FAZ plus Artikel„NSU 2.0“ am Schauspiel

Linien von Mölln nach Hanau

Von Eva-Maria Magel, Frankfurt
29.03.2021
, 08:19
Der Regisseur und Autor Nuran David Calis befasst sich seit Jahren mit dem Terror des NSU – und will im Theater die Strukturen dahinter zeigen. Sein Projekt „NSU 2.0“ entwickelt er am Schauspiel Frankfurt.

Wenn du einen, zwei, drei dieser Sätze auch schon gehört hast oder gedacht, gar gesagt, dann erwischt es dich vielleicht. Da geht es darum, wer sich wie verhalten soll, wo wessen Platz ist, um Verteilung. Eine zweite Stimme versucht zu relativieren, es klingt wie ein innerer Widerstreit. Aber auch so, als wolle da jemand etwas entschuldigen. Vor sich. Eine andere Stimme zitiert einen Satz über junge Mädchen, so voller Sexismus und Gewalt, dass einem schlecht wird. Er stammt von einem Mitglied der AfD. Andere Sätze sind aus dem Protokoll des Rechtsextremisten Stephan Ernst. Andere aus dem Münchner NSU-Prozess. Wieder andere Sätze sind hörbar darauf aus, jene „mitzunehmen“, die Ängste haben, in einer sich verändernden Welt, um ihren Platz in der Gesellschaft.

„Ich hoffe, wer das jetzt von den Tätern hört, denkt noch einmal mehr darüber nach“, sagt Nuran David Calis. Zum Beispiel darüber, wo sie oder er das Kreuzchen mache bei der nächsten Wahl. Dem ängstlichen Mob nach dem Munde zu reden sei falsch, sagt Calis, erst recht, wenn er auf die Politiker blickt. „Das ist auch mein Land.“ Ein Land, für das ein Politiker wie Willy Brandt einen berühmten Kniefall gemacht hat. Genau diese Geste habe seine Eltern veranlasst, nach Deutschland zu kommen, sagt Calis.

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Autorenporträt / Magel, Eva-Maria
Eva-Maria Magel
Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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