FAZ plus ArtikelDas Kalkül der SPD

Asymmetrische Demobilisierung von links

Von Jürgen Kaube
Aktualisiert am 11.02.2020
 - 08:59
Empört euch: Kevin Kühnert mit rund einem Dutzend Jusos am Mittwoch vor der CDU-Zentrale in Berlin
CDU wie auch FDP können gar nicht reaktionär genug erscheinen, um SPD, Linke und Grüne als einzige Vertreter der richtigen Demokratie dastehen zu lassen: Was Erfurt über die Planspiele im Bund verrät.

Jahrelang ist der Kanzlerin vorgeworfen worden, sie praktiziere, was Politikwissenschaftler „asymmetrische Demobilisierung“ nennen. Immer wieder habe sie Positionen der Sozialdemokraten und der Grünen übernommen, weswegen deren Anhänger gar keinen Grund hätten, sich in Wahlen gegen die Union zu entscheiden. Der Vorwurf kam von den inner- wie außerparteilichen Leidtragenden dieser Strategie. Noch die Umfrage- und Wahlergebnisse der letzten Zeit, in denen sich die SPD inzwischen bundesweit um vierzehn Prozent bewegt, die Grünen aber bei zweiundzwanzig Prozent liegen, also in Sichtweite der Union, passen zu ihr. Denn beispielsweise in der Umwelt-, der Verkehrs- oder der Agrarpolitik gelingt es der großen Koalition unter Führung von Angela Merkel (CDU) schon lange nicht mehr zu demobilisieren.

Lange konnte die Union das achselzuckend hinnehmen. Zwar wurde durchaus bemerkt, dass auch CDU und CSU in der Ära Merkel von Wahl zu Wahl an Stimmen verloren. Aber erstens reichte es noch stets, um stärkste Partei zu bleiben. Und zweitens entsprach dem Schrumpfen der SPD, die jetzt ihren Koalitionspartner zur Führungsstärke aufruft, nachdem sie selbst zur zusätzlichen Demotivation ihrer Wähler durch hohen Verbrauch an Spitzenpersonal beigetragen hat, das Wachsen der Grünen. Schwarz-grün, stabil in Hessen und Baden-Württemberg, schien so auch für den Bund die wahrscheinlichste nächste Koalition.

Testen Sie unsere Angebote.
Jetzt weiterlesen

Testen Sie unsere Angebote.
F.A.Z. PLUS:

  FAZ.NET komplett

: 65% günstiger

Diesen und viele weitere Artikel lesen Sie exklusiv mit F+

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Kaube, Jürgen (kau)
Jürgen Kaube
Herausgeber.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot