessen Melodie wandert durch die Instrumente, begleitet von zugespielten Tierlauten. Und ganz nebenbei entfaltet sich bei all dem ein Bilderbogen über die Möglichkeiten und Stile gegenwärtigen Komponierens.

Vierzig Jahre Ensemble Modern am 9.Dezember, ab 19 Uhr auf ensemble-modern.com

Quelle: F.A.Z.
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