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Worte finden

Von JULIA BÄHR, AXEL WEIDEMANN, ELENA WITZECK, RAINER HERMANN, AYLIN GÜLER, ANNA PRIZKAU, MATTHIAS HANNEMANN, JÜRG ALTWEGG und FRAUKE STEFFENS, Illustrationen von LAURA SCHLAGOWSKI
Foto: DPA

11.05.2019 · Nicht nur Deutschland diskutiert über Gendersternchen und das generische Maskulinum. Was können wir von den Debatten in anderen Ländern lernen?

J ede Sprache birgt ihre besonderen Herausforderungen. Das gilt nicht nur, wenn man sie erlernt, sondern erst recht, wenn man sie zu beherrschen meint und auf das Leben anwenden will. Vor allem das Geschlecht wird immer wieder zum Prüfstein: Sind zwanzig Lehrerinnen und ein Lehrer wirklich am besten mit „die Lehrer“ bezeichnet? Wo wird die Sprache zu ungenau, wo wird Genauigkeit zu sperrig? Dabei hat das Deutsche im Gegensatz zu vielen anderen Sprachen Vorteile: Ein „in“ an Berufsbezeichnungen zu hängen ist unkompliziert und geläufig – der beide Geschlechter umfassende Plural mit Binnen-I hingegen hat sich noch nicht überall durchgesetzt, wofür immer wieder ästhetische Gründe angeführt werden. Auch hätte man theoretisch für nichtbinäre Menschen ein drittes Genus, aber „es“ ist so stark mit Dingen oder Kindern assoziiert, dass nicht alle sich damit wohl fühlen. Dass die Deutschen durch das Siezen schon bei der Ansprache in „Herr“ und „Frau“ unterteilen, statt den Vornamen zu verwenden, verkompliziert die Sache zusätzlich. Aber Sprachen lebten schon immer vom Austausch, also könnte Hilfe durchaus von außen kommen: Wenn man sich genau anschaut, wie andere Sprachen die gleichen Dilemmata lösen.
Julia Bähr

Japanisch

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Wenn es um die Bezeichnung von Wesen und Dingen geht, können Japaner sehr ökonomisch sein. Verkürzt: Im Japanischen wird geschaut, wie etwas aussieht, woraus es besteht und was es tut. Dann wird überlegt, welche Begriffe es für die Bestandteile oder Funktionen bereits gibt, und diese werden zusammengesteckt: Eine Schublade wird so zum „Ziehherausnehmer“ (Hikidashi) und eine Pfütze (Mizutamari) zur „Wasseransammlung“. Ähnlich funktioniert es bei Berufs- und Personenbezeichnungen, denn das Japanische kennt kein grammatisches Geschlecht. Das Geschlecht der jeweiligen Bezeichnung wird in vielen Fällen durch ein Voranstellen oder Anhängen der Schriftzeichen für Mann/männlich (otoko, dan-) oder Frau/weiblich (onna, jo-) angezeigt. Trotzdem birgt auch dieses Prinzip in seltenen Fällen eine gewisse Genderproblematik. Wer Haiyû – eigentlich Schauspielerinnen und Schauspieler im Allgemeinen – sagt, meint männliche Darsteller. Schauspielerinnen werden explizit als Joyû ausgewiesen. Wer von Danyuu spricht und damit „männlich“ und „Schauspieler“ zusammensetzt, muss sich nicht wundern, wenn sein Gegenüber glaubt, er spreche von männlichen Erotikdarstellern. Der sprachliche Extra-Ausweis bei weiblichen Berufsvertretern gilt beispielsweise auch für Ärzte/Arzt (Isha) und Ärztinnen (Joi). Dem entgegen wurden Berufe, die traditionell ohnehin überwiegend von Frauen übernommen wurden, lange als weiblich ausgewiesen: Krankenschwester (Kangofu), Hebamme (Josanfu) oder Erzieherin (Hobo).

