FAZ plus ArtikelTrump-Show geht weiter

Die Geister der Gefeuerten

Von Claudius Seidl
14.11.2020
, 12:54
Donald Trumps Talent ist der Handel mit Illusionen. In diesen Tagen versucht er die Illusion, er habe gewonnen, zu verkaufen. Es ist alles eine Fiktion – aber auf welches Finale läuft seine Show hinaus?

Das größte Unglück fürs Leben, die Ehe und die Geschäfte des Politiker- und Milliardärsdarstellers Donald Trump, so beschreibt es jedenfalls Michael Wolff in seinem Buch „Feuer und Zorn“, war der Umstand, dass er im Jahr 2016 die Wahl zum Präsidenten gewann. Sein Kalkül war es gewesen, die Wahl so knapp wie möglich zu verlieren, die Imagegewinne aus dem Wahlkampf in die Marke Trump zu investieren, weiterhin im Trump Tower zu wohnen mit seiner Frau Melania, der es dort besser gefiel als im Weißen Haus. Und die Politiker weiterhin aus der Position des Außenseiters zu beschimpfen, wie er das seit Jahren praktizierte zur großen Freude seiner Fans.

Ob die Niederlage des Jahres 2020 für Trump ein noch größeres Unglück bedeutet, das ist die Frage, die im Moment womöglich nicht einmal er selbst beantworten kann. Er verkehrt mit der Welt nur noch über das Medium Twitter; der „öffentlichste Amerikaner, der je gelebt hat“, wie ihn der Politikwissenschaftler Jan-Werner Müller neulich im „Guardian“ genannt hat, ist in diesen Tagen unsichtbar. Der Mann, der bis zum Wahltag jeden Tag im Fernsehen zu sehen war, verbirgt sich vor seinem Publikum. Womit er nur zeigt, wie viel Talent er als Performer und Entertainer hat. Die Leute haben ja sein Bild vor Augen. Jetzt sollen sie anfangen, sich nach ihm zu sehnen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Seidl, Claudius
Claudius Seidl
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