FAZ plus ArtikelDer Fetisch von Weihnachten

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EIN KOMMENTAR Von Melanie Mühl
Aktualisiert am 24.11.2020
 - 14:30
Die Einsamkeit vieler Menschen spitzt sich seit jeher an Weihnachten zu.
Corona lässt uns Weihnachten zum Fest der Harmonie verklären. Als lebten hierzulande nur glückliche Familien, die es gar nicht erwarten können, gemeinsam unter dem Baum zu sitzen. Was für ein Irrtum.

Zum guten konsumkritischen Ton gehörte es bislang, sich darüber zu echauffieren, dass Weihnachten jedes Jahr früher stattzufinden schien. Jedenfalls suggerierte das ein Blick in die bereits Anfang November mit Weihnachtsdekoration, Lebkuchen und Plätzchen gefluteten Kaufhäuser und Supermärkte. Mit dem Fest wollte man sich bitte nicht schon Wochen vorher beschäftigen. Weihnachten, diese mit maximalen Erwartungen aufgeladene Veranstaltung, käme ohnehin. In diesem Jahr ist alles anders und über das Land legt sich eine erstaunliche Weihnachtsverklärung.

Eine Boulevardzeitung schrieb unlängst: „Weihnachts-Drama: Dürfen Millionen Deutsche zum Fest nicht verreisen?“ Und setzte gleich nach: „Lockdown statt Lametta? Deutschland droht das traurigste Weihnachten seit Jahrzehnten!“ Diese Tragödie haben die Ministerpräsidenten der Länder nun kurz vor dem ersten Advent abgewendet und eine Sonderregel für Weihnachten gefunden: Maximal zehn Personen aus verschiedenen Haushalten dürfen gemeinsam feiern.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Melanie Mühl / Juli 2018
Melanie Mühl
Redakteurin im Feuilleton.
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