FAZ plus ArtikelViktor Jerofejews Flucht

Tagebuch einer neuen Kriegszeit

Von Viktor Jerofejew
02.05.2022
, 06:08
Roadtrip in eine ungewisse Zukunft: Victor Jerofejew mit seiner Familie
Meine Flucht aus dem Totenhaus: Wie man Russland über einen langen Umweg und mit schwerem Gepäck verlässt.
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Shiva, unser Graupapagei, die roten Schwanzfedern leicht zerrupft vor banger Sorge, rief uns ein krächzendes „Ciao-ciao!“ hinterher und hockte sich auf seine Stange, unsere baldige Rückkehr erwartend. Ein Papagei kann sehr alt werden. Shiva wird alle überleben, Putin eingeschlossen. Er wird das Russland der Zukunft sehen. Aber ob er uns wiedersehen wird?

Im Auto schliefen alle schnell ein: meine Frau Katja, die beiden Töchter Maja (16) und Marianna (4). Wir verließen Moskau später als geplant: Wir wollten unseren ganzen sentimentalen Kram mitnehmen, wir mussten umpacken. Die Frühlingssonne ging unter, als wir auf die mautpflichtige Autobahn kamen, die Moskau mit Petersburg verbindet. Unser Ziel war Deutschland. Aber wir machten einen großen Umweg über Finnland und dann per Fähre ins Baltikum. Die allrussische heilige Kirche, sprich: das rund um die Uhr landesweit sendende Fernsehen ist seit Beginn des Krieges für die intellektuelle Kaste der Unzufriedenen etwa so schlimm wie Rattengift oder „Nowitschok“. Die Leute sahen zu, wie sie sich vor dem Gift in Sicherheit bringen konnten. Geblieben sind jene dermaßen Hartgesottenen, die dieses Gift für Doping halten.

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