FAZ plus ArtikelAbkehr von Istanbul-Konvention

Erdogan hetzt gegen Homosexuelle und die Medien

Von Bülent Mumay, Istanbul
Aktualisiert am 08.08.2020
 - 11:35
Menschenmengen lassen 2015 bei der Gay Pride Parade in Istanbul Regenbogenfahnen wehen.
Recep Tayyip Erdogan gehen die Ideen, wie er die Gesellschaft spaltet, nicht aus. Seine neue Kampagne ist perfide, richtet sich gegen Homosexuelle und würgt die digitalen Medien ab.

Homosexualität wurde in der Gegend, in der wir leben, nicht schon immer geschmäht. Lassen Sie sich nicht davon irritieren, dass uns heute die Autokratie der Konservativen regiert. Selbst jene, die vor Gründung der modernen Republik 1923 hier herrschten, dachten nicht daran, der Homosexualität den Krieg zu erklären. Ganz im Gegenteil, das Osmanische Reich gehörte zu den ersten Staaten in Europa, die Homosexualität aus der Illegalität holten. Der entsprechende Erlass erging 1858, im Untergrund gab es homosexuelles Leben bereits lange vorher und niemand mischte sich ein. In vielen Bereichen des Sultanharems im Topkapi-Palast bis zu Istanbuler Hamams existierte ein buntes Leben, was kein großes Geheimnis war. Nach Gründung der Republik wurde nichts unternommen, um Homosexualität erneut zu verbieten.

Auch Erdogan hatte damit früher kein Problem. In einer Fernsehsendung sagte er 2002, kurz bevor seine Partei an die Macht kam: „Auch Homosexuelle müssen im Rahmen ihrer eigenen Rechte und Freiheiten gesetzliche Sicherheit bekommen.“ Als er an der Regierung war, kam es vor, dass Leute auf Kundgebungen die Regenbogenfahne hochhielten. Bülent Ersoy, die berühmte transsexuelle Sängerin, fehlte bis vor ein paar Jahren nie bei Erdogans Empfängen.

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Quelle: F.A.Z.
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