FAZ plus ArtikelKeine Auslieferung Assanges

Dieses Recht ist unveräußerlich

Von Paul Ingendaay
04.01.2021
, 18:37
Auf die Rechtsgarantien eines Staates muss Verlass sein können: Warum man Julian Assange nicht mögen muss, um ihn vor der Auslieferung an die amerikanische Justiz zu schützen.

Der Mensch ist ein unangenehmes Wesen, denn er kennt nicht nur Langeweile und Überdruss, er handelt auch danach – tut Dinge, die er lassen sollte, weil ihm einfach die Lust vergangen ist, das Bessere zu tun. Sagen wir es also deutlich: Julian Assange ist der Gesellschaft zu viel geworden. Der Mann, die Sache, das große Ganze, für das er stehen könnte. Vielleicht ist er den meisten von uns auch aus dem Blick geraten. Wenig jedenfalls hat im Jahr 2020 so zielsicher Überdruss ausgelöst wie die Frage, ob sich jemand einen Reim auf den Fall Julian Assange machen kann. Dass im vergangenen Sommer in Londons Old Bailey über seine mögliche Auslieferung an die Vereinigten Staaten verhandelt wurde, war neben den Corona-News des Tages gerade noch durchgedrungen, ebenso, dass dem Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks seitens der amerikanischen Regierung eine siebzehnfache Anklage wegen Spionage droht und damit eine maximale Gefängnisstrafe von 175 Jahren.

Doch die ersten Artikel über den Gerichtsprozess erzählten nicht nur von Zeugenaussagen für oder gegen Assange, sondern auch von den absurden Beschränken der Berichterstattung, als spielte die Zahl der berichtenden Medien in Zeiten des Streamingsignals irgendeine Rolle. Vielleicht lag in der Schikane ja ein tieferer Sinn: Mal sehen, wer sich anstrengen wollte, um noch etwas Neues über Assange zu erfahren. Lassen wir beiseite, dass niemand sich die Zahl von Hunderttausenden vertraulichen amerikanischen Dokumenten, die der Mann 2010 und 2011 geleakt haben soll, überhaupt vorstellen kann.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Ingendaay Paul
Paul Ingendaay
Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.
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