FAZ plus ArtikelNiederlage in Afghanistan

Das Opium des Volks

Von Claudius Seidl
04.09.2021
, 17:20
Der Anbau von Schlafmohn gehört so wenig zu den uralten Traditionen des Landes wie das Rauchen von Opium, ist aber ein gutes Geschäft.
Amerikas Krieg gegen die Taliban ging verloren, weil Amerikas Krieg gegen die Drogen vergeblich war. Nun aber sitzen die Taliban in der Zwickmühle.
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Der Westen hat in Afghanistan zwei Kriege geführt, einen gegen die Taliban und einen gegen sich selbst. Deshalb konnte er nicht gewinnen.

Wer an der ersten Front der Gegner war, das war schon schwer genug zu ermitteln bei Freischärlern, die, wenn sie gerade keine Waffen tragen und ein unschuldiges Gesicht aufsetzen, von Bauern kaum zu unterscheiden sind. Dass an der zweiten Front der Westen letztlich gegen sich selber kämpfte, gegen seine eigenen Dämonen und Defizite, gegen sein Leiden an Verhältnissen, die er selbst geschaffen hat, und seine Sucht, diese Schmerzen mit chemischen Substanzen zu überwinden: das will er sich selbst nicht eingestehen, und in den Analysen seiner Niederlage wird es nicht erwähnt. Der Westen hat, angeführt von den Amerikanern, in Afghanistan seinen Krieg gegen die Drogen mit besonderer Härte geführt, gegen den Schlafmohn vor allem – der dort aber nur aus einem Grund angebaut, geerntet und zu Opium und Heroin weiterverarbeitet wird: weil es in Nordamerika und Europa so viele Menschen gibt, die süchtig sind nach diesem Stoff, sodass es ungefähr 10.000 Tonnen Rohopium im Jahr braucht, um diese Nachfrage zu befriedigen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Seidl, Claudius
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