FAZ plus ArtikelTransgender-Bewegung

Die Überwindung des Fleisches

Von Thomas Thiel
29.01.2021
, 07:30
Der Begriff der Genderidentität - des empfundenen Geschlechts - soll nach dem Willen von Transaktivisten gesetzlich verankert werden
Die Transgender-Bewegung will das körperliche Geschlecht juristisch abschaffen. Über Risiken und Nebenwirkungen wird geschwiegen.

Ist Gender feministisch? Das wird in der Frauenbewegung kontrovers diskutiert. Wer den Begriff Frau zum „bloßen“ sozialen Konstrukt erklärt, kann nicht mehr für Frauenrechte kämpfen, sagen die Gegner. Gender-Vertreter sehen die Frau dagegen nur als Übergangserscheinung auf dem Weg zur fluiden Geschlechtlichkeit. Gender müsse nicht feministisch sein, hat Judith Butler, die Patronin der Genderbewegung, schon gesagt. Butler geht es um die Verwirrung von Geschlechterrollen. Das körperliche Geschlecht (sex) soll dabei im Unterschied zum sozialen Geschlecht (gender) keine Rolle spielen.

Weltweit unternehmen Transgender-Aktivisten derzeit Anstrengungen, die Trennung von Geschlecht und Körper in nationalen Gesetzen zu verankern. In Norwegen oder Argentinien ist ihnen das schon gelungen, in den Vereinigten Staaten fehlt der entsprechenden Novelle, dem Equality Act, noch der Segen des Senats. In seinem Strategiepapier „Adults only?“ benennt der internationale Transgender-Verband Iglyo das Ziel der Bemühungen: Der Geschlechtswechsel soll zum einfachen Sprechakt werden. Wo er mit operativen und hormonellen Eingriffen verbunden ist, sollen medizinische und rechtliche Hürden abgebaut werden, besonders bei Kindern und Jugendlichen. Minderjährige sollen so früh und spontan wie möglich – ohne medizinisches Gutachten, Eingewöhnungsphase und Zustimmung der Eltern – das Geschlecht wechseln können. Das Zauberwort lautet Selbstbestimmung. Jedem sein Wunschgeschlecht.

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Anmerkung: In der ursprünglichen Version waren die Ausführungen zur Hormonbehandlung und zum Offenbarungsverbot auf beide Gesetzesentwürfe bezogen. Sie betreffen in dieser Form indes nur den Entwurf der Grünen.

Quelle: F.A.Z.
Thomas Thiel  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Thomas Thiel
Redakteur im Feuilleton.
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