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Glosse zu Moskauer Hokuspokus

Hexenhilfe für Putin

EIN KOMMENTAR Von Kerstin Holm
 - 16:10

Man sollte meinen, dass Russlands Präsident Wladimir Putin eigentlich genügend spirituelle Unterstützung habe. Das Oberhaupt der Russischen Orthodoxen Kirche, Patriarch Kirill, ist ihm treu ergeben, ebenso wie der Metropolit Tichon, der als Kirills wahrscheinlicher Nachfolger gehandelt wird und des Präsidenten Beichtvater sein soll, außerdem lädt das Staatsoberhaupt bei Besuchen auf der nordrussischen Klosterinsel Walaam regelmäßig seine Batterien auf.

Doch das reicht womöglich nicht mehr. Selbst das offiziöse Umfrageinstitut WZIOM stellt fest, dass die Zustimmungswerte zu Putin in der Bevölkerung sinken, was auf die fallenden Einkommen und das steigende Rentenalter zurückzuführen sein dürfte. Auch auf die Kirche scheint kein Verlass mehr, seit das Moskauer Patriarchat die Anerkennung einer autokephalen Kirche in der Ukraine durch Konstantinopel nicht verhindern konnte und zuvor wiederholt priesterlich gesegnete russische Testraketen vom Himmel fielen. Doch in der Not wächst das Rettende.

In einer Moskauer Villa versammelten sich soeben einige Dutzend Frauen, die sich als praktizierende Hexen bezeichneten, um Putin magische Energie zukommen zu lassen. Die in schwarze Umhänge gehüllten Frauen stellten sich auf zu einem „Kreis der Kraft“, während eine von ihnen namens Aljona Polyn, die aus einer Hexendynastie stammen will, Zaubersprüche skandierte wie „Kraft Russlands, erhebe dich und leite Wladimir Putin!“ oder „Wahrlich, möge Putin die rechten Wege sehen!“ Ein Machthaber verkörpere das, was ein Land verdiene, weise Menschen dürften daher nicht negativ über einen Präsidenten reden, begründete Aljona Polyn ihre unbedingte Loyalität zu Putin, gegen dessen Feinde sie spezielle Verfluchungen aussprach. Auch ihre Kolleginnen bekannten sich als Putin-Fans.

Die junge Hexe Afrodita erklärte, sie sei grundsätzlich für alles Höherstehende. Die Magierin Juliana, die Rituale zur Geldvermehrung abhält, bezeichnete die Unterstützung für den Präsidenten als obligatorisch. Die füllige Irina ergänzt, in der gegenwärtigen schwierigen Lage müsse man Putin mit allen Kräften beistehen. Worin die Schwierigkeiten bestünden, wer Putin anfeinde, das konnte oder wollte freilich keine der Hexen sagen. Auch auf die Frage, welche politischen Entscheidungen des Präsidenten sie gut fänden, antworteten die Frauen ausweichend: alle. In den sozialen Netzwerken stöhnt und höhnt man über die Selbstmobilisierung der Scharlatane. Doch deren sechster Hexensinn scheint genau zu spüren, dass in diesen Krisenzeiten die Nachfrage nach Hokuspokus auch bei den Machthabern steigt.

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Kuriose Aktion
Hexenkräfte für Präsident Putin

Quelle: F.A.Z.
Kerstin Holm
Redakteurin im Feuilleton.
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