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BuGa in Heilbronn

Wie viel Lavendel soll man denn noch pflanzen?

Von Andrea Diener
 - 15:54
Für Menschen, die ihren Garten gerne besenrein haben: Musterbeet in Heilbronn. zur Bildergalerie

Gärtnern ist ein Wetten auf die Zukunft. Kein Garten ist perfekt, so wie er angelegt wurde; ein Garten muss zuwachsen, um seinen Höhepunkt an Schönheit zu erlangen. Das gilt in besonderem Maße für Großprojekte wie Landschaftsgärten. Aber auch jeder Kleingärtner kennt das Phänomen: Wer gärtnert, der denkt nach vorn. Insofern könnte man sich gerade von einer Veranstaltung wie der Bundesgartenschau ein gehöriges Maß an utopischer Bereitschaft erwarten. Hier kann experimentiert werden, hier ist Platz für die großen Fragen rund um das Grün, die Menschen und die Städte.

Seit 1951 finden die Bundesgartenschauen alle zwei Jahre statt. Die erste eröffnete in Hannover, 1955 gastierte sie in Kassel, mit der ersten Documenta als Beiprogramm. Die Grundidee dieser Gartenschauen ist, dass ein zuvor ungenutztes Brachgelände mit ordentlichem Etat umgestaltet werden soll, und zwar idealerweise in eine Grünfläche, die den Bürgern der Stadt auch nach der Veranstaltung zugutekommen soll. In diesem Jahr findet die Schau auf dem Industriegelände des Neckarhafens in Heilbronn statt. Man hat also aus den Fehlern vergangener Gartenschauen gelernt, in denen mitunter Feuchtbiotope und letzte Wildwuchsecken plattgemacht wurden, um Gebiete zu einer profitablen Gartenmesse umzugestalten.

Rollrasenbelegte Dünen aus dem Rechner

In Heilbronn wurde mit der Buga auch gleich ein ganzer Stadtteil entwickelt, das Stadtquartier Neckarbogen. Man könnte auch sagen: Es wurden die üblichen, gerade leider sehr modernen Klotzbauten in Reihe hingestellt, auf die die Besucher schauten und sich fragten, was da wohl eine Wohnung kostet und wer sich das eigentlich leisten kann. Davor wellten sich rollrasenbelegte Dünen, die am Rechner 3D-generiert und von computergesteuerten Baggern aufgehäufelt wurden. Dazwischen wuchsen aufwendig bepflanzte Staudenbeete, es gab einen Rosengarten, ein Kabinett alter Obstsorten und diverse Kräuterboxen. In einer Halle zeigten Floristen Floristenkunst, und Gärtnereien beglückten mit Stauden in neuen Farben und Formen.

Spricht man allerdings im Moment mit städtischen Kleingärtnern, trifft man auf äußerst spezifische Herausforderungen, für die auf der Schau weit und breit keine Lösung angeboten wurde. Es scheint nicht einmal ein besonderes Problembewusstsein für die alltäglichen Gartenfragen zu geben. Wer heute einen Kleingarten hat, der kämpft vor allem mit Hitze und Dürre. Oder, ganz konkret gefragt: Wie gestaltet man Freiflächen, ohne sie zu versiegeln, wenn der Rasen jeden Sommer komplett versteppt? Was macht man mit einer alten japanischen Zierkirsche, die mit dem Klima nicht mehr zu Rande kommt? Soll man stattdessen die Kübelpalme ins Beet auspflanzen? Und wie viel Lavendel – die ideale Pflanze für den trockenen Sommer, aber auch für die hungrige Hummel – soll man um Himmels willen noch pflanzen, weil alles andere halt leider eingeht oder dauernd gegossen werden muss?

Wassernebel aus Eisenrohren

Da steht man dann mit seinen ratlosen Eltern in einem Frankfurter Garten, der seit achtzig Jahren vor sich hin wächst, und plötzlich spielt die Zukunft nicht mehr mit, weil der Garten für ein mitteleuropäisches Klima geplant wurde, hier aber leider gerade mediterrane Verhältnisse herrschen.

Die Bundesgartenschau wäre ein idealer Ort, um solche Fragen zu verhandeln. Wo, wenn nicht hier? Stattdessen experimentiert man bei der Begrünung eines öden Fußgängertunnels ausgerechnet mit Rhododendren und anderen Wasserschluckern, die im Betonschacht nur dadurch am Leben gehalten werden können, dass eine immerhin vage künstlerisch gestaltete Konstruktion aus Eisenrohren sie dauerhaft benebelt und begießt. Das ist nicht sonderlich ressourcenschonend und kein nachhaltiger Ansatz.

Die Schönheit der Insekten

Immerhin gibt es eine Ecke im Bereich „Die neuen Ufer“, in der der Garten der Umweltverbände versucht, den Kleingarten neu zu denken. Nämlich weniger als geplantes Produkt unter strengen ästhetischen Vorgaben. Stattdessen werden die Gärtner ermuntert, den Garten als Naturraum zu sehen, in dem die Dinge eher prozesshaft ablaufen, in dem Arten verschwinden und andere unverhofft auftauchen können. Es wird erklärt, warum die berühmten „Gärten des Grauens“ aus Gabionen und Schotter nicht einmal besonders pflegeleicht sind und dass Insekten nicht sofort weggespritzt werden müssen, sondern ihre ganz eigene Schönheit entfalten können.

Ebenso kann man lernen, heimische Wildblumenarten wertzuschätzen, anstatt grellbunte Exoten zu pflanzen, die zwar spektakulär aussehen, mit denen aber kein Insekt irgendetwas anfangen kann. Das ist recht pädagogisch, gibt aber durchaus Denkanstöße, und man möchte danach am liebsten sofort loslegen und eine Trockenmauer mauern. Das scheint jedenfalls deutlich zukunftsträchtiger als die netten, bunten Gehölz- und Pflaster-Arrangements in den Musterbeeten, die um den Preis der Landschaftsgestalter wetteifern.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Diener, Andrea
Andrea Diener
Redakteurin im Feuilleton.
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