Zum Tod von Edmond Fischer

Das Mark des Stoffwechsels

Von Manfred Lindinger
07.09.2021
, 00:56
Edmond Fischer (links im Bild) im Austausch mit Nachwuchswissenschaftlern auf der 64. Lindauer Nobelpreisträgertagung 2014.
Die Entdeckung der Phosphorylierung war sein großer wissenschaftlicher Wurf, für den er 1992 den Medizin-Nobelpreis erhielt. Ende August ist Edmond H. Fischer, der älteste bis dato noch lebende Laureat, im Alter von 101 Jahren gestorben.
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Er liebte die schönen Künste genauso sehr wie die Naturwissenschaften. Doch seine Neugier für Naturvorgänge – früh befeuert durch ein geschenktes Mikroskop – war einfach zu stark, sodass Edmond H. Fischer sich bereits als Jugendlicher mehr für Chemie und Biologie inter­essierte als für Musik. Dass er mit seiner Entscheidung richtig lag, sollte sich im Jahr 1992 erweisen,als er mit seinem langjährigen Kollegen, dem Biochemiker Edwin G. Krebs, mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

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Fischer und Krebs hatten an der University of Washington in Seattle in den Fünfzigerjahren einen zentralen biochemischen Mechanismus entdeckt, der bei der Regulierung des Stoffwechsels eine zentrale Rolle spielt: die Phosphorylierung. Dabei werden durch Anheften oder Abspalten phosphorhaltiger Gruppen bestimmte Enzyme in den Körperzellen aktiviert oder deaktiviert. Die Erkenntnisse der beiden Forscher haben unter anderem zu einem besseren Verständnis vieler Körperfunktionen geführt, etwa der Herzfunktion, der Zusammenhänge zwischen Stress und Allergien, der Regulation von Genen und unseres Langzeitgedächtnisses.

Fischer, 1920 in Schanghai geboren, wuchs in Genf auf, wo er Chemie studierte und promoviert wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging er als Research Fellow der Rockefeller-Stiftung in die Vereinigten Staaten an die University of Washington in Seattle. 1953 wurde er dort wissenschaftlicher Assistent und 1961 Professor für Biochemie. An der Universität hatte er noch lange nach seiner Emeritierung ein eigenes Büro und hielt Vorlesungen. Die Lehre, das Reisen und die Musik waren bis zuletzt seine großen Leidenschaften.

Vorträge hielt er am liebsten vor Schülern und vor jungen Wissenschaftlern. So war Eddy, wie ihn seine Freunde nannten, auch in Lindau auf der alljährlichen Nobelpreisträgertagung ein gern gesehener Gast. Noch in diesem Jahr begleitete er – wegen Corona notgedrungen von zu Hause aus – das virtuelle „Lindau-Symphonie-Orchester“ am Klavier. Ende August ist der älteste noch lebende Nobelpreisträger im Alter von 101 Jahren in Seattle gestorben.

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Quelle: mli
Manfred Lindinger - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Manfred Lindinger
Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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