Gemein ist allen Weiblichkeitsformen, dass sie in offiziellen Kontexten kaum vorkommen. Der japanische Germanist Saburo Okamura weist in seinem Aufsatz „Sprachliche Lösungsmöglichkeiten der Genderproblematik im Japanischen und Deutschen“ darauf hin, dass beispielsweise in der liberalen Qualitätszeitung „Asahi Shinbun“ das allgemeine Wort „Isha“ im Zeitraum von 1985 bis 2008 in 16856 Artikeln vorkommt, wohingegen Joi in 970 Artikeln vorkommt. Zum Gebrauch des Wortes Joi folgert er, er stamme aus einer Zeit, in der Ärztinnen „eine Seltenheit darstellten“. Die eindeutige Markierung des Begriffs „könnte negativ konnotiert sein“, weil früher männliche Ärzte „Standard“ waren. Okamura zitiert den Leserbrief einer Ärztin aus dem Jahr 1994: Sie sei in der Meiji-Zeit (1868 bis 1912) geboren, und die Gleichberechtigung von Männern und Frauen nach dem Zweiten Weltkrieg sei (soweit vorhanden) ein „freudiges Ereignis“ für sie gewesen: „Was mich vor allem beruhigte, war der Gedanke, dass ich (endlich) nicht als ,Joi' wie bisher, sondern als ,Ishi' (meint hier: Doktor) von der Gesellschaft anerkannt werde.“ Früher habe sie sich immer anhören müssen, für sie heiße es „Joi“. Das heißt, was vermeintlich ohne Genus daherkommt, ist im Japanischen mitunter ein verkapptes Maskulinum. Daran aber, dass das Wort Joi im einundzwanzigsten Jahrhundert immer noch eine negative Konnotation hat, glaubt Okamura nicht. Joi habe sich schlicht eingebürgert, während den Männern hier etwas fehlt: ein eigener Ausdruck nämlich.
Axel Weidemann

Spanisch

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Wenn es etwas gibt, worüber sich Spanier aller Altersgruppen, politischer Richtungen und Besitzlagen einig sind, ist es die Liebe zum Schimpfwort. Fluchen gehört zu den Gewohnheiten wie das Räuspern während der Pausen im Konzertsaal. Dabei scheint es immerhin auch konsequent, dass diese spanische Sprache so männlich dominiert ist: Vom cabrón, dem Scheißkerl, bis zum fantoche, der Vogelscheuche, gelten die meisten Beschimpfungen zunächst einmal den Männern. Wäre da nicht die abschätzige Bezeichnung für das weiblichen Geschlechtsorgan, die man auf den Straßen von Madrid häufiger hört als „Guten Tag“. Davon haben viele Frauen genug.

Wie in anderen romanischen Sprachen stehen im Spanischen ein weibliches (la) und ein männliches (el) Pronomen zur Auswahl, eine neutrale Form existiert nicht. La gente, die Leute, sind weiblich und Singular, mit todos, also allen, sind die Frauen unter maskuliner Endung mitgemeint, sobald ein Mann Teil der Gruppe ist. Über eine Reform der Schriftsprache wird in Spanien nicht so intensiv diskutiert wie in Deutschland. Die vereinenden Formen tod@s oder todxs für nichtbinäre Menschen sind auch noch nicht ganz ausgereift. Diskutiert wird allerdings über weibliche und männliche Berufsbezeichnungen, für die viele Spanierinnen eigene, weibliche Begriffe fordern. In Argentinien war Cristina Kirchner für ihre Anhänger la presidenta, obwohl presidente eigentlich keine weibliche Form hat. Inzwischen haben auch in Spanien immer mehr Firmen eine jefa, also eine Chefin. Daran, sagt eine von ihnen, könnten sich die Manager schneller gewöhnen als an den überraschenden Empfang durch einen weiblichen jefe.
Elena Witzeck

Arabisch

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Das Arabische ist eine binäre Sprache, was sich bei den Personalpronomen ebenso wie bei den Nomen widerspiegelt. Bei beiden existieren zwar maskuline und feminine Formen, aber keine geschlechtsneutralen. Die Ausnahme bildet, wie im Deutschen, die erste Person im Singular (ana) und im Plural (nahnu). Jedoch werden in der zweiten und dritten Person Singular wie Plural maskuline und feminine Formen unterschieden. Beispielsweise heißt das maskuline „du“ auf Arabisch „anta“, das feminine aber „anti“. Diese geschlechtsspezifische Unterscheidung gilt ebenso beim Dual, der – mit Ausnahme der ersten Person – dann verwendet wird, wenn es sich um zwei Personen handelt.

