FAZ plus ArtikelGefahr durch KI

Wehe, die Computer sagen einmal „ich“

Von Wolfram Henn
25.06.2018
, 12:21
Da ging es noch darum, die natürlich Intelligenz effektiv zu machen: Eine künstlerische Darstellung unserer Vorfahren
Die Künstliche Intelligenz kann uns gefährlich werden – dann nämlich, wenn sie autonom wird. Mit Rücksicht dürfen Unterlegene in diesem Fall nicht rechnen, der Mensch wäre ein Auslaufmodell. Ein Gastbeitrag.
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Haben sich Elon Musk und Stephen Hawking als fortschrittsfeindliche Reaktionäre geoutet, als sie vor Künstlicher Intelligenz als „existentieller Bedrohung der menschlichen Zivilisation“ gewarnt haben? In diesem Verdacht stehen sie wohl kaum, und umso ernster muss man den Gedanken nehmen, dass sich der Homo sapiens mit dem Vorantreiben des Maschinendenkens selbst in die Sklaverei, vielleicht sogar in den Untergang manövrieren könnte. An Szenarien aus der Science-Fiction-Literatur mangelt es nicht, und auch wissenschaftlich motivierte Abhandlungen wie etwa das Buch des Technikphilosophen Nick Bostrom von der „Superintelligenz“ lassen den menschlichen Geist als Auslaufmodell und die Herrschaft des Menschen über den Planeten als ihrem Ende nah erscheinen.

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Tatsache ist, dass es in den gut zwei Milliarden Jahren des Lebens auf der Erde noch keiner Spezies gelungen ist, dauerhaft an der Spitze der Artenhierarchie zu verbleiben. Tatsache ist ebenso, dass sich die in Jahrmillionen zu messenden Innovationszyklen der biologischen Evolution immer weiter verkürzt haben und dass sich deren Grundmuster auch in der kulturellen und politischen Evolution der menschlichen Zivilisation widerspiegeln. Gleichermaßen offenkundig wie ungemütlich ist die Erkenntnis, dass neue Herrscher ziemlich unbarmherzig mit ihren Vorgängern umzugehen pflegen: Die Dinosaurier, die Neandertaler, aber auch die Zaren könnten es bezeugen, wenn es sie noch gäbe.

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Wolfram Henn ist Professor am Institut für Humangenetik der Universität Homburg an der Saar und Mitglied im Deutscher Ethikrat.

Quelle: F.A.Z.
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