FAZ plus ArtikelTheaterreise durch Thüringen

Wie müsst ihr anders werden!

Von Simon Strauß
Aktualisiert am 26.10.2019
 - 13:29
Zusammengestrichen, heruntergespart: Das schöne Theater in Eisenach wartet auf seine Besucherzur Bildergalerie
Morgen wählt Thüringen. Ein Land voller sozialer Wunden und politischer Widersprüche. Aber auch eines, in dem die Kultur am Leben ist. Eine Reise durch die Region mit der höchsten Theaterdichte Deutschlands.

Goethes Weimar und Himmlers Buchenwald – das Unvereinbare gehört zusammen. Stellt sich über die Epochen hinweg gegenseitig in Frage. Kämpft um seinen Platz im kulturellen Gedächtnis eines Landes, durch das gerade laut und unversöhnlich parteiische Parolen dröhnen. Die Wahl, die am Sonntag stattfindet, ist einmal mehr gezeichnet von der Furcht vor den blauen Balken. Wer in den letzten Tagen durch Thüringen fuhr, fuhr vorbei an Wahlplakaten mit dem Aufruf „Vollende die Wende“ und der vorwurfsvollen Feststellung: „Sie hatten dreißig Jahre Zeit“. Wer ist „sie“? Und für was genau wäre „Zeit“ gewesen?

Bei der Reise durchs Land, von Theater zu Theater, stellen sich diese Fragen. Der viel beschworene Riss, der durch Deutschlands Bewusstsein geht – hier, in den Intendantenzimmern, Hinterbühnen und Zuschauersälen nimmt er Form an. Einen klaren Ausdruck findet er beispielsweise in der eigenen „Thüringer Erklärung“, die die Bühnenhäuser des Landes verfasst haben, um die gegenwärtige politische Lage einzuschätzen und von der offiziellen „Berliner Erklärung“ des Bühnenvereins abzusetzen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt /  Strauss, Simon
Simon Strauß
Redakteur im Feuilleton.
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