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„Star Wars“ im Kabuki-Theater

Sternenkriegstheater auf Japanisch

Von Axel Weidemann
Aktualisiert am 30.11.2019
 - 14:41
Ungeschlagen: Ichikawa Ebizo XI als Kairennosukezur Bildergalerie
Die Maske ist mit ihm: In Tokio wird der Start des neuen „Star Wars“-Kinofilms mit einem eigens arrangierten Stück beworben und gefeiert. Durch Reduktion und Transformation findet die Saga wieder zu sich selbst.

„Star Wars“ ist in Japan eine große Sache. Auch für den berühmtesten Kabuki-Schauspieler des Landes, Ichikawa Ebizo XI. Sein erster Kino-Besuch mit seinem Vater, Ichikawa Danjuro XII, ebenfalls ein gefeierter Held dieser Theaterform, führte ihn in einen Film der „Star Wars“-

Reihe. Kabuki, das ist Theater in einer seiner lautesten, prachtvollsten, aber auch strengsten und anstrengendsten Formen. Die chinesischen Zeichen, aus denen sich der Begriff zusammensetzt, stehen für Singen, Tanzen und Können. Mit ausladenden Maskeraden, überzeichneter Gestik, Schwertkampf, Flöten, Trommeln und Trick-Effekten ist Kabuki nicht weit von George Lucas’ Weltraum-Oper entfernt. Und da auch Lucas ein großes Faible für japanische (Film-)

Kunst besitzt, beschloss man beim Disney Studio Japan, den neuen und letzten Film der neun Episoden umfassenden Reihe, „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“, mit dem eigens angefertigten Kabuki-Stück „Kairennosuke und die drei leuchtenden Schwerter“ zu bewerben.

Wer wie die fünfzig via Twitter ausgelosten Zuschauer die Vorstellung im zuvor geheim gehaltenen Aufführungsort (der Tokioter Meguro Persimmon Hall) oder live auf Youtube (noch bis zum 5.Dezember abrufbar) verfolgte, musste trotz der Kürze des Stücks – mit fünfzig Minuten sowohl von der üblichen Länge eines „Star Wars“-Films als auch eines Kabuki-Stückes weit entfernt – anerkennen, dass es sich bei der Aufführung um mehr als nur interkulturelle PR-Petersilie handelte. Hier fand die Erzählung des galaktischen Vater-Sohn-Zwists nicht nur zu sich selbst, sondern auch zu einer komplett neuen, weil kunstvoll verdichteten Form. Mehr noch beschlich einen das Gefühl, der Erzählung in ihrer eigentlichen Urform beizuwohnen.

Bevor aber der bekannte „Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis“-Schriftzug über die Projektionsfläche huschte, stellte der Schauspieler – so ist es Brauch – sich, seine Rolle und das Thema des Stücks vor: „Liebe und Verlust innerhalb der Familie“. Ebizo, der in diesem Stück an der Seite seines Sohnes und künftigen Nachfolgers Kangen Horikoshi auftrat, zeigte sich gerührt, dass der Abschluss der „Star-Wars“-Filme, deren Geschichte in seinem Geburtsjahr 1977 begann, auch mit dem Abschluss eines Kapitels in der Kabuki-Geschichte zusammenfällt: Im Mai 2020 wird er in die Fußstapfen seines Vaters treten und den eigenen Bühnen-Namen aufgeben, um fortan dessen Namen zu tragen. Mehr „Star Wars“ geht nicht!

Aufwendig gezeichnete Videoeinspielungen, in denen Sturmtruppen in schwarzweißen Rüstungen japanischer Krieger durchs Bild marschieren, und ein von der Langhalslaute (Shamisen) begleitetes Rezitativ führen durch fünf exemplarische Szenen von Flucht und Totschlag. Am Anfang steht der Vatermord von Kairennosuke an Hanzo (Han Solo). Es folgt der Verrat am Mentor (Snoke) und der Kampf gegen Rukuu (Luke Skywalker). Kabuki, das ist auch schauspielersehnenzerspannendes Überspiel – für Ebizo in zweifacher Hinsicht, da er nicht nur den Bösewicht Kairennosuke (Kylo Ren) sondern auch Rukuu in einer Doppelrolle spielt, deren Kostümwechsel sich mitunter während der atemraubenden Licht-Katana-Kämpfe auf der Bühne vollziehen. Einhalt gebieten kann dem Wüterich am Ende nur sein unschuldig-kindliches Ich (Ebizos Sohn, Kangen). Die Macht, die mit ihm ist, heißt hier „das Leuchten der Hoffnung“ (Kibo no Hikari). Es scheint, als sei „Star Wars“ endlich nach Hause gekommen. Der beworbene Film dürfte es schwer haben. Was für ein Theater.

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Live-Mitschnitt
Die Star Wars-Saga als Kabuki-Theater

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Weidemann, Axel
Axel Weidemann
Redakteur im Feuilleton.
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