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Vergesst uns nicht!

Von Aqelah Nazari-Hossain Dad
22.08.2021
, 09:17
Freiheit lernen: Eine junge Afghanin kurz nach dem Ende der Taliban-Herrschaft 2001
Für uns bedeuten die Taliban Auspeitschungen, Waffen, Selbstmordattentate: Der Bericht einer Frau, die schon einmal die Herrschaft der Taliban erlebt hat.
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Für die afghanischen Frauen sind die Taliban das Gesicht des Terrors. Ihre Machtübernahme ist so blitzschnell und unerwartet er­folgt, dass wir es immer noch nicht richtig fassen können. Vor allem für Frauen wie mich, die schon einmal unter der Herrschaft der Taliban gelebt haben, die wissen, was von ihnen zu erwarten ist, sind die Nachrichten dieser Tage sehr schmerzhaft. Wir sind in einer Art Schockstarre. Niemand möchte akzeptieren, dass diese Terroristen uns nun regieren wollen. Die Menschen sind aufgewühlt, bestürzt, verstört. Taliban be­deuten für uns Frauen: Waffen, Auspeitschungen, Frauenfeindlichkeit, Selbstmordattentate. Diese Terroristen haben nicht einmal vor einer Säuglingsstation und einer Grundschule für Mädchen haltgemacht. Es wäre deshalb fatal, sich in der derzeitigen Situation etwas vorzumachen: Die Taliban, die man ge­rade in den Straßen Afghanistans sieht, sind noch immer dieselben, die für die Horrorbilder in unserem kollektiven Ge­dächtnis verantwortlich sind.

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Als die Taliban mit ihrer Offensive be­gannen, griff deshalb gleich eine große Angst unter den Frauen um sich. In den Städten sahen sie zu, nach Hause zu kommen. Wer schon einmal erlebt hat, wozu die Taliban in der Lage sind, kann den Frauen nur recht geben. Ohnehin geben die Nachrichten aus Kabul sicher nur einen kleinen Teil dessen wieder, was wirklich geschieht.

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Die Autorin

Aqelah Nazari-Hossain Dad gründete als Schülerin Mitte der Neunzigerjahre mit ihren Schwestern eine Untergrundschule für Mädchen aus der Nachbarschaft, die nach ein paar Jahren schon von mehr als 80 Kindern besucht wurde. 2003 rief sie in Herat den Verein Neswan ins Leben, der sich für die Ermächtigung von Mädchen und Frauen einsetzt und mit Terre des Femmes kooperiert. Wegen anhaltender Drohungen musste Aqelah Nazari-Hossain Dad Afghanistan verlassen. Sie verfolgt das Schicksal der afghanischen Frauen nun von Europa aus.

Quelle: F.A.S.
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