FAZ plus ArtikelDebatte ums Gendersternchen

Wer braucht schon das Corona*zeichen?

Von Wilhelm Schmid
Aktualisiert am 04.08.2020
 - 18:11
Ein Strahlenkranz, der an die Stacheligkeit des Virus erinnert: Das Gendersternchen vertieft die Probleme, die es lösen soll. Wir sollten uns um Integrität statt um Identität kümmern. Ein Gastbeitrag.

Es kann nichts dafür, aber nun ist es in der Welt und will nicht mehr weichen. Es erinnert an Corona und daran, dass wir alle potentielle Überträger*innen der Krankheit sind. Was mal nur ein Sternchen war, weckt jedes Mal, wenn es auftaucht, ungute Assoziationen. Und der Strahlenkranz, der an die Stacheligkeit des Virus erinnert, taucht oft auf. Immer häufiger wird er stillschweigend eingesetzt. Auch die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender plazieren ihn schon mal beiläufig auf dem Bildschirm.

Nicht, dass es entsprechende Regelungen gäbe, aber die Redaktionen lassen es durchgehen. Einige sind sicherlich einverstanden. Andere fürchten die Reaktionen der Autor*innen, die mit Abbruch der Zusammenarbeit und, schlimmer noch, mit moralischer Abwertung drohen, wenn ihr Sternchen nicht im Schriftbild stehenbleiben darf: Ein klarer Fall von Diskriminierung! Kann man so reaktionär sein? Schon tobt der Shitstorm. So wird ein schleichender Übergang vollzogen, eine Machtübernahme, ohne dass es eine wirkliche Diskussion darüber gegeben hätte. Kein sehr demokratischer Vorgang.

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Wilhelm Schmid, geboren 1953, lebt als freier Philosoph in Berlin. www.lebenskunstphilosophie.de. Zu Bestsellern wurden seine Bücher „Selbstfreundschaft“, 2018, und „Gelassenheit“, 2014 (Insel Verlag).

Quelle: F.A.S.
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