Demnach besteht im Arabischen kein Spielraum, um Zweigeschlechtlichkeit sprachlich auszudrücken, auch wenn es dafür Begriffe gibt wie mukhannath (zweigeschlechtlich) und khuntha (Hermaphrodit). Entscheidend ist in erster Linie die biologische Sicht auf den Menschen. Zunehmend diskutiert wird jedoch die subjektive Empfindung und die eigene Körperwahrnehmung. Damit beschäftigen sich heute auch islamische Theologen, die sich am Stand der Wissenschaften orientieren, um auf dieser Grundlage Rechtsmeinungen, also Fatwas, zu verfassen.
Rainer Hermann

Türkisch

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Wer Türkisch lernen will, muss sich auf harte Arbeit einstellen, denn türkçe ist eine agglutinierende Sprache: Person, Zeit und Fall werden durch Anhängsel ans Wort zum Ausdruck gebracht. Allerdings ist die türkische Grammatik von nur wenigen Ausnahmefällen geprägt, ein grammatisches Geschlecht und Artikel (außer „bir“: „ein“, „eine“) gibt es erst gar nicht. Im Türkischen muss man also nicht mitlernen, ob es der Stift, die Stift oder das Stift heißen muss. Neben Wortpaaren für Menschen wie in kadin – erkek/Frau – Mann, gibt es auch ein paar wenige Bezeichnungen für weibliche und männliche Lebewesen: tavuk – horoz/Henne - Hahn. Das ist allerdings eine sehr umständliche Formulierung, die selten verwendet wird.

Ein weiteres Verfahren, um das Geschlecht zu kennzeichnen, kommt vor allem bei Berufsbezeichnungen zum Einsatz: Garson kann sowohl die Kellnerin als auch der Kellner sein. Um zum Ausdruck zu bringen, ob es sich um eine Kellnerin oder einen Kellner handelt, setzt man das Wort kadin (Frau) oder erkek (Mann) vor die Berufsbezeichnung: kadin garson/erkek garson. Gendergerecht wird die Sprache deswegen noch lange nicht verwendet. Ganz im Gegenteil: Der Ausdruck Adam (Mann) steht für positive Eigenschaften wie tugendhaft, ehrlich und loyal. So werden auch Frauen, auf die diese Eigenschaften zutreffen, von ihren Mitmenschen als Adam bezeichnet: Adam gibi kadin (Die Frau ist wie ein Mann).

Seit den neunziger Jahren versuchen feministische Aktivisten eine gendergerechte Verwendung der türkischen Sprache durchzusetzen und die Gesellschaft durch einen veränderten Sprachgebrauch "gerechter" zu machen. Zuletzt bekamen diese Bemühungen durch die Gezi-Proteste im Jahr 2013 einen Auftrieb, doch durchgesetzt haben sie sich noch lange nicht.
Aylin Güler

Russisch

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Es gibt im Russischen ein kleines, altes Rätsel: Vater und Sohn haben einen Unfall, der Vater stirbt, der Sohn kommt in ein Krankenhaus. Dort sieht der Arzt ihn, sagt: „Das ist mein Sohn.“ Wie das? „Der Arzt“ ist seine Mutter, denn das Wort Ärztin gibt es nicht auf Russisch. Zwar existieren weibliche Berufsbezeichnungen, doch nur für die Berufe, die früher hauptsächlich die Frauen ausübten – wie Lehrerin und Krankenschwester. Die höheren Berufsbezeichnungen waren bis vor kurzem beinah immer männlich. Es gab nur den Piloten, den Präsidenten, den Autor und so weiter. Doch Feministinnen haben sich nun ein neues Suffix ausgedacht, sie nennen es „Feminitiv“, und viele streiten jetzt darüber. Es sind zwei Buchstaben: „ka“. Damit es eine Präsidentka gibt, eine Autorka. Pilotka aber ist ein wenig problematisch, weil dieses Wort schon existiert, es bedeutet übersetzt Schiffchenmütze.

