FAZ plus ArtikelStreit um Familiennamen

Die Ová-Debatte ist eröffnet

Von Jaroslav Rudiš
08.06.2021
, 12:52
Auf der Prager Karlsbrücke wappnen sich Passanten gegen Corona. Mancher sieht derweil eine neue Bedrohung aufkommen: Ist die Landessprache in Gefahr?
In slawischen Sprachen erhalten Nachnamen von Frauen oft eine weibliche Endung. In der tschechischen Republik soll das geändert werden. Manchem geht das zu weit. Ein Gastbeitrag.

Nach einer Gesetzesnovelle, der gerade das tschechische Parlament mit großer Mehrheit zugestimmt hat, kann bald jede Tschechin selbst entscheiden, ob in ihrem Personalausweis die weibliche Form des Nachnamens steht oder die männlich – Jana Nosková oder Jana Nosek.

Eine kleine Revolution, der noch der Senat zustimmen muss. Viele freuen sich darüber, sie sprechen von Gleichberechtigung und von einem historischen Moment. Die „Ová-Debatte“, die man durchaus mit dem Streit um das deutsche Gendersternchen vergleichen kann, ist allerdings nicht neu. Schon lange setzte sich zum Beispiel die Sprachwissenschaftlerin und Germanistin Jana Valdrová für die jetzt beschlossene Änderung ein. 2019 nannte sie in einem Interview die Ová-Namensform eine symbolische Erniedrigung der Frauen. Andere sehen in der Gesetzesnovelle einen Angriff auf die Sprache und sprechen von ihrer „Verstümmelung“. Der bekannte Sprachwissenschaftler Karel Oliva, der generell vor einer Amerikanisierung und Vereinfachung des Tschechischen warnt, hält die Verabschiedung der Novelle für „einen großen Fehler“. Er hege die Hoffnung, sagte er im Interview mit dem Nachrichtenportal „novinky.cz“, dass „die tschechischen Frauen vernünftig bleiben und diese Entscheidung nicht zur allmählichen Zerstörung der tschechischen Sprache missbrauchen werden.“

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