FAZ plus ArtikelKeine Mehrheit fürs Gendern

Deutschlernen schwergemacht

Von Edo Reents
20.05.2021
, 16:46
Ist die Gliederpuppe wirklich weiblich? Und der Stern männlich?
Gendern stellt ein Lernhindernis für Nichtmuttersprachler dar. Laut einer Umfrage des deutschen PEN-Zentrums bevorzugt sogar eine Mehrheit der Frauen das generische Maskulinum. Die Studie soll aber nicht veröffentlicht werden.
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Wer Germanistik studiert hat, erinnert sich vielleicht noch daran, dass unter den Grammatik-Lehrbüchern diejenigen, die im Titel „Deutsch als Fremdsprache“ trugen, nicht die schlechtesten waren. An Verständlichkeit und Pragmatik ausgerichtet, hielten sie sich von konservativer wie von fortschrittlicher Ideologie, von sprachbewahrenden und von sprachverändernden Bestrebungen gleichermaßen fern. Mark Twain, der das Deutschlernen als Tor zur Irrenanstalt betrachtete, hätte sicherlich gerne hineingeschaut.

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Wie er zum generischen Maskulinum stand, welches das grammatische Geschlecht vom biologischen des damit Bezeichneten unterscheidet, ist nicht überliefert. Dass es dieses generische Maskulinum, in welchem die meisten Aspekte und Affekte des sogenannten sprachlichen Genderns wie in einem Kristall zusammenschießen, gibt, ist sprachgeschichtlich nicht zu bestreiten. Die Frage ist nur, was man damit (noch) anfängt. Und das hat weit, bis tief in den Alltag reichende Folgen für alle Sprachträger: Sagt man „Liebe Leser“ (generisches Maskulinum), „Liebe Leserinnen und Leser“ (Doppelnennung), „Liebe Leser*innen“ (Sternchen beziehungsweise Asterisk) oder „Liebe Leser_innen“ (sogenannter Glottisschlag)?

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Edo Reents
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