Das könnte witzig sein, doch Gendergegner verstehen keinen Spaß in Russland. Sie nennen das „ka“-Suffix „Gewalt an Sprache“. Aber es gibt auch Feministinnen, die kein „ka“ hinter ihren Berufen sehen wollen. Denn die zwei Buchstaben wirken im allgemeinen Sprachgebrauch verkleinernd und verniedlichend. Und was ist mit den nichtbinären Personen in Russland? Öffentlich treten sie kaum auf, und wenn, dann wollen sie mit „es“ bezeichnet werden. Doch die Debatte über eine korrekte nichtbinäre Form ist im Moment in Russland noch nicht da, weil man erst mal das „ka“ klären muss und wie man dann die Schiffchenmütze nennen soll.
Anna Prizkau

Schwedisch

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Mit einem Kind, das sich einen Hund wünscht, begann in Schweden vor sieben Jahren eine Sprachrevolution. „Er“ heißt auf Schwedisch „Han“, „Sie“ heißt auf Schwedisch „Hon“. Aber weshalb muss man Kinder überhaupt schon als Männlein oder Weiblein beschreiben? Das fragte sich Jesper Lundqvist, als er sein erstes Kinderbuch schrieb. In seinem Buch über ein Kind namens Kivi verwendete er konsequent das Personalpronomen „Hen“ - ein Kunstwort. Erfunden hatte dieses „Hen“ bereits 1966 ein Sprachwissenschaftler, der das ständige „er oder sie“ unpraktisch fand, das sich damals einzubürgern begann. In den Neunzigern tauchte „Hen“ als Empfehlung zur Sprachvereinfachung in einem Artikel in „Svenska Dagbladet“ auf, von 2007 an regelmäßig in einer queerfeministischen Zeitschrift.

Doch erst 2012, über das Kinderbuch von Jesper Lundqvist, kam „Hen“ so richtig in der politischen Debatte und im allgemeinen Bewusstsein an. Jahr für Jahr verzeichnen Sprachforscher seither eine stärkere Verwendung des Wortes, das alle Geschlechter gleichermaßen meint: Männer, Frauen und Nichtbinäre. Auf 133 „Han“ oder „Hon“ in schwedischen Medien kam 2018 ein „Hen“. Das klingt nach nicht viel, und es ist auch nicht so, dass man beim Lesen nun unentwegt auf das Wörtchen „Hen“ stößt. Aber im Jahr 2011 sollen 13 000 „Han“ oder „Hon“ auf ein „Hen“ gekommen sein. Die Verwendung wird selbstverständlicher, sie ist auch nicht kompliziert, was die Verbreitung begünstigt. Und ins Wörterverzeichnis der Schwedischen Akademie fand „Hen“ 2015 ebenfalls Eingang. Rechtspopulisten hingegen dürften es allein in Wutreden verwenden.

Auch sonst üben sich die Schweden (die bei Substantiven seit langem nur noch zwei Geschlechter kennen: das Neutrum und das männlich-weibliche Utrum) in einer möglichst geschlechtsneutralen Sprache. Anders als in Deutschland ist es bei Berufsbezeichnungen dabei üblich geworden, nur noch die männliche Variante zu nennen: Aus Lehrerin und Lehrer, Lärarinna und Lärare, ist über die Zeit nur Lärare geworden, weil die weibliche Variante die Unterschiede dann doch eher betont und gestrig wirkt. Ein weiblicher Seefahrer heißt Sjöman (was Aktivisten Kopfschmerzen bereitet), allerdings wird ein männlicher Pfleger im Krankenhaus auch einfach Sjuksköterska, also Krankenschwester, genannt. Bei Polizisten sind heute indes beide Polis (statt Polisman), Parlamentsabgeordnete heißen für gewöhnlich nicht mehr Riksdagsman oder Riksdagskvinna, sondern Riksdagsledamot, also Reichstagsmitglied.
Matthias Hannemann

