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FAZ plus ArtikelGeschichte von #MeToo

Die Darstellung der Leidenschaften

Von Gerhard Poppenberg
 - 19:39

Nach einem Wort Hitchcocks sind Schauspieler „Vieh“. Es ist bekannt, dass er bei Dreharbeiten vor allem mit Frauen nicht gerade zimperlich umging. Vermutlich wusste er, dass er mit seiner Bezeichnung eine alte Kategorie für diesen Berufsstand noch um einen Grad perfider machte. In der römischen Antike standen Schauspieler außerhalb der bürgerlichen Ehrenrechte. Die Schauspielerin wurde als infamis femina der Prostituierten gleichgestellt. Beide stellen sich öffentlich aus, haben aber keine fama, kein ehrenhaftes öffentliches Bild. Die Gleichsetzung ist topisch für die nächsten zweitausend Jahre. Sie steckt das Feld ab, in dem die selbsternannten wilden Kerle sich ihre Freiheiten herausnehmen. In unserer Zeit hat die Popsängerin Madonna sie luzide und programmatisch eingesetzt und zum Profil ihres öffentlichen Bilds gemacht.

Nicht alle Kulturen haben Theater. Warum führt eine Gesellschaft eine solche Darbietung ein, und warum haben andere das nicht getan? Welche Auswirkungen hat das Theater im öffentlichen Raum? Die Frage ist schon früh gestellt worden, und eine lange Tradition behauptet, das Theater sei für die Gesellschaft schädlich. In der Kirchenväterzeit wurden heftige Argumente gegen das Theater entwickelt. Die Debatte wird in der frühen Neuzeit wieder aufgegriffen. Der Streit geht um die Moralität des Theaters, mit dem offenbar etwas ins Spiel kommt, das den öffentlichen Raum und dessen sittliche Ordnung betrifft. Und für die Gegner gilt: Es gehört nicht in ein ordentliches Gemeinwesen. Da das Theater heute als Kino, Fernsehen oder Computerspiel das Leben der Menschen begleitet, kann man sich die Argumente der Debatte noch einmal anzusehen.

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Gerhard Poppenberg ist Romanistik-Professor in Heidelberg.

Quelle: F.A.Z.
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