Französisch

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Es gibt im Französischen kein Neutrum und ein eisernes Gesetz: Männlich kommt vor weiblich. Es gilt auch bei hunderttausend Frauen und einem Mann. Der Kampf für die Egalité wird von der Linken geführt. François Mitterrands Frauenministerin Yvette Roudy setzte 1984 eine von der Bestsellerautorin Benoîte Groult geleitete Kommission ein, welche für die Berufsbezeichnungen weibliche Formen kreierte. Bei der Schriftstellerin war das relativ einfach und einleuchtend: Sie ist eine écrivaine – mit e. Ministerinnen allerdings lassen sich meist lieber als „Madame der Minister“ – Madame le ministre – hofieren. Der 1635 gegründete Sprachrat „Académie Française“, in den 1980 die erste Frau Einzug gehalten hatte, lief Sturm. Claude Lévi-Strauss erläuterte die Unterschiede zwischen dem „genre grammatical“ und dem „genre naturel“; Groults Reaktion: eine „phallokratische Demonstration“. François Hollandes Schulministerin frönte dem Sprach-Wahn mit Rollenspielen im Klassenzimmer und einem neuen „ABCD der Gleichheit“. Sogar ein Lehrbuch wurde in der „écriture inclusive“ gedruckt: „Liebe LeserInnen“ wird zu „cher.e.s lecteur.rice.s“. „Le Monde“ pflegt eine gemäßigtere Form ohne Punkt, was auch nicht ohne Verrenkungen abgeht.

Macrons Regierung stoppte den Unsinn in der Schule. Doch das Parlament stimmte soeben dafür, Papa und Mama auf den amtlichen Formularen durch „Elter 1“ und „Elter 2“ zu ersetzen. Der Widerstand betraf hauptsächlich die Diskriminierung der Nummer zwei. Aber sie bewegt sich doch: Ende Februar hat die „Académie Française“ ihr Plazet für die Feminisierung der Berufsbezeichnungen und Titel gegeben. Ein drittes – grammatikalisches – Geschlecht allerdings ist noch immer nicht in Sicht.
Jürg Altwegg

Englisch

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Da die englische Sprache kaum unterschiedliche Endungen für die Geschlechter kennt, sind die meisten Bezeichnungen gender neutral, so zum Beispiel „teacher“ für Lehrer und Lehrerin. Will man bei einem bestimmten Thema deutlich machen, dass es sich um einen Mann oder eine Frau handelt, muss man „male“ oder „female“ davorsetzen. Allerdings gibt es auch noch vereinzelte geschlechtsspezifische Berufsbezeichnungen wie stewardess, waitress, postman oder actress, die zunehmend ersetzt werden durch flight attendant, server oder mail carrier. Schauspielerinnen wollen heute ebenfalls meist als actors bezeichnet werden. Universitäten ersetzen die Bezeichnung „freshmen“ für Erstsemester inzwischen oft durch „first-year students“. Die geschlechtsneutrale Ansprache von Gruppen und seit einigen Jahren auch die Bezeichnung für nonbinäre Menschen wird durch die Ansprache „they“ gelöst („sie“ wie die Mehrzahl, verwendet anstelle von „he“ oder „she“). Für Latinos und Latinas bürgert sich in den Vereinigten Staaten zunehmend die Bezeichnung „Latinx“ ein.

Trotz der einfacheren Geschlechtskennzeichnung gibt es auch im amerikanischen Englisch Beispiele für Sexismus. Da ist zum Beispiel die häufige Bezeichnung von Menschen als „men“ oder die informelle Ansprache von gemischtgeschlechtlichen Gruppen als „guys“ („Leute“, eigentlich „Kerle“). Der ehemalige Präsident Barack Obama sprach stattdessen gern von „folks“. Auch dass Frauen bis ins fortgeschrittene Alter als „girls“ bezeichnet werden und sich selbst so nennen, wird von immer mehr Menschen kritisch gesehen.
Frauke Steffens
Quelle: FAZ.NET